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vergrößern 800x533"Zum Glück ist das hier eine Eigentumswohnung!" Heinz Mayer in seinem Lese- und Schlafschaukelstuhl in Mödling.
Mit der Wohnsituation in Österreich ist Heinz Mayer, Verfassungsrechtler und Verwaltungsjurist, nicht sehr zufrieden – mit seiner eigenen allerdings schon, wie Wojciech Czaja beim Besuch in Mödling erfuhr.
"Das ist eine Wohnhausanlage aus den späten Siebzigern, die vom Wiener Architekten Eugen Wörle geplant wurde. Das Schöne daran ist, dass dieses Haus genau an dem Platz errichtet wurde, wo ich schon als Kind gespielt habe. Es liegt am Stadtrand von Mödling. Zur Fußgängerzone sind es nur ein paar Minuten zu Fuß, andererseits beginnt dahinter gleich der Wald. Was für eine Lage!
Als ich mit meiner Frau Evelyn hier eingezogen bin, das war 1981, haben wir umgebaut: Fußbodenheizung, Sauna, Bad, Terrasse und so weiter. Später haben wir auch die Fenster ausgetauscht. Die sind jetzt wärmetechnisch besser. Aber ganz klar: Das Haus stammt aus einer Zeit, als Energie noch kein Thema war, und ist daher, sagen wir einmal, relativ ressourcengroßzügig geplant. Die Heizkosten sind immer noch hoch.
Man klebt hier nie an den Nachbarn. Die gesamte Anlage ist so geplant, dass man als Bewohner frei wählen kann, ob man in der Gemeinschaft oder doch lieber zurückgezogen wohnt. Das ist sehr gut. Alles in allem kann ich sagen, dass das eine außergewöhnliche Wohnsituation ist. Das ist keineswegs der österreichische Durchschnitt. Dessen bin ich mir bewusst. Und ich weiß dieses Wohnprivileg zu schätzen.
Ganz allgemein bin ich mit der Wohnsituation in Österreich nicht besonders glücklich. Wenn man nicht viel Geld hat, dann ist es ein Kampf, bis man eine akzeptable Wohnung findet. Wir wohnen auf 170 Quadratmetern. Am Markt werden solche Wohnungen für 2000 Euro Miete aufwärts gehandelt. Das erfordert ein Spitzeneinkommen!
Ich kenne junge Leute, die nach dem Studium ins Berufsleben einsteigen und die sich das Wohnen schlichtweg nicht leisten können. Es sei denn, sie stammen aus begütertem Hause und leben von Papa und Mama. Das ist nicht das, was ich mir unter dem Grundrecht Wohnen vorstelle. Besonders für junge, einkommensschwache Familien mit Kindern ist die Situation schwierig. Trotzdem: Von einer Mietobergrenze von sieben Euro pro Quadratmeter, wie das unlängst von den Grünen gefordert wurde, halte ich nichts. Man kann einem privaten Hauseigentümer keine Mietobergrenze vorschreiben. Das ist falsch und fördert bloß das Entstehen von Substandard. Es ist die Aufgabe der Politik, für leistbares Wohnen zu sorgen, in Form von Förderungen, Wohnbeihilfen, wie auch immer.
Derzeit gibt es auf dem österreichischen Wohnungsmarkt eine Schieflage. Viele Menschen wohnen seit Jahren oder Jahrzehnten in Altbauwohnungen und zahlen extrem wenig Miete, obwohl sie es sich längst leisten könnten, mehr zu zahlen. Man müsste ins Mietrechtsgesetz eingreifen und solche Friedenszinsverträge mittelfristig anpassen. Wenn man von Fairness spricht, dann darf man sich nicht immer nur auf die Situation des Mieters konzentrieren, dann muss man auch an den Vermieter denken.
Zum Glück ist das hier eine Eigentumswohnung. Ich bin ein sesshafter Mensch und kann mich hier leicht zurückziehen. Wir werden hier so lange bleiben, wie es unsere gesundheitliche Situation erlaubt. Bis dahin bleibt mein Lieblingsplatz der Schaukelstuhl. Das ist das perfekte Sitzmöbel. Je nach Sitz- oder Liegewinkel kann man darin fernsehen, Zeitung lesen oder schlafen. Jetzt im Winter, wo die Terrasse klimatechnische Tabuzone ist, halte ich mich hier am liebsten auf. Oder in der Sauna. Und ja, ich weiß, auch eine Sauna ist nicht österreichischer Wohnstandard." (DER STANDARD, 19./20.1.2013)
Heinz Mayer, geboren 1946 in Mürzzuschlag, ist Verfassungs- und Verwaltungsjurist. Seit 1983 ist er Professor an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, seit 2006 ist er deren Dekan. Er ist u. a. Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften sowie Beiratsmitglied an der City University of Hong Kong, School of Law. Außerdem ist er Verfasser juristischer Standardwerke wie etwa "Grundriss des Österreichischen Bundesverfassungsrechts" oder "Das österreichische Bundes-Verfassungsrecht". 2011 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
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Derzeit sind die Mieten extrem hoch und Bautätigkeit gibt es auch und doch gehen die Mietpreise nicht viel runter.
Man sollte Beides "reparieren": die all zu billigen Mieten vom Jahre Schnee und eine Mietobergrenze einziehen. Nicht im 1.,9.,13.,19. Bezirk vielleicht, aber in den normalen Bezirken schon. Und nicht jedes junge Pärchen muss eine 80 - 100m2 Wohnung beziehen, es geht auch mit weniger m2.
Genau, ein guter Kompromiss wäre nicht schwer zu finden. Dabei müssten auch die Kategoriemerkmale entrümpelt werden: Wenn eine Kategorie A oder B-Wohnung nicht mind. 30 m² und ein eigenes Vorzimmer haben müsste, gäbe es viel mehr Kleinwohnungen, die selbst zum Kategorie A-Mietzins leistbar wären.
Schon in diesem Interview offenbart sich die Sicht der Dinge von Prof. Heinz Mayer, der stets das Allgemeinwohl im Blick hat, sein eigenes Glück zu schätzen weiß und dennoch nie das Ziel aus den Augen verliert: die Gerechtigkeit. Viele Leute könnten sich davon etwas abschauen.
Hut ab vor diesem Menschen mit Idealen!
Ihm zu Gute zu halten ist, dass er mit seinem Gehalt keine Sozialwohnung belegt hält :)
Und mir gefällt auch, dass er sich bewusst ist, dass er privilegiert wohnt. Ich glaub schon, dass das wichtig ist.
Mir gefällt der Lagerhauseindruck am Foto. Glaub ich gern, dass das schwierig zu Heizen ist. Aber ich mach mir keine Sorgen, dass er frieren muss ;)
als i das foto gesehen haben hab i mir gedacht wow,ein angenehm leeres großzügiges zimmer,sehr einladend,der boden wäre mir persönl. vielleicht zu unruhig.ein blick auf die fenster u man sieht die 80er,noch dazu im wohnblock,also wohntechnisch ein absolutes no go.seine vernünftigen worte gefallen mir sehr gut.allerdings befürchte i daß er aus dem sessel rückwärts rausköpfl,wär schad um den heinzi ;.)
die Aussagen zum Mietrecht sind genau am Punkt.
Wenn man die Gesetze dann auch noch so gestalten könnte, dass sie eindeutig und klar sind, wäre Allen geholfen.
Die derzeitige Situation der Rechtsunsicherheit ist ja sowohl für Mieter als Vermieter unerträglich.
Mich hats vor allem an die "Magischen Weinhalter" erinnert (http://www.google.de/search?q=... &tbm=isch) - also nicht, dass ich jetzt den Herrn Mayer als Flasche...
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