Wolfgang Waldner: "War ganz logisch, nach Kärnten zu gehen"

Interview |
  • Wolfgang Waldner traut sich alles zu und will unbedingt Landesrat in Kärnten bleiben.
    foto: apa/eggenberger

    Wolfgang Waldner traut sich alles zu und will unbedingt Landesrat in Kärnten bleiben.

Wolfgang Waldner hat seine internationale Karriere ruhend gestellt, um Kärnten und die ÖVP zu retten

STANDARD: Nach vier Anläufen hat es endlich geklappt. Die FPK hat auf Ihren Wunsch hin 550.000 Euro an Soforthilfe für das massiv von Schimmel befallene Kärntner Landesmuseum freigegeben.

Waldner: Das ist gut, aber kein Grund zum Jubeln. Wir werden für die Rettung der Kärntner Kulturschätze bald weitere 800.000 Euro brauchen, und ich rechne damit, dass es noch mehr werden wird.

STANDARD: Warum hat die FPK die nötigen Sofortmaßnahmen so lange blockiert?

Waldner:Ich habe dafür kein Verständnis. Vor allem, weil es ja um Notmaßnahmen gegangen ist. Gerade das Landesmuseum als Gedächtnis des Landes und seiner Kultur muss einen anderen Stellenwert bekommen. Dieses Haus muss ein Leuchtturm werden. Da muss es eine Einigung über alle Parteigrenzen hinweg geben. Vor einer Wahl sehe ich natürlich keine Chance.

STANDARD: Warum wurden es statt 600.000 nur 550.000?

Waldner: Ich will keine Haarspalterei. Besser, es gibt rasch Geld für Notmaßnahmen. Da wollte die FPK halt ihr Gesicht wahren.

STANDARD: Warum sind Sie nach einem Leben auf dem internationalen Parkett in die Kärntner Politik gegangen?

Waldner: Ich habe bisher schon im öffentlichen Dienst gearbeitet, als Diplomat, im Kulturinstitut in New York, im Museumsquartier und zuletzt als Staatssekretär. Ich habe dabei ganz Österreich und damit auch Kärnten vertreten. Ich sehe das als Dienst an der Allgemeinheit. Jetzt arbeite ich eben speziell für mein Bundesland und will einen Beitrag für seine Zukunft leisten - wenn es der Wähler will.

STANDARD: Sie sollen jetzt Kärnten und die ÖVP vor einem Absturz retten?

Waldner: Ich habe die politische Entwicklung in Kärnten immer mitverfolgt und mitgelitten. Ich musste mitansehen, wie das Image des Landes beschädigt wurde und man es nicht geschafft hat, von der Schlusslichtposition wegzukommen - bei den Einkommen, bei der Abwanderung, bei den Arbeitslosenzahlen. Daher war es für mich ganz logisch, jetzt nach Kärnten zu gehen.

STANDARD: ÖVP-Chef und Außenminister Michael Spindelegger soll ein wenig nachgeholfen haben ...

Waldner: Überhaupt nicht. Ich bin einzig und allein von Gabriel Obernosterer überzeugt worden. Wir beide haben gedacht, es sei ja kein Schaden, wenn die ÖVP von einer Doppelspitze vertreten wird. Natürlich habe ich das Okay meines Chefs einholen müssen, und er wollte mich nicht so einfach ziehen lassen.

STANDARD: Jetzt wollen Sie Landesrat in Kärnten bleiben?

Waldner: Entweder schaffe ich es oder nicht. Ich gehe kein großes Risiko ein, ich weiß. Aber solche Karrieresprünge machen mir auch Spaß. Ich bin aber kein Jobhopper, ich möchte wirklich einen sinnvollen Beitrag leisten, um Kärnten wieder nach vorne zu bringen. Und ich kenne niemanden, der die Chance bekommen hat, ganz oben einzusteigen.

STANDARD: Wenn es der ÖVP gelingt, den Regierungssitz zu halten, welches wären Ihre Wunschressorts?

Waldner: Ich traue mir alles zu. Zuerst geht es einmal um die Gesamtplanung der politischen Arbeit. Natürlich möchte die ÖVP ihre Wirtschaftskompetenz unter Beweis stellen. Aber auch die Außenbeziehungen Kärntens, Imageförderung, Tourismus und Kultur würden mir gefallen. Es geht aber auch um das Zusammenführen von Sachbereichen. Die Mehrfachzuständigkeiten müssen abgestellt werden.

STANDARD: Wie beim Schimmelskandal im Kärntner Landesmuseum?

Waldner: Dasselbe Problem haben wir auch bei der slowenischen Musikschule. Auch da habe ich Geld aus meinem Budget lockergemacht. Ich habe aber weder die Finanz- noch die Personalhoheit. Die FPK blockiert monatelang, nur um anderen eine Niederlage zuzufügen. Mir geht es um Sachlösungen und nicht um permanente Parteienkämpfe und politisches Kleingeld.

STANDARD: Sie sollen ja auch ÖVP-Verhandlungsführer nach den Wahlen um etwaige Koalitionen werden. Wären Finanz- und Personalhoheit eine Conditio sine qua non?

Waldner: Natürlich. Alles andere führt zu sinnlosen Blockaden. Eine politische Geiselhaft wie beim Landesmuseum darf es nicht mehr geben. Die FPK entscheidet nach Gutdünken. Dabei gibt es nur Gleichgeschaltete oder Feinde.

STANDARD: Welche Bedingungen stellen Sie noch?

Waldner:Ich habe da eine ganz klare Linie: Der Proporz muss weg.

STANDARD: Welche Koalitionen sind für Sie vorstellbar? Welche nicht?

Waldner: Nur mit Parteien, die die beiden obengenannten Bedingungen erfüllen wollen. Dafür stehen derzeit neben der ÖVP nur die SPÖ und die Grünen. Grundsätzlich sind wir offen für alle Parteien. Als Verhandlungsgegenüber akzeptieren wir aber nur saubere Personen - also solche, die nicht vor einem Richter stehen.

STANDARD: Was halten Sie von Frank Stronach?

Waldner: Er ist ein erfolgreicher Unternehmer. Er muss sich aber erst in der Politik bewähren. Man kann sich nicht einfach Mandate kaufen, man muss das Volk überzeugen.

STANDARD: Was würden Sie in Kärnten als Erstes ändern?

Waldner: Das politische Klima. Hier mangelt es an Stil, bei der FPK gibt es keinen respektvoller Umgang mit Andersdenkenden. Wir müssen Ansehen und Image des Landes heben, eine neue Willkommenskultur entwickeln. Dann muss man alles unternehmen, um den Standort zu stärken, die Forschungs- und Technologieoffensive muss endlich ganz umgesetzt werden. Ein ganz großes Thema ist auch die Abwanderung im ländlichen Raum. Wenn wir da nicht kräftig gegensteuern, gehen wir sehenden Auges in den Untergang.

STANDARD: Kultur liegt Ihnen ja besonders am Herzen. Aber lieben Sie auch Sport?

Waldner: Sehr. Schon mit zwölf Jahren war ich ein begeisterter Langläufer. In New York bin ich regelmäßig Marathon gelaufen. Auch in Klagenfurt bin ich jeden Morgen entlang der Lend unterwegs. Dabei treffe ich immer wieder auf SP-Chef Peter Kaiser.

STANDARD:  Manche halten Sie für zu gescheit für Kärnten.

Waldner: Diesen Makel trage ich gerne. Ich würde mir wünschen, dass dieser Vorwurf auf alle Kärntner Politiker zutreffen möge. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 18.1.2013)

Wolfgang Waldner (58) leitete das Österreichische Kulturforum in New York und von 1999 bis 2011 das Wiener Museumsquartier. Zuletzt war der ehemalige Sekretär von Alois Mock und Wahlkampfleiter von Thomas Klestil Staatssekretär im Außenministerium.

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15 Postings
Manche halten Sie für zu gescheit für Kärnten.

so eine frage kann auch nur einem wiener journalisten einfallen. wo gehen die gescheiten hin - salzburg, oberösterreich, steiermark oder in die hippe bundeshauptstadt?

hauptsache man zählt sich selbst immer zur intelligenz.

Das Krokodil in der Drau

ist allerdings noch immer nicht gefunden ...

plötzlich kennen alle wolfgang waldner

und die meisten urteilen, ohne je was von ihm genauer angesehen zu haben. jemanden wie waldner als "Tocka" zu bezeichnen, ist ein ausdruck eigener intellektueller unterbelichtung. das aber ist von ignoranten und besserwissern nicht anders zu erwarten.

wird wohl ein botschafterposten herausspringen

nachdem es die övp nicht mehr geben wird ist eile angesagt

Der is wirklich gscheit

ein paar Tausender im Monat Gehalt und in Kärnten, wo andere Urlaub machen ... Haxn wird der sich kan ausreissn ..
Jetzt wo die FPK dort hoffentlich "brausen" geht sehen viele wohl nette schöne hoch dotierten Posten frei werden ..

und du glaubst

vom staatssekretär zum landesrat ist es ein aufstieg?

noch dazu in einer landespartei die nicht nur wegen korruption am boden liegt

nach Wien

geht man NUR wenn man wo anders keine Arbeit bekommt.. in diese grauenhafte Stadt (ausgenommen Linz, da ist noch schlimmer)

Wo in Österreich machen andere nicht Urlaub?

Kapfenberg, St. Valentin, sowas in die Richtung?

Nur Idioten halten sich für "zu gescheit" !

Angesichts seiner Wiener "Performance" war es sicherlich "ganz-logisch-nach-Kaernten-zu-gehen".

.
In Känten nennt man solche Leute "Tocka" ...

"Ich traue mir alles zu!"

Ich ihm auch.
Und wenn er in Kärnten auch noch das Klima verändert, kann man im Wörtherssee auch im Winter baden gehn.
Da hat jemand seinen Platz gefunden.

Sicher einer der sympathischeren aktiven ÖVP-Politiker, aber trotzdem unwählbar.

Was hat Waldner GEMACHT ?

Mir geht es nicht darum, ob mir die Person sympathisch ist, die ich wähle, sondern, was für Inhalte ihre Partei vertritt. Eine ÖVP werde ich nie wählen können, wenn die 20er-Jahre weiterhin ihr Parteiprogramm sind.

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