Weiterbildung an der Spitze: Diskret oder im Ausland

Interview18. Jänner 2013, 17:11
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Wer im Top-Chefsessel sagt schon gern implizit, dass er etwas zu lernen hätte? Karin Bauer hat die Führungskräfteberaterin Claudia Daeubner gefragt, wie Spitzenmanager mit Weiterbildung umgehen (sollten).

STANDARD: Permanente Weiterbildung ist nicht etwas, womit sich Top-Manager schmücken. Sind sie bildungsavers, wissen sie schon alles, oder nennen sie ihre Weiterbildung nur anders?

Daeubner: Der Zugang zur Weiterbildung ist international unterschiedlich. In den USA ist Executive Education seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Der europäische C-Level, also das Spitzenmanagement, ist daher auch immer mehr interessiert, Executive-Programme an Elite-Universitäten wie Harvard zu besuchen. In Österreich ist Spitzenmanagern die öffentliche Weiterbildung rasch peinlich, denn es gibt hier immer noch "ja kann der/die denn das nicht". Daher erfolgt sie im Ausland oder hinter verschlossenen Türen.

STANDARD: Wie wichtig sind nachgewiesene Business-School-Module für Executive Search Companies - zählt das im Lebenslauf (CV) ganz oben überhaupt noch, oder geht es um Netzwerke?

Daeubner: Für Executive Search Consultants zählen vor allem vergangene Erfolge. Nachgewiesene Business-School-Module sind wie das Sahnehäubchen am Kaffee. Bei Jungmanagern zählen diese Module wesentlich mehr. Es dominieren natürlich politische Netzwerke. Andere Netzwerke zählen selbstverständlich auch, denn eine Word-of-Mouth-Empfehlung zählt besonders viel.

STANDARD: Einen Trend zu Abschlüssen (MBA) - gibt es so etwas beim Nachwuchs in den C-Suites?

Daeubner: Beim C-Suite-Nachwuchs zählen vor allem internationale MBA-Abschlüsse wie Fontainebleau.

STANDARD: Sollte das Spitzenmanagement intern bewusst sagen, dass es sich weiterbildet, um Vorbildwirkung zu haben?

Daeubner: Ja, denn das Topmanagement hat automatisch eine Vorbildfunktion. Wichtig ist jedoch, dass es nicht nur "lip service" ist, denn dann zeigt es keine Wirkung und wird sowieso schnell durchschaut.

STANDARD: Zählt Beratung als Weiterbildung?

Daeubner: Executive Counseling & Executive Coaching wird von Top-Managern in Österreich kaum im CV angegeben, während Nachwuchsführungskräfte das sehr wohl anführen. In den USA wird jedoch Executive Coaching / Executive Counseling sehr wohl im CV angegeben. (Karin Bauer, ManagementStandard, 19./20.1.2013)

 

Claudia Daeubner kommt aus der Personalberatung und ist seit vielen Jahren als Executive Councilor international tätig.

  • Beim Nachwuchs für die sogenannte C-Suite (Firmenspitze) zählen vor allem internationale Abschlüsse: Claudia Daeubner.
    foto: archiv

    Beim Nachwuchs für die sogenannte C-Suite (Firmenspitze) zählen vor allem internationale Abschlüsse: Claudia Daeubner.

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