"Das Bewusstsein für lebenslanges Lernen muss stärker werden"

Interview18. Jänner 2013, 17:12
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Das vergangene Jahr hat dem Wifi starke Zuwächse in den Bereichen Unternehmensführung und Management gebracht. Gudrun Ostermann im Gespräch mit Institutsleiter Michael Landertshammer über Trends, Aufholbedarf und Überraschungen.

STANDARD: Im vergangenen Geschäftsjahr legte beim Wifi der Bereich Unternehmensführung und Management mit mehr als sieben Prozent am stärksten zu. Für Sie überraschend?

Landertshammer: Das letzte Jahr war nicht nur wirtschaftlich ein sehr spannendes. Man hat den Eindruck bekommen, dass alles noch viel schneller vonstattengeht. Am Wifi haben fachliche Ausbildungen, aber auch Sprachen generell zugelegt. Ich kann aber nicht sagen, ob das schon als Trend zu werten ist. Bisher wurde das fachliche Know-how vorausgesetzt. Offensichtlich ist aber auch, dass Kurse für Persönlichkeitsentwicklung etwas verloren haben.

STANDARD: Wie erklären Sie sich den Anstieg bei Weiterbildungen bezüglich Unternehmensführung?

Landertshammer: Die Entwicklung war auch für mich überraschend. Es haben ja auch firmeninterne Trainings stark zugenommen. Eine mögliche Erklärung liegt sicher in der Internationalisierung. Hier sind längst nicht nur die Großkonzerne tätig, auch immer mehr kleinere Unternehmen besetzten international Marktnischen, und auch dafür gilt es seine Mitarbeiter fit zu machen. Klar ist aber auch, dass das letzte Geschäftsjahr von großen Unsicherheiten geprägt war. Und da wird bei der betrieblichen Weiterbildung genau geschaut, was das Unternehmen wirklich braucht. Hier hat Fachliches eindeutig die Nase vorn.

STANDARD: Lässt sich ein genereller Trend erkennen?

Landertshammer: Wie auch schon in den letzten Jahren setzt sich der Trend zu kürzeren, aber intensiveren Einheiten fort. Auch geblockte Angebote werden immer öfter in Anspruch genommen. Etwas vernachlässigt werden Themen wie beispielsweise Arbeitsschutz, also die Soft Facts.

STANDARD: Gibt es weitere Bereiche, die noch nicht den angemessenen Stellenwert bei der Weiterbildung haben?

Landertshammer: Ein Thema, das sicher in den nächsten Jahren wichtiger werden wird, ist unter dem Überbegriff Diversity-Management zusammenzufassen. Hier gibt es sicher Bedarf. Auch fürs aktuelle Jahr sehen wir, dass dieser Bereich schon zunehmend nachgefragt wird.

STANDARD: Wo sehen Sie sonst noch einen Aufholbedarf?

Landertshammer: Grundsätzlich muss das Bewusstsein für lebenslanges Lernen noch stärker werden. Hier gibt es auch einen Aufholbedarf der Politik, die das Thema noch nicht in aller Dringlichkeit behandelt. Und auch das Interesse Älterer an Weiterbildungsmaßnahmen hat zwar zugenommen, aber noch viel zu wenig. Hier gibt es auch für die Bildungseinrichtungen noch Handlungsbedarf, denn Ältere haben einen anderen Zugang. Was für uns auch nach wie vor ein Thema bleibt, ist der Bereich E-Learning. Fernstudien haben zwar zugenommen, der Hype ist aber ausgeblieben. Worauf es bei E-Learning ankommt, ist der richtige Mix aus Präsenzphasen und virtuellen Einheiten. Aber da arbeiten wir dran. (Gudrun Ostermann, ManagementStandard, 19./20.1.2013)

Michael Landertshammer ist Leiter des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifi) der Wirtschaftskammer Österreich.

  • "Der Trend geht zu kürzeren, aber intensiveren Lerneinheiten", so  Michael Landertshammer.
    foto: christian fischer fotografie

    "Der Trend geht zu kürzeren, aber intensiveren Lerneinheiten", so Michael Landertshammer.

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