Mitarbeiterbefragung: Nur gut von extern

18. Jänner 2013, 18:46
8 Postings

Erste "goldene Regel": extern beauftragen. Zweite "goldene Regel": Die Ergebnisse müssen intern diskutiert werden

Inhaltlich haben sich die Hintergründe für eine Mitarbeiterbefragung in den vergangenen zehn Jahren verändert: Wurde früher mehr nach dem Status der Zufriedenheit gefragt, dient die Mitarbeiterbefragung heute als unterstützendes Instrument etwa vor der Umsetzung neuer Strategien, dem Wunsch nach Verbesserung der Kommunikation oder internem wie externem Benchmarking. Leadership, Innovation, Weiterbildung und -entwicklung, Loyalität, Vertrauen, Engagement sowie Stress und Arbeitsbedingungen im Allgemeinen sind heute treibende Themen.

Gleich geblieben ist aber etwas, das als erste "goldene Regel" der Mitarbeiterbefragung bezeichnet werden könnte: Wenn sie gut werden soll, dann führe sie nicht selbst durch. Das sensible Instrument bedarf einer professionellen Konzeption, Durchführung und Auswertung der Ergebnisse.

Nur ein kleiner Fehler kann zu erheblichen Vertrauensverlusten aufseiten der befragten Mitarbeiter führen und das Instrument für lange Zeit in einer Organisation unbrauchbar machen. "Der Umgang mit den Daten ist ein extrem sensibles Thema", sagt auch Erich Laminger, Managing Partner Great Place to Work Österreich. Die Anonymität der eingeholten Daten und Antworten muss ganz klar nachvollziehbar sein, sagt er. Zwischen den auftraggebenden Unternehmen und seiner Organisation gebe es daher klare vertragliche Vereinbarungen von der Vorbereitung über den Prozess bis hin zu den Follow-ups, so Laminger weiter.

Vertrauen halten

Gearbeitet werde mit dem sogenannten "Trust Index Modell", das auf den Grundwerten Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist gründet - "über die Mitarbeiterbefragung erheben wir, wie diese Grundwerte im Unternehmen gelebt werden oder wie weit weg das jeweilige Unternehmen von dieser Realität ist", so Laminger weiter. Und diese Diskrepanzen, also die konkreten Ergebnisse "gehören auf jeden Fall intern veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Egal, wie gut oder schlecht das Feedback der Mitarbeiter ausgefallen ist. Wenn man die Mitarbeiterbefragung als Feedbacktool ernst nimmt, muss man das tun."

Und in diesem Sinne ist die Mitarbeiterbefragung Teil der Unternehmensdemokratie, ist Laminger überzeugt, "weil es darum geht, dass die Führenden die wahren Regelungsbedarfe der Geführten kennen und sich ihnen auch widmen sollten".

Bereits Erhobenes könne fortan in kommende Befragungen einbezogen werden, um Veränderungen, Sinnvolles und weniger Sinnvolles nachvollziehen zu können. Wichtig sei zudem auch die Benchmark, die den Organisationen zur Verfügung gestellt werden, so Laminger weiter. So können die eigenen Zahlen mit denen des Umfeldes verglichen und auch entsprechende Maßnahmen gesetzt werden. Jene Unternehmen, die mit ihren Feedbacks gearbeitet haben, konnten überwiegend positive Veränderungen feststellen - nicht nur sei die Bekanntheit als Arbeitgebermarke gestiegen, was nicht zuletzt auch mit der Mitarbeiterzufriedenheit zusammenhänge, auch die abteilungsübergreifende Kommunikation, die Mitarbeiterbindung und -loyalität konnte vielerorts mit diesem Tool verbessert werden - so denn ernsthaft und sorgfältig damit gearbeitet worden ist. (haa, DER STANDARD, 19./20.1.2013)

  • Erich Laminger, Managing Partner Great Place to Work Österreich.
    foto: standard/fischer

    Erich Laminger, Managing Partner Great Place to Work Österreich.

  • STANDARD-Schwerpunktausgabe Digitale Demokratie
    grafik: standard

    STANDARD-Schwerpunktausgabe
    Digitale Demokratie

Share if you care.