Die Schule ist aller Demokratie Anfang

18. Jänner 2013, 17:20
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Österreichs Schüler haben mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten, als die meisten von ihnen vermuten

Wien - Jede höhere Schule in Österreich verfügt über eine eigene Schülervertretung. Diese besteht zumeist aus sechs Vertretern, die zu Beginn des Schuljahres direkt von den Schülern gewählt werden. Bei größeren Gymnasien gibt es oft extra Unterstufenvertreter, die nur von der Unterstufe gewählt werden und ebenfalls ein Teil der Schülervertretung sind.

Was viele Schüler nicht wissen: Schülervertreter haben das gleiche Stimmrecht im Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) wie die Lehrer- und Elternvertreter. Es kann somit nichts ohne die Zustimmung der Schüler beschlossen werden. Wenn also entschieden werden soll, welche Schulklasse mit Laptops ausgestattet wird, wohin die Schulreise geht oder ob die Pausenzeiten verlängert werden sollen, hängt das immer auch von den Stimmen der Schülervertretung ab.

Vorreiter Österreich

Auf Landesebene nimmt Österreich in Sachen Demokratie für Schüler eine Vorreiterrolle ein: Als einziges Land in der EU ist in Österreich die Schülervertretung auf allen Verwaltungsebenen gesetzlich festgelegt. Die Bundesschülervertretung (BSV) besteht aus dem Bundesschulsprecher, drei Landesschulsprechern pro Bundesland und der Zentrallehranstaltenschülervertretung (ZSV). Die ZSV wiederum setzt sich aus der Schülervertretung der technischen und gewerblichen Lehranstalten zusammen.

Somit ist beinahe jeder Schüler auch im Bund vertreten. Allerdings ist das Mitspracherecht der Bundesschülervertretung gering. Im Grunde liegt ihre einzige Kompetenz in der Interessenvertretung der Schüler auf Bundes- und Landesebene, also quasi Lobbyarbeit für Schüler. Aber auch das sollte nicht unterschätzt werden, schließlich ist für unter 16-Jährige diese Schülerlobby fast der einzige Weg, ihre Meinung auf Bundesebene vertreten zu lassen.

Der Ruf nach direkter Demokratie wird unter Schülern allerdings immer lauter. Doch viele Jugendliche wissen oft gar nicht, welche Möglichkeiten sie unter den jetzigen Rahmenbedingungen schon haben. "In der Schule ist unser Mitspracherecht gering, und im ganzen Land hat man als Einzelperson sowieso keine Chance", meint die 16-jährige Schülerin Viviane. Auch der 16-jährige Florian behauptet: "Auf Bundesebene würde ich mir mehr Mitbestimmung wünschen, weil man momentan fast nichts verändern kann."

Solche persönlichen Eindrücke hört man oft in Österreichs Schulen. Derartige Haltungen resultieren oft aus Unkenntnis und könnten durch genaue Aufklärung leicht geändert werden. Demokratie beginnt nämlich in eben jener Institution, in der Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit verbringen: der Schule. (Darius Djawadi, DER STANDARD, 19.1.2013)

  • Im Schülerparlament wird wie im Nationalrat über Anträge debattiert und abgestimmt.
    foto: standard/corn

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  • STANDARD-Schwerpunktausgabe Digitale Demokratie
Viele Leser wollten wissen: "Wie wird demokratische Mitbestimmung in unseren Schulen gelehrt und gelebt?"
    foto: standard

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