Schwarzgeldabkommen mit Stiftungsrevier Vaduz

Es gibt 32.500 Stiftungen im Land, rund ein Sechstel davon dürfte auf Österreicher entfallen. Treuhänder dämpfen Erwartungen

Wien - Österreich und Liechtenstein stehen, wie berichtet, unmittelbar vor dem Abschluss eines Schwarzgeldabkommens. Die große Unbekannte ist, mit welchen Einnahmen der heimische Fiskus rechnen kann. Zur Erinnerung: Das Steuerabkommen mit der Schweiz soll heuer eine Milliarde und in der Folge jährlich 50 Millionen Euro bringen. Für Liechtenstein gingen die Schätzungen bis zu 700 Millionen Euro.

Seriös sagen könne das aber in Wahrheit niemand, erklärte der Geschäftsführer der liechtensteinischen Treuhändervereinigung Clemens Laternser am Donnerstag im Gespräch mit dem Standard. "Gefühlsmäßig" kommen ihm die genannten 700 Millionen aber "viel zu hoch vor".

Substanz unklar

Die Datenlage ist jedenfalls dünn. Im Öffentlichkeitsregister in Vaduz wird nur dokumentiert, dass eine Stiftung gegründet wurde. Über das Stiftungsvermögen beziehungsweise den Begünstigten weiß immer nur der jeweilige Stiftungsrat Bescheid. Nur so viel lässt sich sagen: Mit Stand Ende 2011 gab es 32.532 Stiftungen, für 2012 liegen noch keine Daten. Rund ein Sechstel davon dürfte auf Österreicher entfallen, schätzt man in Wien.

Was die Steuersätze im geplanten Abkommen betrifft, geht Laternser davon aus, dass man sich weitgehend an die Schweizer Vorlage halten wird. Unversteuerte Gelder von Österreichern in der Eidgenossenschaft werden pauschal und einmalig mit 15 bis 38 Prozent besteuert, wobei die 38 Prozent laut Experten eher die Ausnahmen bleiben werden.

Wahl fördert Abkommens-Abschluss

Dass nun aufs Tempo gedrückt wird, dürfte auch mit den Wahlen in Liechtenstein (3. Februar) zu tun haben. Die Partei von Regierungschef Klaus Tschütscher, die Vaterländische Union, konnte beim letzten Urnengang 2009 nur einen knappen Sieg erringen. In Kraft treten würde das Abkommen wohl erst mit 1. Jänner 2014. Vorher müssten nämlich noch Gesetze für die technische Umsetzung beschlossen werden. (Günther Oswald, DER STANDARD, 18.1.2013)

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