"No Problem"-Orchester in Kärnten: Privater Luxus auf Vereinskosten

18. Jänner 2013, 18:00
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Dreieinhalb Jahre unbedingte Haft für Chef des bekannten Behindertenorchesters - Urteil nicht rechtskräftig

Klagenfurt - Es war auch so eine Idee des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider gewesen: ein gemeinnütziges Sozialprojekt für Behinderte. In Josef Schörkmayr hatte er den geeigneten Mann gefunden. Der gründete 1990 das "No Problem"-Orchester, in dem behinderte Kinder musizieren und öffentlich auftreten konnten. Dank Schörkmayrs Managementtalenten wurden die behinderten Kinder weltweit bei Prominenten, darunter sogar der Papst, herumgereicht.

Heute ist dieses Projekt ruiniert, sein Gründer steht wegen des Verdachts, Landesgelder für private Zwecke veruntreut zu haben, vor Gericht. Laut Anklage sollen allein im Jahr 2006 rund 75 Prozent aller Vereinsausgaben Schörkmayr privat zugeflossen sein. Staatsanwältin Sandra Agnoli beziffert die veruntreute Summe auf rund 455.000 Euro.

Teilgeständnis nach heftigem Dementi

Noch am Donnerstag hatte Schörkmayr sämtliche Vorwürfe heftig bestritten. Am Freitag legte er schließlich - wohl unter der erdrückenden Beweislage - ein Teilgeständnis ab. Im Prozessverlauf wurde Abenteuerliches zutage gefördert. So ließ sich Schörkmayr etwa vom Verein 150 Flaschen Wein zum Geburtstag schenken, genehmigte sich monatlich 6600 Euro Kilometergeld, obwohl er gar keinen Privat-Pkw fuhr, oder ließ aus der Vereinskassa sowohl den Kanalanschluss wie auch Anschlusskosten für die Sauna in seinem Privathaus bezahlen, das allerdings auch als Proberaum genutzt wurde.

Warum die Musiker eine Sauna bräuchten, fragte Richter Uwe Dumpelnik. Diese seien von ihren Reisen verwöhnt, gab der Angeklagte zurück. Auch die Betriebskosten des Hauses, Grundsteuer, Heizöl- und Stromrechnungen sowie Gartenhaus und Rasenmäher, seien aus Vereinsvermögen bezahlt worden.

Ehefrau will über Finanzen nichts gewusst haben

Schörkmayrs Ehefrau, ebenfalls "No Problem"-Vorstandsmitglied und Vereinskassiererin, will von all den Ungereimtheiten nichts bemerkt haben. "Bei uns war der Übergang zwischen Verein und privat fließend", sagte die Frau vor Richter Uwe Dumpelnik aus. Es sei ein offenes Haus gewesen, die Behinderten seien aus und ein gegangen, und sie habe auch für sie gekocht.

Über die Finanzen des Vereins habe sie nichts gewusst. Das habe immer ihr Mann erledigt. Sie habe nur die Belege gesammelt und zum Steuerberater getragen und anschließend bei der Landesregierung abgegeben. Kontrolliert habe sie nichts: "Die Arbeit mit den Behinderten war wichtiger." Einen Rechnungsabschluss habe sie nie gesehen. Ihr Mann habe ihr immer gesagt, dass alles finanziell in Ordnung sei.

Der Prozess endete mit einem Schuldspruch: Schörkmayr bekam dreieinhalb Jahre unbedingte Haft wegen Untreue. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (stein, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

  • Josef Schörkmayr legte ein Teilgeständnis ab.
    foto: privat

    Josef Schörkmayr legte ein Teilgeständnis ab.

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