"Früher hat die CIA Waffen geschmuggelt, heute sind es Internet-Zugänge"

21. Jänner 2013, 10:30
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USA investierten Geld um Internet-Zugang in autoritär regierten Staaten sicherzustellen

Das US-Außenministerium hat in den vergangenen Jahren mehr als 100 Millionen Dollar (75,05 Mio. Euro) für die Sicherung des Internet-Zugangs in Ländern mit autoritären Regimen ausgegeben. Es gehe darum, dass Menschen sicher und anonym kommunizieren können, auch wenn eine Regierung die Netze abschalte, sagte US-Diplomat Alec Ross am Sonntag auf der Innovationskonferenz DLD13 in München. Er beriet in den vergangenen vier Jahren die bisherige US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Zahl "digitaler Diplomaten" im amerikanischen Außenamt sei von ursprünglich zwei auf zuletzt 155 gestiegen, sagte Ross.

"Es gibt kein Gesicht eines Anführers, das man auf ein T-Shirt packen könnte."

Online-Dienste wie Twitter oder Facebook haben eine große Rolle bei den Umbrüchen in Ländern wie Ägypten oder Libyen gespielt. Das Internet schaffe eine neue Art von politischen Bewegungen: "Es gibt kein Gesicht eines Anführers, das man auf ein T-Shirt packen könnte." Insgesamt sieht Ross in der Politik einen Machtwechsel von Bürokraten hin zu vernetzten Menschen.

Ross erzählte in München von zwei US-Projekten für Länder mit autoritären Regimen. Eins ist ein "Panik-Knopf" fürs Handy. Im Fall einer Festnahme kann ein politischer Aktivist mithilfe dieser Software schnell den Inhalt seines Adressbuchs und die SMS-Mitteilungen löschen. "Die Informationen im Handy waren für die Behörden oft wie ein Wegweiser."

"Internet aus dem Koffer"

Das zweite Projekt ist "Internet aus dem Koffer": Eine kompakte Anlage, die schnell einen autonomen Netz-Zugang herstellen kann. Solche Koffer könnten sich bereits in Ländern befinden, wo der Internet-Zugang bedroht ist. "Denn auf der ersten Seite des Ratgebers für Diktatoren steht: Im Fall von Unruhen muss man das Internet abschalten", erklärte Ross. Früher habe die CIA Waffen für Aufständische geschmuggelt und heute seien es Internet-Zugänge, merkte Ross' Münchner Gesprächspartner, "New York Times"-Journalist Nick Bilton, an.

Bei der Konferenz DLD ("Digital Life Design") tauschen sich seit Sonntag Unternehmer, Experten, Investoren und Medienvertreter über Internet-Trends und Entwicklungen der Digitalisierung aus.(APA, 21.01. 2013)

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    In einem Koffer soll der Bausatz Platzfinden, um ein Schattennetzwerk aufzubauen, das unabhängig vom offiziellen Netz betrieben werden kann.

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