Produktion: "Es braucht alte Tugenden"

18. Jänner 2013, 10:43
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Exaktes Arbeiten bei strengen Standards

Der Management-Guru Henry Mintzberg hat unlängst auf die scheinbar unmöglichen Rahmenbedingungen des Produktionsstandortes Mitteleuropa hingewiesen: Bei derart hohen Lohnkosten könne dort niemand mehr wettbewerbsfähig produzieren. Warum aber seien beispielsweise deutsche Autobauer dann noch immer weltweit höchst erfolgreich? Weil, so Mintzberg, dort Ingenieure den Ton angeben, die nahe am Produkt arbeiten und viele im eigenen Unternehmen gewachsene Techniker in den Vorständen und Geschäftsführungen zu finden sind.

Produktionsmanager werden hierzulande eher selten mit solchen Lorbeeren bedacht. Eloquente Marketingexperten oder alerte Finanzfachleute finden oft leichter Gehör und Aufmerksamkeit als tüftlerisch veranlagte Techniker mit Liebe zum Detail. Dabei können wir gerade in unseren Breiten auf viele leistungsstarke Produkte blicken, in denen langjähriges Ingenieurswissen und viel Kreativität abgebildet ist. Nicht selten sind weltweit beste technische Lösungen dem Geist mitteleuropäischer Ingenieure entsprungen.

Die bzd-Studie "Management-Erfolgsfaktoren 2012" spiegelt dieses Bild wider. Die befragten Topmanager reihen in Bezug auf die wichtigsten Anforderungen an Produktionsmanager folgende Parameter ganz vorne: Gewissenhaftigkeit, Belastbarkeit und Leistungsmotivation. Danach werden Teamorientierung und berufliche Erfahrung genannt.

Gerade Gewissenhaftigkeit steht zu Recht an erster Stelle, denn konsequente Umsetzung und die Arbeit nach strengen Standards sind essenziell. Nur so ist sind dauerhafte Qualität und ein hoher Servicegrad garantiert. Kosteneffizienz bleibt für Produktionsmanager als Thema zwar ein Dauerbrenner, entscheidend ist aber auch, Produktionsprozesse erfolgreich in globale Wertschöpfungsketten zu integrieren. Alle übergreifenden Prozesse, wie etwa Supply Chain Management (SCM) oder Simultaneous Engineering müssen gut koordiniert werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Kennzahlen und Regelkreise unterstützen diese Prozesse. Bei der hohen Dynamik vieler Einflussgrößen eines Unternehmens ist diese Vorgehensweise heute wichtiger denn je.

Dies bestätigt auch Andreas Kriegl, Werksgruppenleiter der RHI AG: "Um in Mitteleuropa erfolgreich zu produzieren, braucht es ,alte' Tugenden. Die Fabrik muss nachhaltig hohe Qualität liefern, für ihre Kunden ein flexibler, zuverlässiger Partner sein und ständig an der Kostenschraube drehen. Gleichzeitig aber sind komplexer werdende Rahmenbedingungen einzuhalten und die Innovation von Produkten und Prozessen voranzutreiben. Als Produktionsmanager muss man den Spagat zwischen exaktem Arbeiten nach strengen Standards und ebenso der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Wertschöpfungsprozesse schaffen. Gleichzeitig sind aber die Leidenschaft für Veränderung, die Fähigkeit, ein Team zu führen, Entscheidungsfreude, Durchsetzungsfähigkeit und vor allem starke Nerven gefragt". (Eva Pinter, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

Eva Pinter ist Beraterin im Beraterzentrum Dorotheergasse (bzd) in Wien.

Link:

www.bzd.at

  • Eva Pinter, Bearterin im Beraterzentrum Dorotheergasse in Wien.

    Eva Pinter, Bearterin im Beraterzentrum Dorotheergasse in Wien.

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