Kosice 2013 eröffnete nicht pannenfrei, aber begeistert

20. Jänner 2013, 19:47
3 Postings

Ein paar Bauvorhaben sind noch nicht fertig - Zahlreiche Beiträge aus Österreich geplant

Kosice - Eine Woche nach Marseille in Frankreich hat auch Kosice (Kaschau) in der Slowakei am Wochenende das Festjahr als Kulturhauptstadt Europas 2013 gestartet. Das Winterwetter verzögerte die schon für Samstag geplante Ankunft von EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou auf Sonntag. Die slowakischen Medien wiederum kritisierten eine Reihe von Bauverzögerungen.

Mehrere wichtige Bauprojekte wie der Umbau einer stillgelegten Schwimmhalle in eine zentrale "Kunsthalle" sowie die Renovierung des Ostslowakischen Museums und der Ostslowakischen Galerie als zwei der bisher größten Kultureinrichtungen der Stadt wurden nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig.

Die Organisatoren sprühten dennoch vor Euphorie: Der Rang als Kulturhauptstadt Europas 2013 werde Kosice bisher nie gekannte kulturelle Impulse bringen, die auch den Tourismus nachhaltig ankurbeln sollten, prophezeite der künstlerische Leiter Vladimir Beskid bei der Eröffnung. Es gehe nicht nur um eine Ansammlung von Kulturprojekten und Veranstaltungen, sondern um nicht weniger als die "Transformation einer Industriestadt zu einem Zentrum der Kultur und Kreativität".

Den Auftakt am Samstagmorgen bildete aber noch in liebevoller Bescheidenheit ein "literarisches Frühstück" mit Lesungen in mehreren Kaffeehäusern der Stadt für das einheimische Publikum. Auf internationale Aufmerksamkeit setzte dann der Höhepunkt der Eröffnungsfeiern am Sonntagabend - mit einem Galaprogramm für prominente Gäste im Staatstheater und einer "Grand Opening Show" auf einer Freilichtbühne am Hauptplatz der Stadt.

Auch die rund 360 Events während des restlichen Jahres sollen eine möglichst breite Mischung bieten. "Von Kulturereignissen internationalen Formats mit Spitzenkünstlern aus aller Welt und allen Genres der europäischen Kunst bis hin zu lokalen Stadtteil-Kulturveranstaltungen", beschrieb Beskid das Spektrum.

So wolle Kosice im Rahmen der "New Dance Days" im Oktober und der "Welttage der Neuen Musik" im November an künstlerischen Experimenten der internationalen Kulturszene teilhaben und sich dauerhaft mit ihr vernetzen. Zugleich will man aber auch die Bevölkerung der einzelnen Stadtteile Ausstellungen zu ihrer eigenen Alltagsgeschichte zusammenstellen lassen sowie Behinderte und Randgruppen als Kulturträger sichtbar machen.

Österreichs Beiträge

Unter den zahlreichen Eröffnungsgästen befand sich auch eine österreichische Delegation, darunter Botschafter Martin Eichtinger, Leiter der Kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums, Markus Wuketich, österreichischer Botschafter in der Slowakischen Republik und Gesandte Brigitte Trinkl, Leiterin des Österreichischen Kulturforums Bratislava (Preßburg). Mehrere Projekte aus Österreich bereichern das bunte Kulturprogramm der zweitgrößten Stadt der Slowakei.

Außenminister Michael Spindelegger freute sich in einer Aussendung  über die vom Kulturforum organisierte und koordinierte österreichische Beteiligung: Den Anfang machte bereits  am Samstag die Präsentation der Installation "Tape" des österreichisch-kroatischen Trios "numen/for use" sowie eine Designausstellung der FH Joanneum Graz. Die in der Technischen Universität von Kosice aufgebaute Installation "Tape" ist laut Aussendung "eine biomorphe Architektur, bestehend aus 50 km Klebeband" und gleiche einem "schwimmenden, transparenten Kokon", die eine durchsichtige, sich den Besuchern öffnende, begehbare Landschaft darstelle. Die FH Joanneum Graz zeigt in einer Ausstellung im Vojtech-Löffler-Museum einen Ausschnitt der kreativen Gestaltungskraft von Studierenden und Lehrenden der Studiengänge "Informationsdesign", "Ausstellungsdesign" und "Communication, Media and Interaction Design".

Einen Beitrag zum Schwerpunktthema Architektur liefert in Zusammenarbeit mit dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung die Fotoausstellung "Bau(t)en für die Künste". Ausgangspunkt für die Schau sind die Kulturbauten, die in den letzten zwei Jahrzehnten in Niederösterreich entstanden sind. Eine neue Partnerschaft wird mit der Unterzeichnung eines Artist-in-Residence-Austauschprogrammes zwischen Krems und Kosice begründet.

Im Rahmen der "Triennale zeitgenössischer Kunst" wird im September und Oktober 2013 die Fotoausstellung "One Minute Sculptures" von Erwin Wurm gezeigt. Ebenfalls für den Herbst wird "sound:frame AV", eine Plattform für audiovisuelle Ausdrucksformen, eine Auftragsarbeit entwickeln, die die großen Themen von Kosice 2013 "Wir fördern Kreativität", "Über Grenzen hinaus" und "Zukunft" audiovisuell darstellen wird.

Zu den weiteren österreichischen Projekten zählen das Migrantenstück "Slobodija Odysseia, mon Amour", die Präsentation der jungen österreichischen Geigerin Lara Kusztrich mit dem Orchester der Staatlichen Philharmonie Kosice, ein Auftritt von Shmuel Barzilai, Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeine in Wien, im Rahmen des Festivals jüdischer Kultur "Mazaltov" sowie eine Lesung von Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap in der Österreich-Bibliothek Kosice.  (APA, 20.1.2013)

  • Die Eröffnungsfeier im Theater von Kosice.
    foto: apa / epa/str

    Die Eröffnungsfeier im Theater von Kosice.

Share if you care.