EU sucht nachhaltigeren Zugang zum Fischfang

Johanna Ruzicka, 20. Jänner 2013, 18:14

Nach massiver Kritik an der EU-Fischfangpolitik und an leergefischten Meeren arbeitet Brüssel an einer Reform

Brüssel/Wien - Demnächst starten im EU-Parlament die Diskussionsrunden zu einem von der EU-Kommission ausgearbeiteten Fischereipaket. Wie bei ähnlichen Reformplänen, etwa bei der Agrarpolitik, soll mit Beginn des nächsten EU-Haushalts ab 2014 eine nachhaltigere Fischereipolitik definiert sein. Die rund 900 Millionen Euro, mit denen die EU jährlich den Fischfang fördert, sollen künftig so eingesetzt werden, dass die massive Übernutzung der ursprünglich sehr reichhaltigen europäischen Fischgründe gestoppt wird.

Ein schwieriges Unterfangen, denn die Widerstände gegen die Kommissionsvorschläge sind groß. Für EU-Mitgliedsstaaten mit Meerzugang ist die Fischerei in der Regel eine Angelegenheit von hoher industrie- und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung. Doch sind mittlerweile 63 Prozent wichtiger Fischbestände im Atlantik überfischt; 82 Prozent im Mittelmeer und vier von sechs der untersuchten Bestände in der Ostsee, so eine Kommissionsuntersuchung vom Vorjahr.

Kein EU-Geld für Trawler-Ausbau

Kern des EU-Vorschlags ist es, die extrem hohen Fangkapazitäten einzuschränken. Der Ausbau von Trawlern - es sind dies riesige Schleppnetzschiffe - soll nicht mehr mit EU-Geldern gefördert werden.

Allerdings steckt dabei der Teufel im Detail: Eine Abwrackprämie, wie sie die EU in dem Zusammenhang bereits früher ausgezahlt hat, hat sich als kontraproduktiv herausgestellt. Wie der EU-Rechnungshof im November 2011 in einer Untersuchung feststellte, wurde von Reedereibetrieben in Spanien, Frankreich und Belgien die Prämie genommen, abgewrackt - und dann in neue, noch größere Fischtrawler investiert. Während die EU-Kommission deshalb für die Abschaffung solcher Abwrackprämien eintritt, sind die großen Fischereinationen für eine Beibehaltung, erläutert Oliver Drewes, Kommissionssprecher für Fischerei- und Meeresangelegenheiten.

Im EU-Vorschlag werden auch andere finanzielle Unterstützungen künftig ausgeschlossen: für den Bau neuer Häfen, Anlegestellen oder für weitere Fischauktionshallen. Zu sehr darf man den Bogen aber nicht überspannen, weiß Greenpeace-Expertin Melanie Aldrian, da die europäische Fischfangindustrie sonst unter anderer, nicht europäischer Flagge fahren könnte.

Jamie Oliver gegen Rückwurf

Dank einer massiven öffentlichen Lobby werden auch die sogenannten Rückwürfe neu diskutiert, obwohl sie die Fischereiindustrie eigentlich ablehnt. Dabei geht es darum, dass ungenutzte Beifänge - Fische und Meeressäuger, die ungewollt in die Netze geraten - tot oder sterbend über Bord geworfen werden. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO belaufen sich die Rückwürfe im Nordostatlantik, einschließlich Nord- und Ostsee, auf 1,3 Millionen Tonnen im Jahr.

Angeführt von prominenten Köchen in Deutschland und Großbritannien (beispielsweise Tim Mälzer, Jamie Oliver), wurden Kampagnen gegen diese Verschwendung gestartet. Beim Fischfang in der Nordsee wird beispielsweise die Hälfte aller gefangenen Fische wieder tot zurück ins Meer geworfen.

Laut Reformplan der EU soll es bis 2020 schrittweise zu einem totalen Rückwurfverbot kommen; der EU-Fischereiausschuss hat sich auch dafür ausgesprochen. Die Technologien dafür, dass Netze entwickelt werden, die den Beifang hintanhalten, wird von der EU-Kommission gefördert werden, kündigt Drewes an. Trotzdem stemmen sich die typischen EU-Fischereinationen dagegen, bedeutet weniger Rückwurf doch höhere Kosten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; 21.1.2013)

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als konsument entscheidt jeder mit

einkaufsratgeber fisch des WWF

http://www.wwf.de/aktiv-wer... ber-fisch/

hilft z.B. zu verstehen warum zuchtfisch nicht automatisch besser ist für die umwelt usw.

"Prämie genommen, abgewrackt - und dann in neue, noch größere Fischtrawler investiert"

In Brüssel scheint es ein Nest mit Intelligenzpolzen zu geben! Mit Korruption hat das natürlich nichts zu tun!

Ihr wisst schon wer das alles Bezahlt?

Anmerkung: Das ist so ...

also würde man Spediteuren und Frächtern sagen wir wollen nicht mehr soviele LKWs auf der Strasse - Ihr bekommt für jeden verschrotteten LKW 20.000,- Euro!

Guter Zeitpunkt für eine kleine Verhaltensänderung. Ich werde in Zukunft bei jedem Fisch darauf achten, dass es ein Nachhaltigkeitssiegel hat.

Aquaponik

http://de.wikipedia.org/wiki/Aquaponik
Von dem was ich bisher gelesen habe, wäre Aquaponik, die Kombination aus Pflanzenanbau und Fischzucht, eine nachhaltige Alternative um an Fisch zu kommen. Die Anbaumethode soll besonderst bodenschonend und wassereffizient sein.

Problematisch sind der Preis, denn diese Anlagen sind teuer in der Anschaffung und vielleicht die artgerechte Haltung der Fische.

Den Nachhaltigkeitspreis vom National Geographic hat die Forschung bereits bekommen. Ich bin für Kritik an diesem System interessiert, sofern es dazu bereits gute Kritik gibt.

nach schnellem Drüberlesen, läuft das Prinzip nicht anders ab, wie in einem Aquarium -> die Ausscheidungen der Fische sind der 'Dünger' für die Pflanzen (natürlich funktioniert's im Aquarium deshalb, weil es in den natürlichen Gewässern genauso funktioniert ;))

Und bei Aquarien ist es generell so - umso größer, umso stabilere Verhältnisse, umso zuverlässiger funktioniert der Kreislauf

Danke für den Link!

Gerne, wie geschrieben, bis jetzt gefällt mir diese Art des Anbaus sehr gut. Ich habe bisher noch keine negativen Aspekte gefunden, außer den hohen Anschaffungskosten.

Bisher habe ich aber auch nur Informationen von Menschen die damit arbeiten, forschen und verkaufen erhalten. Diese Menschen werden aber nicht mit den negativen Informationen hausieren gehen, daher wollte ich mal sehen, ob andere Menschen vielleicht zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen können.

widerliche heuchelei

für die heimischen gewässer nachhaltigkeit predigen, vor der afrikanischen küste monstertrawler subventionieren und damit die dortige kleinstrukturierte fischerei zerstören. lesetipp: http://tinyurl.com/asjl2le

Nur noch Süsswasserfische aus der Zucht. Keine Fischstäbchen mehr aus Kubikmetertiefkühlblöcken aus China, Sushi und anderes. Ich will meinem Enkerl nicht erklären müssen was wir angerichtet haben. Der Konsument hat es in der Hand.

Nicht böse gemeint, aber dreimal dürfen Sie raten was die Zuchtfische (ja, auch die heimischen) zu Fressen bekommen?

Fischmehl

Und wenn man 1+1 zusammen rechnet, stammt das Fischmehl natürlich nicht aus der heimischen Fischzucht (die werden ja als Speisefische verkauft) sondern wiederum aus den überfischten Weltmeeren...

Sorry, falls ich Illusionen zerstört haben sollte, trotzdem noch einen schönen Tag!

Keine Alternative

... oder wollen sie wirklich diese mit Antibiotika und anderen Mittelchen vollgestopften Fische aus Süßwasserzuchten essen?
Ich esse z.B. sicher keinen Pangasius (Wels).
Abgesehen davon:
Die Zucht-Arten, entflohen aus diversen Betrieben, machen weltweit Riesenprobleme und bedrohen die heimischen Faunen. Tilapia (Buntbarsche) schon jetzt fast weltweit in wärmeren Gewässern, Lates ("Victoriabarsch") hat schon die Fauna eines ganzen Sees zugrunde gerichtet, Clarias (sehr robuste Welse, die sogar über Land "gehen" können) ein Problem in vielen Ländern, ... und Pangasius, die wie Mastschweine gehalten werden, sind auch nicht wirklich appetitlich. Das Problem/die Probleme ist/sind leider nicht so einfach zu lösen.

die böse industrie, der gute konsument

immer sind es die anderen, die schuld sind, die sich ändern müssen, damit es besser wird.

über die japaner wird geschimpft. die sind böse, weil die töten wale. außerdem essen sie hunde.

wir sind die guten, weil wir töten keine wale. wir essen nur fische. außerdem sind sie gesund. das sagen sogar die köche im fernsehen. jetzt engagieren diese sich sogar für die reduktion der verschwendung. dann kann ich mir also weiterhin den fisch nach deren rezepten schmecken lassen.

hallo! kauft keinen fisch mehr & das problem wird sich ganz einfach von selbst lösen.

ich red aber gern fisch

Es geht vor allem darum, den zu billigen nicht zu kaufen. Es gibt auch Zertifizierung für nachhaltig gefangenen fisch, kostet hält bisl mehr und: natürlich machts Sinn, dass die Eu schaut, dass wir auch in 20 Jahren noch durch in den Gewässern haben.

sehe ich genau so!

die Reform heißt:

Island in die EU aufnehmen unm dort weitermachen zu können.

Kennen sie Aquaponik ??

In einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert Wasser zwischen Becken mit Fischen und Becken mit Pflanzen. Also eine Kombination aus Pflanzen in Hydrokultur und Fischen in Aquakultur, bei der die Stickstoffausscheidungen der Fische die Pflanzen düngen. Das ganze geht im kleinen im Gewächshaus zur Selbstversorgung mit Pflanzen und Fisch.

das ganze würde besonders bei "industrieller nahrungsmittelgewinnung" sinn machen. wenn man das ganze als kompletten nahrungsmittelkreislauf betreibt. zuerst sauberwasser süsswasserfische mit das wasser dann für wels, karpfen und co. verwendet. das "überdünge" fischwasser zuerst durch algenzucht (futter für kleine fische welche gleichzeitig auch nahrung für speisefisch dienen) das vorfilterte wasser verwendet man dann weiter um starkzehrer (paradeiser und co.) dann schwachzehrer "salate, karotten usw.." zu düngen das gereinigte wasser + regenwasser wird wieder bei den sauberwasserfischen eingesetzt.

wird aber kaum verwendet da es zu wenig profit abwirft bzw. der aufwand größer ist bis das system perfekt läuft.

Jeder der ein gut eingelaufenes Aquarium zu Hause hat, weiß wieviel Aufwand das bedeutet ;-)

Und selbst ein 20 Liter Aquarium (mit Fischen) funktioniert nach den von Ihnen aufgezählten Abläufen.

Aber wenn jemand genügend Platz für einen Teich hätte, könnte sich auch so ein Aquaponik-System basteln...

wird auch zeit, dass mehr augenmerk auf nachhaltigkeit gelegt wird

UN möchte Weltuntergang verhindern - Industrie dagegen

Einfach nur mehr pervers. Unsere Kinder werden's uns danken ...

die schlagzeile passt täglich.

Interessante Dokus zu dem Thema:

Hühner für Afrika
http://www.youtube.com/watch?v=9oSVYMOcsd4

die EU ruiniert mit subventioniertem Fleisch aus Überproduktion den afrikanischen Hühnermarkt

Somalia und die Giftmüllmafia
http://www.youtube.com/watch?v=j4r1DZvU9es

Meere ausfischen und Giftmüll abladen

Großartige Leistung der Wirtschaftskriminellen die die Welt regieren.

Hat die EU nicht einmal Prämien dafür bezahlt, damit Fischer in Portugal und Griechenland ihre kleinen Boote verbrennen?

"Netze entwickelt werden, die den Beifang hintanhalten"
Größere Maschenweite?

Hab den Eindruck, da sind lauter. von Lobbyisten gesteuerte, Idioten am Werk!

und unsere Grünen

stimmen für diese EU!

Sicher, nur solche Leute. Mittlerweile fischen die schon die Fischgründe vor Afrika aus. Dort fangen die einheimischen Fischer nichts mehr.

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