Der Tod lügt nicht

20. Jänner 2013, 17:49
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Seine Kernkompetenz, so könnte man sagen, besteht im Gegenteil eher darin, sprachlos zu machen

"Ich knall' dich ab wie eine Weihnachtsgans", brüllt Ben Becker und schießt mit seiner Büchse gen Himmel. Das mag man ihm auch privat durchaus zutrauen, in diesem Fall jedoch verkörperte er am Samstag auf Arte in einem Doku-Drama den Baron von Münchhausen. Bis zum letzten Jahr gab Becker bei den Salzburger Festspielen den Tod. Davon ist die Rolle des Lügenbarons denkbar weit entfernt. Der Tod lügt nicht. Er ist überhaupt nicht sehr gesprächig. Seine Kernkompetenz, so könnte man sagen, besteht im Gegenteil eher darin, sprachlos zu machen.

Hier wiederum scheint Becker einen Zugang zu seiner Rolle als Münchhausen gefunden zu haben. Wenn er als "Salonlöwe" seine Lügenmärchen zum Besten gibt, haben die anderen Sendepause. Wie am Lagerfeuer scharen sich die Adeligen andächtig um den Erzähler. Die Farben sind gedeckt, als läge ein Nebel über der Szenerie. Der Baron röhrt etwas von Kanonenkugel und halbierten Pferden, breitet andächtig seine Arme aus, schaut finster drein, als wär's eine Schauergeschichte.

Als Experte kommt unter anderen Terry Gilliam zu Wort. Der hat nicht nur die "Abenteuer des Münchhausen" verfilmt, sondern auch "Die Ritter der Kokosnuss" oder "Brothers Grimm" gemacht. Gilliam spricht von Fantasie, davon, wie wichtig es ist, an das Unmögliche zu glauben. Er lacht viel. In den Spielszenen passiert das eher selten. Es geht darum, wie ein unter dem Namen Münchhausen veröffentlichtes Buch, lose angelehnt an seine Prahlereien, seinen Ruf und sein Leben zerstörte. Das ist naturgemäß nicht zum Lachen. Zumindest die Szenen, in denen der Lügenbaron seine Märchen zum Besten gibt, hätten etwas mehr Farbe und Leben aber durchaus vertragen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 21.1.213)

  • Ben Becker als Münchhausen.
    foto: ndr/gebrüder beetz filmproduktion

    Ben Becker als Münchhausen.

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