Medienmanager: Smartphones und Tablets werden Fernsehen ergänzen

21. Jänner 2013, 12:39
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Klassisches TV wird wegen hoher Reichweite für Werbung nicht aussterben, glauben Macher - Lineares Fernsehen bedroht

Videoangebote und TV-Inhalte auf Smartphones oder Tablet-Computer werden klassisches Fernsehen nach Ansicht von Medienmanagern nicht überflüssig machen. "Ich glaube fest daran, dass das lineare Fernsehen noch eine lange Zukunft hat", sagte der Chef des Kabelnetzbetreibers Unitymedia, Lutz Schüler, am Montag auf der Innovationskonferenz DLD13 in München. Die Digitalisierung verändere die Mediennutzung zwar massiv, dennoch könnten Sender und Anbieter von dieser Revolution profitieren - und auch künftig Geld verdienen.

Das sieht auch ProSiebenSat.1-Digital-Vorstand Christian Wegner so: Es gebe nicht nur genug Platz für all diese Angebote, sie würden sich sogar gut ergänzen. "Wir sehen, dass das TV-Geschäft ein Treiber für die Digitalisierung ist." Gerade die privaten Anbieter böten der Werbeindustrie eine Reichweite, die andere Medien nicht schaffen könnten. Grundlage für diese Wirksamkeit seien hochwertige Inhalte, die nur große Sender bieten könnten. RTL und ProSiebenSat.1 würden zusammen allein gut 2 Milliarden Euro im Jahr für Inhalte ausgeben.

Zusätzliche Vermarktungsplattformen

Der Konzern vermarktet diese Inhalte längst nicht mehr nur im klassischen linearen Fernsehen, sondern auch online, wie etwa auf der Videoplattform Maxdome und investiert in Internet-Unternehmen. Es werde darauf ankommen, die Möglichkeiten des Netzes mit denen des Fernsehens zu verbinden. Den Zuschauern werde es zwar weniger wichtig sein, wo sie etwas sehen, nicht aber was sie sehen. "Es geht um die richtigen Inhalte." Das Netz sei wie Kabel oder Satellit ein weiterer Kanal für die Produkte der Fernsehsender.

Der Chef der Lifestyle-Plattform Glam, Samir Arora, sagte, das gelte auch für die Werbung, die durch das Netz smarter werde. "Eine Anzeige für ein neues Auto jemanden zu zeigen, der gerade ein Auto gekauft hat, ist komplette Verschwendung." Gerade hier könnten Web-Angebote von TV-Sendern ihre Stärken ausspielen - anders als das etwa Zeitungen oder Magazinen möglich sei. "Das Digitalgeschäft ist eben keine Erweiterung für das Printgeschäftsmodell. Es ist aber sehr wohl eine Erweiterung für das Geschäftsmodell Fernsehen."

Das Nachwuchs-Problem

Yahoo-Spitzenmanager Henrique De Castro sieht Probleme auf das traditionelle lineare Fernsehen zukommen. Gerade die nachwachsende Internetgeneration sei immer weniger bereit, fehlende Nutzerfreundlichkeit und Personalisierung oder ein zielloses Zappen durch feste Kanäle zu akzeptieren, sagte er in München. Das Web steht nach Einschätzung von De Castro vor dem nächsten Entwicklungsschritt hin zu einem hochgradig personalisierten Medium. Für den Nutzer bedeute das Konzept "Mein Internet" einen ständigen Strom von für ihn relevanter Informationen, Austausch mit Freunden, aber auch auf seine Interessen zugeschnittene Werbung, sagte De Castro am Montag auf der Innovationskonferenz DLD in München.

Nachdem das Internet in seiner frühen Phase eher ein geschlossener Container nach dem Muster traditioneller Medien gewesen sei, gelte jetzt: "Der Nutzer wird zu seinem eigenen Container." Der ehemalige Google-Manager De Castro, der Ende vergangenen Jahres als Chief Operating Officer zu Yahoo wechselte, sieht die klassischen Internet-Portale vor großen Herausforderungen.

"Der Nutzer wird zu seinem eigenen Container"

Es gehe darum, für jeden einzelnen Nutzer die richtige Mischung aus redaktionellen Qualitätsinhalten, fremden sogenannten aggregierten Inhalten sowie den über soziale Medien bereitgestellten Beiträgen der Anwender zu finden. Nur wenn dies gelinge, könnten die Portale auch im dynamisch wachsenden mobilen Internet ihre starke Marktposition halten.

Probleme sieht De Castro für das traditionelle lineare Fernsehen. Gerade die nachwachsende Internetgeneration sei immer weniger bereit, fehlende Nutzerfreundlichkeit und Personalisierung oder ein zielloses Zappen durch feste Kanäle zu akzeptieren. (red, APA, 21.1.2013)

  • TV ist nach Meinung der Medienmacher auf der DLD 2013 keineswegs verstaubt - einzig lineares Fernsehen könnte von den Digital Natives aufgrund fehlender Personalisierung abgelehnt werde, vermutet Yahoo-Manager De Castro.
    foto: dpa/dpaweb

    TV ist nach Meinung der Medienmacher auf der DLD 2013 keineswegs verstaubt - einzig lineares Fernsehen könnte von den Digital Natives aufgrund fehlender Personalisierung abgelehnt werde, vermutet Yahoo-Manager De Castro.

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