Schade, dass es vorbei ist

18. Jänner 2013, 17:05
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Eine spannende Welt baute sich gleißend vor Sehern auf, und es schien der Weltfriede bisweilen an den Kasernen dieses Landes zu hängen

Nicht einmal der Schrecken aller Verkehrsbetriebe, Schnee genannt, jenes Phänomen also, das Öffi-Wartezeiten auf die Länge von Wagner-Opern streckt, konnte die Wehrpflichtdebatte aus der ZiB 2 verdrängen. Auch Donnerstags trafen einander Gegner (Ex-Minister Friedhelm Frischenschlager) und Befürworter (Werner Fasslabend, auch Ex-Minister), um die Sinnlosigkeit des Systems anzuprangern oder dessen Vorzüge etwa im Kampf gegen Cyberattacken anzupreisen.

Und es war mit der Erleichterung eines Süchtigen zu genießen, dass sich der Disput noch einmal - vor der sonntägigen Entscheidung - aufbäumte. Entlang des Argumentierens hatten ja Diskutanten in den letzten Tagen (an runden Tischen) brüllend ihr Wesen enthüllt. Vizekanzler duzten Kanzler. Oppositionelle schrien statt "Genug gezahlt" so etwas wie "Genug gewählt". Befürworter der Wehrpflicht mutierten zu Gegnern, während sich ehemalige Skeptiker plötzlich militärverliebt zeigten und Journalisten lustige Fragen stellten (Lou Lorenz-Dittlbacher: "Sie meinen: Cyberattacken können von Grundwehrdienern abgewendet werden?").

Kurzum: Eine spannende Welt baute sich gleißend vor Sehern auf, und es schien der Weltfriede bisweilen an den Kasernen dieses Landes zu hängen. Verwunderlich war nur, dass Obama und Ahmadi-Nejad zu diesem Thema beharrlich schwiegen. Aber wer weiß? Womöglich gab es Geheimgespräche, bei denen dann aber sicher auch markante Definitionen des jetzigen Heeres kontroversiell erörtert wurden (Hannes Androsch etwa: "Alles, was sich bewegt, grüßen; alles, was sich nicht bewegt, putzen!"). All das wird ab Montag jedenfalls extrem abgehen. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

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