Schweizer gegen "Abzocke"

18. Jänner 2013, 17:37
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Abstimmung über hohe Managergehälter im März

Wer hat's erfunden? Die Schweizer. So könnte es heißen, wenn am 3. März im Nachbarland über strengere Vergütungsbestimmungen für Manager abgestimmt wird. Dass es die Initiative "Gegen die Abzockerei" überhaupt gibt, ist dem Elan Thomas Minders zu verdanken. Der 52-jährige Unternehmer will, dass die Aktionäre eines börsennotierten Unternehmens jährlich über die Gehälter und sogar die Zusammensetzung von Geschäftsleitung und Aufsichtsrat entscheiden. Regeln, für die die Mehrheit der Schweizer stimmen will.

Volk lehnt Gehaltsexzesse ab

Die hohe Zustimmung der Bürger ist ein Eigentor für die Politiker, da sie die Befragung um drei Jahre verzögert haben. Die Volksvertreter waren für die mahnenden Worte des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse allzu offen. Aber auch jetzt verschaffen sich die Firmenbosse Einfluss. Beim Volk beliebt gemacht hat man sich damit nicht. Als ruchbar wurde, dass Studenten - gegen Bezahlung - negative Stimmung in Foren von Online-Medien verbreiteten, war der Imageschaden groß. Das Ausmaß des Ärgers liegt auch am Zeitgeist. Denn obwohl die Krise omnipräsent ist, steigen die Managergehälter in lichte Höhen. Das stößt dem Volk sauer auf. So sauer, dass die Politik jetzt einen eigenen Vorschlag eingebracht hat. Er beißt nicht so scharf wie die Initiative Minders, ist aber bei weitem nicht zahnlos. Er erleichtert es den Eignern, bereits gewährte "exzessive" Gehaltszahlungen zurückzufordern. Auf der anderen Seite räumt er den Aktionären bei der Entscheidung, wer wie viel bekommt, nur eine beratende Stellung ein.

Sagen die Bürger im März "nein" zur Minder-Initiative, sagen sie automatisch "ja" zur milderen Politikervorlage. Für dieses Ziel gibt Economiesuisse Millionen Euro aus. Man stellt Plakate auf, holt Gutachten ein und betreibt eine Website. Und Initiativen-Starter Minder? Der gibt gegenüber dem Blick den Underdog und fragt sich, ob es gelingt, " mit einer Millionenkampagne das Schweizer Volk zu kaufen". (Hermann Sussitz, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

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