"Ni no Kuni": Ein "umwerfendes Abenteuer", das "niemals enden sollte"

18. Jänner 2013, 16:41
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JRPG-Produktion von Level 5 und Studio Ghibli begeistert mit Schönheit und Erzählkunst

Es ist selten, dass in deutschsprachigen Landen einem JRPG entgegengefiebert wird. Doch "Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin", einer der möglicherweise letzten großen Exklusivtitel für die PlayStation 3, verspricht vieles.

Der Titel wurde vom bekannten japanischen Studio Ghibli und Level-5 erarbeitet. Sein Zustandekommen grenzt an ein kleines Wunder, denn Ghibli-Mitgründer Hayao Miyazaki hat sich in der Vergangenheit stets skeptisch bis ablehnend gegenüber Videospielen geäußert. Insofern ist der Titel auch ein kulturelles Experiment.

Trauriges Schicksal

"Ein JRPG, dass sich anfühlt wie die Spiele von einst, aussieht wie die Spiele von morgen und stark von Genreklassikern inspiriert ist", schreibt IGN über den Titel. Erzählt wird die Geschichte von Oliver, einem Jungen, der in Motorville, einer US-Kleinstadt, lebt. Ein gutmütiger, kleiner Kerl, der seine Mutter über alles liebt, der stets freundlich zu Erwachsenen ist und immer brav seine Hausaufgaben macht. Und dem ein hartes Schicksal beschieden ist.

Bein einem Autounfall entrinnt er knapp dem Tode, seine Mutter kommt ums Leben. Olivers Welt zerfällt und er versinkt in Trauer, bis plötzlich eine Spielzeugfigur namens Mr. Drippy, die ihm seine Mutter einst gebastelt hat, zum Leben erwacht. Der liebenswürdige "Elfe" mit der Laterne auf der Nase entführt Oliver in die "Ni no Kuni", die "andere Welt", wie sich der Titel übersetzen lässt, die vom tyrannischen Dschinn "Shadar" geknechtet wird. Oliver selbst ist dort ein Zauberer, der auf Charaktere trifft, die das Spiegelbild der Seele so mancher Einwohner von Motorville darstellen.

Dabei, so schildert Eurogamer, liegt die Annahme zwar nahe, dass die Ausflüge in die Zauberwelt Olivers psychologischen Rückzug in seine eigene Fantasie sind - erzwungen wird diese Darstellung jedoch nie. Die Geschichte mag etwas zu langsam anlaufen, fesselt am Ende aber junge und erwachsene Spieler gleichermaßen, so das Magazin weiter.

"Tales" trifft "Pokemon"

Die Spielmechanik ist vielfältig und durchdacht. "'Tales' trifft 'Pokemon'" fasst IGN das Konzept kurz und bündig zusammen. In Kämpfen fängt man verschiedene Kreaturen, genannt "Familiars", die man künftig selbst in die Schlacht schicken kann. Wann welcher "Familiar" gefangen werden kann, entscheiden jedoch nicht Pokebälle, sondern allein der Zufall. Die Begleiter gewinnen Erfahrung und werden stärker, sie können mit Waffen und Rüstungen ausgestattet werden und entwickeln sich zu stärkeren Formen ihrer selbst weiter.

"Ni no Kuni" gibt vieles zu erforschen. Im Laufe der Handlung begegnet man vielen anderen Charakteren und kann unzählige Nebenquests annehmen. In 40 Stunden, so IGN weiter, kann man das Abenteuer zu Ende spielen und hat trotzdem längst nicht alles gesehen. Es soll, so hört man aus Japan, durchaus möglich sein, 80 Stunden oder mehr aus dem Spiel herauszuholen.

Taktische Kämpfe

Gekämpft wird in einem Mix aus Echtzeit und Runden-Taktik. Oliver erwirbt im Laufe des Spieles verschiedene Fähigkeiten, die bei einer Konfrontation stets variiert werden können, um Schwächen des Gegners gezielt zu nutzen. Man muss stets in Bewegung bleiben, um Attacken auszuweichen sowie Lebensenergie und Mana zu sammeln. Vereinzelte "Goldkugeln" laden alle Attribute wieder auf und ermöglichen eine Spezialattacke.

Im weiteren Verlauf der Story gesellt sich eine Partnerin an die Seite des Helden. Sie lässt die Kampfmechanik tiefgründiger werden, ohne den Spieler mit überbordender Komplexität zu erschlagen. "Die 'Final Fantasy'-Serie täte gut daran, sich das Kampfsystem abzuschauen", befindet man beim Guardian.

Zwar nehmen Begegnungen mit Feinden einen prominenten Platz ein, doch trotzdem bietet "Ni no Kuni" noch genügend Platz für Rätsel. Sie fordern das Denkvermögen des Spielers und die Zauberfertigkeiten von Oliver heraus.

Vom Kind zum Kämpfer

Oft muss der Junge, der, wie nicht selten in Ghibli-Geschichten, an seinen Herausforderungen im Zeitraffer vom unschuldigen Kind im Geiste zum Erwachsenen reift, nach Motorville zurückkehren, um Schwierigkeiten im Zauberreich mit magischer und "Herzensenergie" zu überwinden.

Fazit: Ein Spiel zum drin versinken

Die fantasievolle und gut erzählte Geschichte, die liebevoll im handgezeichneten Ghibli-Stil gehaltene Grafik und die gelungene englische Synchronisation ermöglichen es dem Spieler, in beide Welten einzutauchen. Es wird mehr geboten, als nur Begegnungen mit Monstern, Levelgrinding und Statbuilding, befindet IGN.

"Ich wollte nicht, dass das Spiel endet. Es war eine dieser seltenen Erfahrungen, deren Ende ich nicht sehen wollte. Ich wollte, dass es niemals endet", beschließt Colin Moriartry sein Review. "Man kann ewig lange in der Geschichte versinken", findet Steve Boxer im Guardian Games Blog und legt den Titel auch Spielern nahe, die JRPGs üblicherweise meiden.

"Ein umwerfendes Abenteuer"

"Die Künstler von Level-5 und Ghibli haben zusammengearbeitet und ein umwerfendes Abenteuer geschaffen, dass sich so anfühlt, als gehöre es beiden von ihnen", beschreibt es Oli Welsh für Eurogamer. "Eine Welt, in der schöne Fantasy-Archetypen ein herzzerreißendes Drama begleiten und wo fremdartige Cartoonfiguren einem fesselnden Spiel ihren exotischen Charme einflößen."

Ein Blick auf den aktuellen Metacritic-Schnitt kündigt in der Tat Großes an. Aus dem Rahmen fällt man beim Game Informer-Magazin. Dort attestiert man dem Spiel zwar hohe audiovisuelle Qualität, bemängelt aber einen schwierigen Einstieg und altbackene RPG-Mechanik, die durch "absurd viele Zufallsbegegnungen" und limitierte Speichermöglichkeiten für frustrierende Momente sorgen kann.

"Ni no Kuni" erscheint am 1. Februar exklusiv für PlayStation 3. (gpi, derStandard.at, 18.01.2013)

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"Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin"
Entwickler: Level-5 / Studio Ghibli
Publisher: Namco Bandai
Erscheint am 1. Februar 2013 exklusiv für PlayStation 3.
    foto: level-5

    "Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin"

    Entwickler: Level-5 / Studio Ghibli

    Publisher: Namco Bandai

    Erscheint am 1. Februar 2013 exklusiv für PlayStation 3.

  • Fantasievoll gestaltet sind auch viele Gegner.
    foto: level-5

    Fantasievoll gestaltet sind auch viele Gegner.

  • Die Abenteuer bestreitet Oliver gemeinsam mit einer Begleiterin und der zur Leben erwachten Puppe "Mr. Drippy".
    foto: level-5

    Die Abenteuer bestreitet Oliver gemeinsam mit einer Begleiterin und der zur Leben erwachten Puppe "Mr. Drippy".

  • "Final Fantasy sollte sich das Kampfsystem abschauen", befindet man beim Guardian.
    foto: level-5

    "Final Fantasy sollte sich das Kampfsystem abschauen", befindet man beim Guardian.

  • Im Laufe des Spieles erkundet man allerlei zauberhafte Umgebungen.
    foto: level-5

    Im Laufe des Spieles erkundet man allerlei zauberhafte Umgebungen.

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