Batonis Susanna trifft Dürers Kampfnashorn

18. Jänner 2013, 18:14
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Museumskuratoren und als Sammler getarnte Oligarchen sondieren das Angebot der in New York anberaumten, etwa 200 Millionen schweren Auktionen Alter Meister

Es gibt ältere Illustrationen, etwa 31.000 Jahre alte aus dem westeurasischen Jungpaläolithikum oder auch als Relief an Tempelfriesen im kambodschanischen Angkor Wat: Dennoch ist Albrechts Rhinozeros bis heute eines der berühmtesten seiner Gattung, dabei war Dürer zeitlebens keinem in natura begegnet. Er, der von seinen Zeitgenossen für seinen unvergleichlich akribischen Realismus gerühmt wurde, orientierte sich bei dem 1515 geschaffenen Holzschnitt am Hörensagen.

Anlass war ein seit 1513 am Hof des portugiesischen Königs Emanuel lebendes Nashorn aus Indien, das später vor der Küste Genuas in den stürmischen Fluten des Ligurischen Meers ersoff. Die Beschreibung des exotischen Tiers dürfte Dürer vielleicht etwas zu wörtlich genommen haben: "Es hat ein farb wie ein gespreckelte Schildtkrot. Vnd ist vo[n] dicken Schalen vberlegt fast fest", es sei der Todfeind des Elefanten, " reyst den Helffandt vnden am pauch auff vn[d] erwürgt In".

Albrechts Nashornherde

Im Rückblick erklärt das die Darstellung als furchterregende Kampfmaschine, die zu einer europäischen Berühmtheit avancieren sollte. Im Bestand der Albertina, schildert der zuständige Kurator Christof Metzger, habe sich nicht nur ein einzelnes Exemplar, sondern mit deren insgesamt sieben quasi eine ganze Herde erhalten. Nein, an einem weiteren Erstabzug habe man folglich kein Interesse und überlässt den aktuell bei Christie's in New York (100.000- 150.000 Dollar) offerierten gerne der danach gierenden Sammlerschaft.

Im Zuge einer Sonderauktion, die zeitgleich auch als Auftakt der am Hudson ab 29. Jänner einmarschierenden Entourage Alter Meister fungiert, warten neben dem Nashorn- noch 61 weitere Dürer-Blätter aus einer bislang geschlossenen Sammlung auf neue Besitzer. Christie's hat dem Einbringer für diese Kollektion eine Garantie erteilt und beziffert die Umsatzerwartung mit 4,6 Millionen Dollar. Dazu kommen vier weitere Sitzungen, für die man am Ende zwischen 70 und 106 Millionen Dollar einzuspielen hofft.

Bei Sotheby's stehen in diesem Zeitraum drei spezifische Auktionen auf dem Programm, die sich mit 76 bis 100 Millionen Dollar zu Buche schlagen sollen. Die Auswahl der 103 Lots umfassenden Evening-Sale-Formation führt dabei ein ehemals hierzulande beheimatetes Gemälde an: Pompeo Batonis Susanna und die beiden Alten, ursprünglich ein Hauptwerk der legendären Sammlung Harrach in Schloss Rohrau.

1991 sollte sein Notverkauf den damals in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Familienbetrieb sanieren. Im Dezember des gleichen Jahres war das über die Wiener Sotheby's-Repräsentanz zu einer Auktion nach London vermittelte Meistwerk unverkauft geblieben. Im Mai 1992 wechselte es mit dem Segen des Bundesdenkmalamts schließlich für etwa 40 Millionen Schilling (ca. 2,9 Mio. Euro) in eine europäische Privatsammlung.

Nun buhlt es, taxiert auf sechs bis neun Millionen Dollar, um die Gunst internationaler Museumskuratoren und als Sammler getarnter Oligarchen und Hedgefondsmanager. 15 Millionen wird es zumindest bringen, ist Johann Kräftner überzeugt. Ob er sich namens des Liechtenstein'schen Fürsten Chancen ausrechnet? Einfach wird es nicht, weiß er und hält auch 30, sogar 40 Millionen Dollar für im Bereich des Möglichen. Nachsatz: Wertsteigerung nennen es die einen, Inflation die anderen. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

  • Nach 1991 dreht Batonis "Susanna", vormals Sammlung Harrach in Schloss 
Rohrau, nun die nächste Runde auf der Bühne des internationalen Kunstmarktes.
    foto: sotheby's

    Nach 1991 dreht Batonis "Susanna", vormals Sammlung Harrach in Schloss Rohrau, nun die nächste Runde auf der Bühne des internationalen Kunstmarktes.

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