Jetzt noch Eierlikörgate

17. Jänner 2013, 17:03
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Am herrlichsten lässt es sich über eine Person reden, wenn diese nicht anwesend ist

Mal ehrlich: Am herrlichsten lässt es sich doch über eine Person reden, wenn diese nicht anwesend ist. Insofern waren die Voraussetzungen für Anne Wills ARD-Talk am Mittwoch optimal. "Schiffbruch mit Steinbrück - braucht die SPD einen neuen Steuermann?" lautete die als Frage getarnte Aufforderung zum Lästern über den SPD-Kanzlerkandidaten.

Originell, wer sich als Steinbrück-Verteidiger eingefunden hatte: Ralf Stegner, SPD-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, ein führender Partei linker, der sicht- und hörbar an Steinbrück leidet. Aus dem schrumpfenden Steinbrück-Lager selbst mochte offenbar keiner mehr ausrücken.

Und Stegner hatte gut zu tun. Moderatorin Will und die anderen Gäste zählten genüsslich noch einmal alle Fettnäpfchen auf: viel zu hohe Nebenverdienste, viel zu gierig beim Kanzlergehalt und jetzt auch noch das Eierlikörgate.

Eierlikörgate? In der Tat. Zwei Tage zuvor hatte Steinbrück versucht, volksnah zu sein, und sich bei einer echten Familie im Niedersachsen-Wahlkampf zum "Wohnzimmergespräch" inklusive eines Schlückchens Eierlikör eingefunden. Danach stellte sich heraus: Es war das Wohnzimmer der Eltern einer SPD-Mitarbeiterin. Also wieder ein Patzer.

Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges kann auch etwas zur Demontage Steinbrücks beitragen. Seine These bei Anne Will: Der Kanzlerkandidat, der doch immer vorgebe, ein Bankenbändiger zu sein, habe sich womöglich deshalb nicht zu den Razzien bei der Deutschen Bank geäußert, weil er dort selbst ein Konto für sein vieles Geld habe.

Da ist der Moment, in dem einem Steinbrück fast ein bisschen leidtut. Aber unterhaltsam war die Sendung dennoch. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 18.1.2013)

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