Dialog als journalistisches Grundprinzip

18. Jänner 2013, 18:15
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Über diese Schwerpunktausgabe: Kommunikation mit Lesern und Usern auf Augenhöhe

Am Anfang stand eine simple Idee der STANDARD-Chefredaktion: Was, wenn wir Leser und User mitentscheiden lassen, welche Texte für die Schwerpunktausgabe zur direkten Demokratie letztendlich recherchiert und geschrieben werden? Wir wollten nicht nur über Mitbestimmung reden, sondern diese auch in unserer journalistischen Arbeit leben.

Klar ist, und das betrifft keineswegs nur Österreich: Journalismus verändert sich. Aus einer eindimensionalen Informationsvermittlung wird immer mehr eine Kommunikation mit dem Leser oder User auf Augenhöhe.  "The people formerly known as the audience", nennt Internet-Guru Jay Rosen die neuen, mündigen, teilnehmenden Medienkonsumenten. Diese Sicht einer Zwei-Wege-Kommunikation liegt der Schwerpunktausgabe zugrunde.

Als Kooperationspartner wählte DER STANDARD den Verein Adhocracy.de aus, eine unabhängige und überparteiliche Beteiligungsplattform, die nach dem Grundsatz der Liquid Democracy arbeitet. Der Grundgedanke ist, dass Organisationen, Interessengemeinschaften, Parteien oder Medien mit ihren Mitgliedern, Bürgern oder Lesern in einen offenen Dialog eintreten und sie in Entscheidungen miteinbeziehen.

Ideen und Vorschläge

Für den STANDARD ist das Fazit dieser Aktion durchwegs positiv. Fast 120 Vorschläge gingen auf Adhocracy.de ein, etwa 150 per E-Mail oder via Posting auf derStandard.at.

Die Zeitung, die Sie heute lesen, ist in bewährter journalistischer Qualität entstanden - die Themen, die Sie darin vorfinden, gehen aber zu einem guten Teil auf Leseranregungen zurück. Viele Themen, die sich unsere Leser gewünscht haben, hatten auch wir bereits angedacht. Andere, die stark nachgefragt wurden, hatten wir aber überhaupt nicht auf dem Radar.

So wurden etwa viele Fragen zu Demokratie in der Schule, Mitbestimmung in der Europäischen Union oder zur Einbeziehung von Mitarbeitern in Unternehmensentscheidungen gestellt, die uns selbst zunächst nicht eingefallen sind. Sie alle haben in Artikel dieser Ausgabe Eingang gefunden.

Themen für die Zukunft

Und dann gibt es da noch die Themen, die mehrfach an uns herangetragen wurden und heute keinen oder nur wenig Platz hatten: die Entwicklungen im Bereich des Urheberrechts, die Vor- und Nachteile der Vorratsdatenspeicherung, das in Österreich nicht existente Transparenzgesetz oder das bedingungslose Grundeinkommen. Auch diese Anregungen nehmen wir mit und werden sie in den nächsten Wochen behandeln. Und schließlich erreichten uns noch viele Vorschläge für konkrete Artikel und Recherchen in der Print- und Onlineausgabe, die wir verfolgen werden und zum Teil auf der heutigen Leserbriefseite abbilden.

Die Schwerpunktausgabe mit Leser-Input war ein Experiment, das wir gern weiterführen möchten. Kommunikation und Austausch mit Lesern und Usern ist uns nicht nur heute ein Anliegen, sondern begleitet unsere tägliche Arbeit. Wir hoffen auf viele weitere Anregungen, Wünsche und Ideen.
Schreiben Sie uns unter mitreden@derstandard.at. (Anita Zielina, derStandard.at, 18.1.2013)

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