Zoo Münster verlangte kein Eintrittsgeld und erzielte Umsatzrekord

21. Jänner 2013, 15:50
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Die Zooleitung überbrückte mit einer mutigen Idee den umsatzschwachen Dezember

Insgesamt 56.000 Besucher zählte der Zoo Münster im Dezember und in der ersten Januarwoche. So viele Menschen waren das letzte Mal im Jahr 1974 gekommen, als der Tiergarten eröffnet worden war. Der raffinierte Schachzug der Zooleitung bestand darin, die Besucher statt eines festen Eintrittspreises so viel zahlen zu lassen, wie sie wollten: "Pay what you want" - im Notfall gar nicht. Der Zoo hätte in diesem schwach besuchten Monat einfach nichts zu verlieren gehabt, erklärt die Sprecherin gegenüber "Zeit Online".

Statt der 14 Euro Eintritt wurden im Durchschnitt 4,76 Euro am Eingang hingelegt. Die Einnahmen waren trotzdem insgesamt 2,4-mal so hoch wie im Vorjahr: Die Masse macht's. Auch der Umsatz in der Caféteria am Parkplatz war überdurchschnittlich gut. 

Wissenschafter hatte Idee

Die Idee für das Zoo-Projekt hatte ein Wissenschafter der Rheinisch-Westfaelischen Technischen Hochschule Aachen. Der dortige Marketingspezialist Marcus Kunter beschäftigt sich schon seit Jahren mit ungewöhnlichen Preismodellen. Allerdings sei "Pay-what-you-want" im deutschen Sprachraum noch wenig erforscht, so Kunter.

Aber wieso zahlt jemand für ein Produkt, das es eigentlich umsonst geben würde? Mit dieser Frage setzten sich auch Forscher um Ayelet Gneezy von der Universität von Kalifornien (La Jolla) in einer Untersuchung auseinander, derStandard.at berichtete. Die verkürzte Erklärung: Die Käufer wollen ihr positives Selbstbild aufrecht erhalten und handeln daher marktwirtschaftlich nicht völlig egoistisch.

Restaurant in Wien

Es gibt bereits zahlreiche Geschäftsleute weltweit, die das Modell erfolgreich einsetzen. Ein Beispiel in Österreich ist das Speiselokal "Wiener Deewan" im neunten Wiener Gemeindebezirk. Dort gibt es keine Speisekarten, aber dafür auch keine fixen Preise. Und die britische Band Radiohead überließ es bei ihrem siebten Studioalbum "In Rainbows" den Fans, wieviel sie dafür zahlen wollten. (jus, derStandard.at, 21.1.2013)

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    Im Dezember kamen normalerweise die wenigsten Besucher in den Zoo Münster. Nicht dieses Jahr: Durch eine mutige Geschäftsidee konnte der Tiergarten einen Umsatzrekord verbuchen.

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