Kampf gegen Windräder im Weinviertel

19. Jänner 2013, 13:09
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Grabern stimmt am Sonntag über den Bau einer Windanlage ab. Das Ergebnis soll laut Beschluss des Gemeinderats bindend sein. Die Gegner vernetzen sich

Grabern/Wien - Die Menschen in Grabern im Weinviertel haben am Sonntag nicht nur die Qual der Wahl zwischen Berufsheer und Wehrpflicht, sondern auch darüber zu entscheiden, ob auf ihrem Gemeindegebiet Windkraftanlagen errichtet werden sollen. Konkret geht es um acht bis elf jeweils bis zu 200 Meter hohe Windräder.

Welches Ergebnis zu erwarten ist, wagte Bürgermeister Herbert Leeb (VP) vorab nicht zu prognostizieren. Er hat in seinem Bürgermeisterbrief um rege Teilnahme gebeten und darin festgehalten, dass er ein Ja zur Windkraft "aus vollstem Herzen" empfehle. Eine Vorgangsweise, die die Windkraftgegner für "demokratiepolitisch bedenklich" halten, wie sie am Freitag in einer Aussendung mitteilten.

Emsiger Ausbau in Niederösterreich

Das Ergebnis soll laut Gemeinderatsbeschluss bindend sein. Architekt Leopold Dungl ist einer der Windanlagengegner der Gemeinde mit rund 1400 Einwohnern. Er habe als 20-Jähriger gegen Zwentendorf demonstriert, sei also auch gegen Atomkraft. Dungl meint aber, man müsse viel mehr ans Energiesparen selbst denken, bevor man in dieser Dimension Windkraft ausbaue und das Ortsbild darunter leide. Seine Initiative sei inzwischen in 24 Orten im Wein- und Waldviertel vernetzt.

Niederösterreich ist in Sachen Windkraftausbau sehr emsig: Bis zum Jahr 2015 will das Land den gesamten Stromverbrauch aus erneuerbarer Energie beziehen, einen guten Teil durch Wind. Zu derzeit rund 370 Windkraftanlagen sollen bis 2030 noch 580 dazukommen.

Problem mit Gestattungsverträgen

"Windstrom ist aber bisher nicht einmal speicherbar", wendet Dungl ein. Außerdem stößt er sich an sogenannten Gestattungsverträgen (einer liegt dem Standard vor), welche die Gemeinden mit den Anlagebetreibern - einem Zusammenschluss namens Hollabrunner Energie GmbH, unter anderem aus EVN Naturkraft und Renergie Raiffeisen - abschließen. Dem Betreiber werden darin Exklusivrechte auf Windkraft für bis zu 20 Jahre zugesichert.

Ortschef Leeb sagt, dies seien "zu 90 Prozent ganz normale Verträge". Besonders sei daran nur, dass auch Geld für die Standortgemeinden und einen Gemeindefonds abfällt, nicht nur für Grundstückseigner. Das Geld aus dem Fonds soll Energiesparprojekten zugutekommen.

"Klarer Anti-Atom-Kurs"

Aus dem Büro des niederösterreichischen Umweltlandesrats Stephan Pernkopf (VP) heißt es, es gebe einen "klaren Anti-Atom-Kurs" und daher einen "geordneten" Ausbau der erneuerbaren Energie in Niederösterreich. Über 300.000 Menschen in dem Bundesland hätten sich bereits an Maßnahmen zum Stromsparen beziehungsweise für erneuerbare Energie beteiligt. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

  • Niederösterreich baut Windanlagen weiter aus.
    foto: heigl

    Niederösterreich baut Windanlagen weiter aus.

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