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Jene Putzfrau, die am Dienstag in Stockholm einen Vorortezug gekapert haben und damit in ein Wohnhaus gerast sein soll, wurde zu Unrecht beschuldigt. Am Freitag entschuldigte sich die Bahngesellschaft Arriva für ihre schnelle öffentliche Anklage gegen die 22-Jährige. Ein Unternehmenssprecher sagte, das Unglück in der Nacht auf Dienstag sei möglicherweise auf einen Irrtum oder technischen Fehler zurückzuführen. Die Frau war im Führerstand und wurde bei dem Unglück schwer verletzt.
"Ich bedaure, dass wir nicht früher ein ausgewogenes Bild von mehreren möglichen Ursachen für das Unglück gegeben haben", sagte Arriva-Sprecher Tomas Hedenius.
Der Zug hatte sich in einem Depot in Saltsjöbaden in Bewegung gesetzt und war nach eineinhalb Kilometern über einen Prellbock hinaus mit hoher Geschwindigkeit in das mehrstöckige Wohnhaus gerast. Außer der Putzfrau war niemand an Bord. Die Bewohner des Gebäudes blieben unverletzt. Die Putzfrau war laut orf.at zwei Stunden im Führerstand eingeklemmt und musste per Hubschrauber ins Karolinska-Krankenhaus gebracht werden.
Bei dem im Depot des Vororts Saltsjöbaden abgestellten Zug waren laut orf.at weder die Bremsen angezogen noch die Weichen nach draußen korrekt gestellt, wie SL-Sprecherin Suss Forsman Tullberg Stockholmer Medien bestätigte. Auch sei der Verkehrsleitstand für die Vorortbahn nicht mehr besetzt gewesen. Dazu habe noch der Startschlüssel im Führerpult gesteckt, den die Putzfrau dort vermutlich versehentlich betätigt hatte.
Die Polizei hatte die Frau unmittelbar nach dem Unglück für festgenommen erklärt, nachdem Arriva öffentlich den Diebstahl des Zuges als einzige denkbare Ursache für das Unglück bezeichnet hatte. (APA/red, 19.1.2013)
Nachlese:
The local.se: Cleaner in train crash cleared of suspicion
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Zum Glück hat sich die Firma recht laut entschuldigt und hilft ihr. Statt es unter den Teppich zu kehren oder zu sagen, dass sie vorsichtiger hätte sein müssen oder so. Fehler machen alle, aber das ist wenigstens ein okayer Umgang damit.
ist sie auf eine Überlebensregel nicht eingeschult worden: wenn der Zug zu rollen beginnt dann nichts wie weg aus der Führerkabine und so weit nach hinten wie möglich!
Mit einer Gehinrnerschütterung zwischen Stromaggregaten liegen ist ungleich besser als im Führerhaus eingequetscht sein.
und 289 phantastische Postings zur APA-Meldung vom 15. Jänner 2013 http://derstandard.at/plink/135... id29737190
shit happens - es gibt schließlich auch die allseits bekannten "technischen Defekte", warum redet niemand davon? Muß wirklich die Putzfrau irgendwo am falschen Hebel gedrückt haben?
Ich erinnere mich noch vage an einen Güterzug der in den Siebzigerjahren aus einer Nebenlinie in den Bahnhof Liesing donnerte - ohne Lokführer und Personal und unter Mitnahme eines Bahnhofes. Damals wurde es als ein Wunder betrachtet, daß keine Personen zu Schaden kamen.
Ach ja, SIFA und INDUSI sind beim außer Betrieb gestellten Zug ebenfalls abgeschaltet (sagt der Lokführer aus der Nachbarwohnung). Wenn sich der Triebwagen durch ein technisches Gebrechen in Bewegung setzt, sind sie also nicht in Betrieb!
dann kommt man auch in jüngerer Zeit auf etliche "Geisterfahrten"
Unbemannte Lokomotive rast 15 km weit
http://ktnv1.orf.at/stories/193742
nächst Pöckau war sie bereits mit 130 km/h unterwegs. Sie schlug eine 150 Meter lange Schneise in den Wald. Das zweite Bild zeigt den Unfallort am Morgen des 19. Mai.
http://bahnbilder.warumdenn.net/3643.htm
"Geisterlok" wurde umgeleitet und mit einem Prellbock gestoppt - Führerlose Lokomotive fährt 100 Kilometer (!) unfallfrei
http://www.krone.at/Nachricht... tory-23463
Geisterlok - 40 Kilometer ohne Zugführer
http://www.news.de/gesellsch... fuehrer/1/
:-)
Seltsam ist nur, dass der Zug nicht durch eine Sicherheitsfahrschaltung (Totmannschalter) gestoppt wurde.
Auch wenn der Zug älteren Modells ist, wurden solche Einrichtungen fast überall nachgerüstet, ohne Betätigung eines Totmannschalters fahren Züge für gewöhnlich gar nicht. - In Schweden sind sogar besonders sichere Totmannpedale gebräuchlich, welche in einer Mittelstellung gehalten werden müssen (sowohl loslassen als auch durchdrücken des Pedals verhindert die Inbetriebnahme, sollte der Zug fahren gibt es ein akustisches und optisches Warnsignal falls darauf nicht wieder die richtige Position gedrückt wird wird der Zug zwangsgebremst).
Auf der Strecke gibts keine Zugbeeinflussung. Und selbst wenn: bei abgestellten Fahrzeugen ist das System nicht eingeschaltet (sonst könnte man sie ja z.B. nicht passiv herumziehen - da _müssen_ sie sich wie ein einfacher Waggon verhalten und nicht plötzlich bremsen; das betrifft natürlich auch den Totmann).
Hier kamen halt mehrere Fehler zusammen: anscheinend ein Konstruktionsfehler (der Führersitz drückt beim zur Seite klappen genau auf den Fahrschalter), gelöste Bremsen (um ein Festfrieren über Nacht zu verhindern), aufgerüstet (vermutlich zwecks Heizung) und eine bereits gestellte Fahrtsraße auf die Strecke (was auf jeden Fall ein Fehler ist, da ein ungebremster Zug sich auch z.b. durch starken Wind in Bewegung setzen kann).
Es gibt beide Varianten, aber 1,6km kommt der Zug auch mit jener, die erst nach einer gewissen zeit anspringt nicht.
Dass der Zug aufgerüstet war mag man aufgrund der Temperaturen noch verstehen (schließlich soll er bei Betriebsbeginn bereits beheizt sein), aber dass dann die Bremsen nicht angezogen sind *und* eine Fahrstraße aus dem Depot auf die Strecke gestellt ist geht gar nicht (normalerweise müssen die Weichen aus Nebengleisen so gestellt sein, dass "entlaufene" Fahrzeuge nicht auf die Strecke rollen können). Dass dann noch offenbar der Fahrtrichtungswähler nicht in Nullstellung war und der Totmann ebenfalls nicht funktionierte (oder nicht vorhanden war, ich kenn da die schwedischen Vorschriften nicht), ... da ist *einiges* im argen.
Wobei das bei einem abgestellten Zug auch anders sein kann wenn man's recht bedenkt. Schließlich muss man die Dinger ja ggfs. auch rangieren können, und da wäre es wohl kontraproduktiv, wenn der Zug nach 150m plötzlich bremst. Ergo kann man den Totmann wohl abschalten.
Auf moderneren Zügen ist das in aller Regel aber wohl dahingehend verknüpft, dass auch der Fahrschalter in diesem Zustand wirkungslos ist. Sprich: die Maschine verhält sich entweder vollständig wie ein passiver Waggon oder Sifa, Zugbeeinflussung etc. sind jedenfalls aktiv. Aber nicht - wie hier offenbar der Fall - beides irgendwie gleichzeitig.
Das schreit geradezu nach einem Schlagseite-Klassiker:
http://www.heise.de/ct/schlag... /gross.jpg
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