Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Wer glaubt, es gäbe keine Götter mehr, irrt: "Wir können der Versuchung nicht widerstehen, uns euch von Zeit zu Zeit zu offenbaren, sei es aus unserer unheilbaren Langeweile, sei es aus Lust am Schabernack, oder aus dieser unterschwelligen Nostalgie heraus, die wir für diese raue Welt, die wir ja selbst geschaffen haben, hegen."
Belustigt ist Hermes, der Götterbote, über uns Sterbliche, als existierten wir rein zu ihrer Unterhaltung. Hermes schweift also umher in der Morgendämmerung, mischt sich unter die Menschen, die sich eben aus dem Schlaf schälen - oder die Nacht wenig schlafen konnten, wie der junge Adam, der am Fenster seines Elternhauses steht, den etwas quält, der gar verzweifelt scheint, hier in Arden, dem einsam gelegenen Familiensitz der Godleys. Da gefällt's dem Gott, da wird sich's bald ordentlich abspielen. Freilich ist er nicht allein - Paps Zeus schaut ab und an vorbei. Quasi Reality-TV für Götter. John Banville, der herausragende irische Fabulierkünstler der Gegenwart, lässt in seinem originellen Roman Unendlichkeiten von höchsten Stellen erzählen. Sein wunderbarer Sinn für Groteskes, für waghalsig Übersinnliches wie abgründig Menschliches, stets mit einem zwinkernden Auge versehen, zeugt vom unbedingten kreativen Willen.
Das ist Lesespaß. Mit geschmeidiger Leichtigkeit balanciert der 1945 geborene Autor über der Menschen ewige Dramen um Liebe, Väter und deren Erzeugungen, Machtspiele. So komödiantisch und locker der Göttermonolog daherkommt, so traurig ist die Geschichte, deren Handlung übersichtlich gesteckt ist: Das Leben von Adam Godley senior geht zu Ende, selbstredend der biblische Stammvater. Er liegt nach einem Schlaganfall im Koma, aufgebahrt im Himmelszimmer, in einem "Zustand zwar bewusster, jedoch verschlossener Seelenruhe".
Der berühmte Mathematiker, der einst das Konzept der Unendlichkeit auf den Kopf stellte, verharrt nun zwischen Leben und Tod, in einer Art Zwischenstation; noch im menschlich Endlichen, bald im göttlich Ewigen! Für ihn hat Zeit keine Bedeutung mehr, er ist ein Zuschauer, und doch erfährt der Leser durch ihn seine Sicht der Dinge. Das ist erzähltechnisch witzig gelöst. Familie Godley findet sich um den Sterbenden ein; und am Ende dieses Tages, der sich über das ganze Buch dehnt - man beachte die klassisch-aristotelische Dramaeinheit von Zeit und Ort -, weiß niemand mehr so genau, ob der Vater nicht doch wieder ins Leben zurückkommt, ob nicht doch Hermes ...
Wer spricht eigentlich? Auch der allwissende Erzähler weiß nicht alles, das ist ebenso komisch wie geschmackige Küchen- oder innige Waldszenen in und um Arden, wo skurril-liebenswürdige Gestalten, familiär verbunden und doch einander fremd, das Leben bewältigen.
Wie im Shakespear'schen Forest of Arden aus Wie es euch gefällt durchforstet der Autor Verwicklungen, Hoffnungen und Maskeraden, die Wechselfälle des Lebens. Der größte Verwirrstifter neben dem ominösen Besucher Benny Grace ist der geile Zeus, der der schönen Helen einen, na ja, lustvollen Morgen bereitet. Sie ist die Schwiegertochter des sterbenden Adam, der immer scharf auf sie war. Die göttlichen Tricks und Liebesverirrungen aus Kleists Amphitryon, dem Banville ein Theaterstück widmete, lassen grüßen.
Banville, der bisher 14 Romane geschrieben hat und für seinen Roman The Sea 2005 mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet wurde, gefällt sich darin, sein Gottestreiben mit der Weltliteratur zu verbinden. Für das Ausladende einerseits und das Unausgesprochene, Dazwischenliegende andererseits stehen Joyce und Beckett Pate.
Unter dem Pseudonym Benjamin Black schreibt Banville auch Kriminalromane. In
Unendlichkeiten, wie auch in vorangegangenen Werken, geht es ihm weniger
um das Erzählen einer großen Story. Die gerät zur Nebensache bei der
fantasievollen und anschaulichen Zeichnung von Charakteren, dem Ausloten von
Beziehungen und der Beschreibung körperlicher Eigenheiten mit Ekelalarm. Hermes,
der gnädigerweise Menschensprache verwendet, gibt den Erdlingen den jeweiligen
Sprachduktus, den Christa Schuenke feinfühlig übersetzt hat. Und dann ist da
noch Rex, der Hund, der viel mehr sieht, als alle denken. (Sebastian Gilli, Album, DER STANDARD, 19./20.1.2013)
John Banville, "Unendlichkeiten". Aus dem Englischen von Christa Schuenke.
€ 20,60 / 320 Seiten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012
Der Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler über das Groteske, den Humor und das Geschichtenerfinden
In ihrem Romanerstling beweist Teresa Präauer eine Vorliebe für alles, was fliegt. Ein Gespräch über Ironie, Zeichnen und die Bodenhaftung
Kreativer Provokateur: Carl Van Vechtens 1926 in den USA erschienener Roman "Nigger Heaven" liegt erstmals auf Deutsch vor
So kalkuliert wie ein Computerprogramm und oft absurd pathetisch: Dan Browns neuer Thriller auf den Spuren von Dante Alighieri
Etliche erstmals ins Deutsche übersetzte Erzählungen von Henry James führen mitten ins Schlachtfeld zwischen Mann und Frau
Ein einmaliges Schreib- und Lebensexperiment: Letzte Aufzeichnungen von Christa Wolf über ihren "Tag des Jahres"
Unter dem Titel "Ich fiel in eine Welt" gesammelte Gespräche von Thomas Trenkler mit Kulturschaffenden über die Kunst und das Leben
In "Schöne Schilder" dokumentiert Thomas Rottenberg seine Blütenlese kollektiver sowie subjektiver Missverständnisse
Ein Briefwechsel zweier höchst unterschiedlicher Temperamente: Willy Brandt und sein häufig schwieriger Bewunderer Günter Grass
Der deutsche Autor über früheste Erinnerungen, späte Verluste und eine Mutter, die er erst siebzigjährig über ihre Briefe kennengelernt hat
Kommende Woche erscheint Dan Browns neuer Roman
Die farbigen, kuriosen, sprachlich glanzvollen Lebenserinnerungen der Jessica Mitford
Gefangen im Netz: In Deborah Levys Roman "Heim schwimmen" schleicht sich ein blinder Passagier in eine Beziehung
Was aber bleibt, stiften die Dichter: Gustav Ernst spielt in seinem neuen Roman "Grundlsee" mit Versatzstücken des Familienromans
Der US-Autor erzählt in seinem großen Roman "Europe Central" vom Kampf zweier Diktaturen
William T. Vollmann und sein fiktives Geschichtspanorama "Europe Central"
Wie Friedrich Torberg seine Anekdoten gesammelt und zu einem Ganzen geformt hat: Ergebnisse einer neuen Buchrecherche
Der Dichter und Lebensreformer Leo Tolstoi wird in dem neuen Roman von Viktor Pelewin aus dem Museum herausgeholt und zum Spielzeug postmoderner Dämonen gemacht
Machtlose Erwartung und vereinsamte Trostlosigkeit: Armin Baumgartners Prosaband "Die Wucht des Banalen"
Der Geschichte einer aus altem Adelsgeschlecht entstammenden Familie und deren Obsessionen spürt Philip Hohenlohe in seinem Debütroman nach
In berückend schönen Bildern erträumt Walter Grond die Geschichte des Großvaters und seines Sehnsuchtsorts Triest
Die Krimiautorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb über den neuen, kommende Woche in Wien vorgestellten Roman von Monika Held
Amy Waldman zeichnet in "Der amerikanische Architekt" das Porträt der Stadt New York und ihres Versuchs, mit den Verletzungen nach 9/11 umzugehen
Eine zweisprachige Ausgabe macht den Filmemacher erstmals als auf Deutsch als Dichter zugänglich
Der Autor gibt faszinierende, gewitzte Einblicke in sein Frankfurt und seine Poetik
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.