Jenseits theoretischer Pirouetten

17. Jänner 2013, 19:21
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1988 als Sammlung für Skulptur und Arbeiten auf Papier begründet, ist die Generali Foundation heute eine international geschätzte Institution mit eher konzeptuellem Kunstverständnis: 2013 feiert man 25. Geburtstag

Wien - Es war ein schwarz gestrichenes Pressspanobjekt von Heimo Zobernig (Ohne Titel, 1989), das in den Mitarbeitern der Generali Versicherung einst widerständige, aber auch kreative Energie freisetzte. Dann verschwand das Kunstwerk über Nacht aus dem Stiegenhaus des Firmengebäudes; statt seiner fand man buchstäblich "Dasselbe in Grün" vor - samt Kostenaufstellung. Eine "äußerst gelungene Kopie" und "ein positives Zeichen", erinnert sich 1995 ein Mitglied des Präsidiums an diese Anekdote aus der frühen Geschichte der Generali Foundation.

Dokumentiert sind dieses und andere Zitate in der Publikation Bericht der institutionskritischen US-Künstlerin Andrea Fraser; 1995, als die Generali Foundation ihr eigenes Haus bezog, bündelte Fraser darin ihre Auseinandersetzung mit dem 1988 gegründeten sammelnden Kunstverein und seiner Implementierung als Teil der Unternehmensphilosophie. "Innovation entsteht nicht aus allgemeiner Diskussion. Der Generaldirektor (damals Dietrich Karner, Anm.) hatte eine Vision, und über Visionen kann man nicht mit vielen Leuten diskutieren", liest man dort etwa. Oder: "Es ist die Kunst, die dem Leben etwas Besonderes gibt, und nur die Kunst."

Zum 25-jährigen Jubiläum der Generali Foundation fehlten solche Lippenbekenntnisse von Vorstand und Präsidium des Versicherers allerdings. Großes Tamtam hat die Generali Foundation zwar nie gemacht, dennoch wunderte es, dass außer der künstlerischen Leiterin Sabine Folie und dem Kurator von einer der drei Jubiläumsausstellungen für 2013 kein Konzernvertreter anwesend war. Terminlich war das, heißt es auf Anfrage, leider nicht möglich. Aber "die Foundation" wird tatsächlich auch erst im September 25 Jahre alt.

Die Generali sei aber mit ihrer Kunstinstitution sehr zufrieden. Die Akzeptanz sei hoch, intellektueller Anspruch und Inhalte würden geschätzt, kommentiert Folie zweifelnde Fragen. Es gebe "keine Indizien, dass es nicht so weiter geht wie bisher". Auch weiterhin werde man die Nische der konzeptuellen Kunst besetzen, auch wenn inzwischen auch andere österreichische Institutionen dieses Terrain bearbeiten.

Krise und Budget

Lediglich bei der Anzahl der Ausstellungen meldet Folie Zweifel an: Die Finanzkrise hätte sich budgetär durchaus schmerzlich bemerkbar gemacht und es sei fraglich, ob man auch 2014 wieder drei Schauen machen könne (für Ausstellungsproduktion stehen jährlich etwa 250.000 bis 300.000 Euro zur Verfügung, etwa ebenso viel für Sammlungsankäufe).

Amazing! Clever! Linguistic! An Adventure in Conceptual Art jubiliert nun jedoch erst einmal die vom Pariser Kurator und Kritiker Guillaume Désange zusammengestellte Präsentation, die sich Ideen der Konzeptkunst widmet und dabei aus den Schätzen der Sammlung schöpft. Ein Zugang der Liebe und Bewunderung, erklärt er. Und was damit gemeint ist, lässt ein Zitat von Joseph Beuys zur "Kunst als Waffe" erahnen, das Désange seinem Essay voranstellt. "Kunst ist die einzige Macht, die die Menschheit von aller Unterdrückung zu befreien vermag." Das "ästhetische Abenteuer" Konzeptkunst, das er als "kognitives und sinnliches Epos" erzählen will, zieht sich formal als schwarzes Band durch die Schau. Darauf reiht er didaktisch klug Arbeiten und Bezüge zu kunstgeschichtlichen Ikonen und Referenzfiguren ("Hall of Fames"). Kapitel sind u. a. die Rolle von Körper und Objekt (Franz West, Valie Export), Sprache (Gerhard Rühm, Martha Rosler), Form und Raster (Dan Graham), sowie Widerstand und Kritik (Hans Haacke, Sanja Ivekovic).

Deskilling (amateurhaftes Kuratieren) nennt Désange diese Form des Ausstellungsmachens, die sich nicht mit theoretischen Pirouetten an Eingeweihte anbiedert, sondern die oft mit dem Adjektiv "spröde" behaftete Kunst, verständlich macht. Absolut sehenswert!  (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 18.1.2013) 

Bis 21. 4.

  • Mit Bildern der heruntergekommenen New Yorker Bowery der 1970er-Jahre und Slangwörtern für "betrunken" versuchte sich Martha Rosler einer gesellschaftlichen Realität anzunähern.
    foto: generali foundation

    Mit Bildern der heruntergekommenen New Yorker Bowery der 1970er-Jahre und Slangwörtern für "betrunken" versuchte sich Martha Rosler einer gesellschaftlichen Realität anzunähern.

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