157.000 Tonnen Essen wandern in den Müll

18. Jänner 2013, 11:34
85 Postings

Lebensmittel im Wert von 1,1 Milliarden werden hierzulande jährlich weggeworfen, eine neue Initiative soll Abhilfe schaffen

Wien - Beim "Global Forum for Food and Agriculture" im Rahmen der Grünen Woche in Berlin mit 80 Agrarministern aus aller Welt präsentiert Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (ÖVP) "zwei Initiativen als österreichischen Beitrag für neue Impulse", wie er sagte. Dabei handelt es sich um das "Lebensmittelmodell als Denkanstoß", das der Minister im November bei einem EU-Agrarministerrat präsentiert hatte sowie die neue Initiative "Lebensmittel sind kostbar!" - denn alleine die Österreicher werfen jährlich 157.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,1 Mrd. Euro weg.

Ziel der Initiative ist es laut Berlakovich, bis 2016 ein Fünftel der Lebensmittelverschwendung zu stoppen. Neben den Sozialpartnern seien bisher 20 weitere Partner im Boot, bis Jahresende sollen es weitere 100 sein. "Alleine von den österreichischen Haushalten werden jährlich 157.000 Tonnen Lebensmittel um 1,1 Mrd. Euro weggeworfen. Das sind pro Kopf 19 Kilogramm beziehungsweise pro Haushalt Lebensmittel um 300 Euro", so der Minister.

Laut Landwirtschaftskammer könne mit den in Österreich jährlich weggeworfenen Lebensmitteln eine halbe Million Menschen ein Jahr lang ernährt werden. "Diese Zahlen sind inakzeptabel. Wir haben es hier mit einer immensen ökologischen und ökonomischen Ressourcen-Verschwendung zu tun, das Sparpotenzial ist enorm. Deshalb haben wir die Initiative 'Lebensmittel sind kostbar!' unter der Devise 'verwenden statt verschwenden' gegründet", sagte Berlakovich.

Verzehr nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums

Bis Ende März soll mit Experten in Workshops Ideen zur Bewusstseinsbildung und zum Stoppen der Verschwendung ausgearbeitet werden, "die Zug um Zug präsentiert werden; Ziel ist es, im Frühjahr eine Maßnahmenkatalog zu präsentieren". Als konkretes Beispiel nannte Berlakovich, das Haltbarkeitsdatum von Lebensmitteln, die man oft auch nach dessen Ablauf verzehren kann.

Die Veranstalter der Grünen Woche rechnen an den zehn Messetagen mit mehr als 400.000 Gästen in den Hallen am Berliner Funkturm. Als eine der ersten besuchte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Messehallen. Sie würdigte die Leistung der Land- und Ernährungswirtschaft, die gerade in dieser technikorientierten Zeit gezeigt werden sollten. "Die Grüne Woche ist eine traditionsreiche Veranstaltung, die Stadt und Land zusammenbringt", sagte Merkel. 

"Donau Soja Erklärung"

Am Samstag unterzeichnen sieben Agrarminister aus Europa, darunter auch Niki Berlakovich, die sogenannte "Donau Soja Erklärung". Ziel ist es, der Abhängigkeit von Soja-Importen entgegenzusteuern und wirkungsvolle Impulse für eine europäische Eiweißstrategie zu setzen, hieß es in einer Aussendung. Die Entstehung des Vereins erfolgte in Zusammenarbeit mit den Donauraumländern in Südosteuropa und Bayern. Langfristig könnten im Donauraum zehn Mio. Tonnen Soja geerntet werden.

Die Erklärung soll in den nächsten Jahren den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung von Qualitätssoja aus der Region systematisch fördern und forcieren. Die Marke Donau Soja wird europaweit geschützt. Produzenten können das Zeichen bei Einhaltung der Donau Soja Kriterien und mehrstufigen Kontrollen verwenden. Das Donau Soja soll vollständig gentechnikfrei produziert werden, was zusätzlich von unabhängigen Kontrollinstitutionen überprüft werden soll.

Der Anbau könne in den nächsten Jahren auf fünf Millionen Tonnen ausgeweitet werden. Langfristig sei ein Potenzial von zehn Millionen Tonnen denkbar. So ergebe sich die Chance für eine "Europäisierung der Eiweißversorgung" Europas. Allerdings werden in der gesamten EU (Stand: 2010) nur 940.000 Tonnen Soja geerntet. Importiert werden 23 Mio. Tonnen Sojaschrot und 12,5 Mio. Tonnen Sojabohnen.

Der Verein zählt derzeit 34 ordentliche Mitglieder vom großen Diskonter über Supermärkte, die Raiffeisen Ware Austria AG und elf weitere außerordentliche Mitglieder, bestehend hauptsächlich aus Nicht-Regierungsorganisationen wie Greenpeace, WWF, Global 2000.

Unterzeichnerstaaten sind neben Österreich, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, die Schweiz, Deutschland für Bayern und Baden-Württemberg, Slowenien und Ungarn.

Potenziell beitreten können alle Länder die politisch und geografisch zum Donauraum gehören - nach Definition der internationalen Donauschutz-Kommission auch jene Länder die keinen Donau-Anteil haben wie (Ober)italien bis nach (Süd)polen, Moldawien und die Ukraine mit südwestlichen Regionen. (APA, 18.1.2013)

  • Vieles, was nicht mehr ganz frisch aussieht, ist durchaus noch genießbar.

    Vieles, was nicht mehr ganz frisch aussieht, ist durchaus noch genießbar.

Share if you care.