Die Poesie der frei verfügbaren Daten

18. Jänner 2013, 17:34
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Projekte auf Basis der Open-Data-Idee könnten künftig politische Debatten sachlicher machen

Wien - Die öffentliche Verwaltung produziert Unmengen an Daten. Daten, die man mit Computertools optisch aufbereiten kann, um die Gesellschaft besser zu verstehen. Daten, die man in Smartphone-Apps verwerten kann und die einem sagen, wie die aktuellen Ozonwerte sind oder wo es in der Stadt Obstbäume gibt.

Open Data, Open Government und Open Society sind die Schlagwörter der Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass das, was eine Gesellschaft misst und erhebt, auch öffentlich zugänglich wird. Entwickler, Medien und Interessierte sollen die nichtpersonenbezogenen Daten von Budgetzahlen über Geoinformationen und Umweltdaten dann aufbereiten, analysieren, weiterverarbeiten.

In Österreich bemüht sich etwa der Verein Open3 um die diesbezügliche Vermittlung zwischen Institutionen und Zivilgesellschaft. Die Gründer Robert Harm und Carl-Markus Piswanger versuchen mit Umfragen, prototypischen Projekten und Aktionen wie dem Open Government Poetry Contest Bewusstsein zu schaffen.

Gerade mit der spaßhaften Annäherung über einen Gedichtewettbewerb, bei dem es im Sinne von Open Data etwa ein isländisches Telefonbuch und alte Computerlochkarten zu gewinnen gab, sei man den Leuten im Gedächtnis geblieben, sagt Piswanger im Standard-Gespräch. 2013 soll ein neuer Kreativwettbewerb augenzwinkernde Auseinandersetzungen abseits der üblichen technischen Argumente bringen.

Frei verfügbare Daten würden künftig auch politische Relevanz erlangen. Aus Daten werden Informationen, daraus werde Wissen und daraus wiederum die Möglichkeit besserer Partizipation, erklärt Harm die " Wertschöpfungskette" der Open-Data-Idee. Politische Debatten sollen durch freie Daten versachlicht werden. "Wir machen etwas für die Gesellschaft."

Die Zukunft wird mehr Struktur für den Datendschungel bringen: In sogenannten Mash-ups werden Daten aus verschiedenen Quellen in Beziehung gesetzt, um neue Einblicke zu gewinnen. Einen nächsten Schritt fasst der Begriff Linked Open Data zusammen. Den Webdaten soll damit eine semantische Beschreibung mitgegeben werden, und sie sollen sich, über ihre "Bedeutungswolken" mit anderen Daten automatisiert, verbinden. (pum, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

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