Geiselnahme in Algerien zu Ende: Sicherheitskräfte stürmen Erdgasanlage

19. Jänner 2013, 16:55
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32 Entführer und 23 Geiseln kamen in den letzten Tagen ums Leben - Heftige Kritik aus mehreren Ländern an Algeriens Einsatz

Algier/In Amenas - Die Geiselnahme in einer Ergasförderanlage im algerischen In Amenas ist drei Tage nach ihrem Beginn blutig zu Ende gegangen. Was sich in dem Komplex im Laufe des Samstags abspielte, war zunächst nicht zu erfahren. Das Gelände war von Soldaten umstellt, und Hubschrauber überflogen das Gebiet. Die Sicherheitskräfte hatten um das gesamte Gelände im Abstand von etwa zehn Kilometern einen Absperrring gezogen. Krankenwagen standen bereit.

55 Tote in den letzten Tagen

Laut der algerischen Nachrichtenagentur APS sind am Samstag alle verbliebenen elf Terroristen getötet worden. Insgesamt kamen 55 Menschen ums Leben - 32 Entführer und 23 Geiseln. 685 algerische Angestellte der Anlage sowie 107 Ausländer wurden befreit. Die Geiselnehmer hatten unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Norden Malis gefordert, wo Islamisten die Kontrolle übernommen haben.

Großbritanniens Verteidigungsminister Philip Hammond sagte auf einer Pressekonferenz, dass der Sturmangriff algerischer Soldaten vom Samstag dem Drama ein Ende gesetzt habe und "einen weiteren Verlust an Menschenleben" zur Folge gehabt hat. Dass es Todesopfer gegeben habe, sei "entsetzlich und unannehmbar", liege aber in der "alleinigen Verantwortung der Terroristen". London drängt die algerische Regierung laut Hammond, "Details zur genauen Lage" zu veröffentlichen.

Kritik am Einsatz

Für ihr gewaltsames Vorgehen, das international offenbar nicht im Detail abgestimmt war, erntete Algerien Kritik aus mehreren Ländern, darunter Großbritannien und Japan. Frankreichs Präsident Francois Hollande äußerte jedoch Verständnis, da die Islamisten bereit gewesen seien, Geiseln zu töten. "So, wie ich das sehe, war Algeriens Ansatz der angemessenste, denn es konnte keine Verhandlungen geben."

US-Verteidigungsminister Leon Panetta drohte unterdessen den Islamisten mit einem Eingreifen der Vereinigten Staaten. "Wir haben es zu unserer Sache gemacht, Al-Kaida zu verfolgen, wo auch immer sie sind und wo auch immer sie sich zu verstecken versuchen", sagte er während eines London-Besuchs. "Wir haben das in Afghanistan getan, in Pakistan. Wir haben es in Somalia getan, im Jemen und wir werden es auch in Nordafrika tun."

Die algerische Armee verteidigte ihren umstrittenen Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln. Der Einsatz sei eine Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die algerische Tageszeitung "Al-Khabar" (Samstag) einen namentlich nicht genannten Armeesprecher.

Niederösterreicher auf US-Basis Ramstein in Deutschland

Jener 36-jährige Niederösterreicher, der das Geiseldrama unbeschadet überstanden hat, dürfte wohl bald zurück in die Heimat gelangen. Der Zwettler Christoph Z. befinde sich derzeit in Deutschland und werde laut seiner Mutter wahrscheinlich in den nächsten Stunden zu Hause ankommen, sagte Zwettls Vizebürgermeister Johannes Prinz Samstagmittag zur APA. Genauere Auskünfte wolle die Familie aus Sicherheitsgründen aber nicht geben, betonte er. Dem 36-Jährigen, der sich während der Geiselnahme versteckt hatte, gehe es soweit gut. Er war für den britischen Öl-Multi BP in Algerien tätig. (red/APA/Reuters, 19.1.2013)

  • Das riesige Fördergelände in In Amenas.
    foto: reuters/google earth/geoeye/handout

    Das riesige Fördergelände in In Amenas.

  • Ein Fahrzeug der algerischen Grenzwache in einer Straße von In Amenas. Gleich daneben verläuft das Gelände der Förderanlage.
    foto: anis belghoul/ap/dapd

    Ein Fahrzeug der algerischen Grenzwache in einer Straße von In Amenas. Gleich daneben verläuft das Gelände der Förderanlage.

  • Großbritanniens Verteidigungsminister Philip Hammond mit seinem US-amerikanischen Gegenüber Leon Panetta auf einer Pressekonferenz in London.
    foto: jacquelyn martin/ap/dapd

    Großbritanniens Verteidigungsminister Philip Hammond mit seinem US-amerikanischen Gegenüber Leon Panetta auf einer Pressekonferenz in London.

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