Schneechaos: Fehlen kein Entlassungsgrund

17. Jänner 2013, 14:18
  • Schnee und Sperren können ein Dienstverhinderungsgrund sein. Sanktionen seitens des Arbeitgebers darf es keine geben.
    foto: apa/stiplovsek

    Schnee und Sperren können ein Dienstverhinderungsgrund sein. Sanktionen seitens des Arbeitgebers darf es keine geben.

Bei Fernbleiben darf es keine Sanktionen geben, wenn Mitarbeiter alles unternehmen, um ins Büro zu kommen

Dienstverhinderungsgrund. So nennt sich das Chaos, das der Schnee in vielen Büros hinterlässt. In Form von Mitarbeitern, die zu spät kommen oder im schlimmsten Fall gar nicht erscheinen. Ein Dienstverhinderungsgrund kann als Rechtfertigung ins Treffen geführt werden, wenn Arbeitnehmer alles Zumutbare unternommen haben, um trotz Wetterkapriolen pünktlich oder überhaupt zur Arbeit zu kommen. Sanktionen des Arbeitgebers darf es dann keine geben, wie die Arbeiterkammer auf ihrer Homepage erklärt.

Einzelfall entscheidend

Hier heißt es: "Sie sind dazu verpflichtet, alle Ihnen zumutbaren Vorkehrungen zu treffen (z.B. früher aufbrechen, eigenen PKW statt öffentliche Verkehrsmittel benutzen), um trotz der ungünstigen Schneeverhältnisse (pünktlich) zur Arbeit zu erscheinen." Allgemeine Richtlinien, was zumutbar ist, existieren nicht. Geprüft werde der Einzelfall, so die Arbeiterkammer: "Für einen gesunden Arbeitnehmer wird es etwa zumutbar sein, einige Kilometer zu Fuß zur Arbeit zu gehen, wenn die Fahrt mit dem PKW bzw. den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich ist."

Kein Entlassungsgrund

Arbeitnehmer sind verpflichtet, ihren Dienstgeber umgehend zu informieren, wenn sich Unpünktlichkeit oder Fernbleiben abzeichnet. Urlaubstag muss keiner genommen werden, falls die Präsenz am Dienstort den Schneeverhältnissen zum Opfer fällt. Sollte ein Arbeitgeber eine Verspätung oder das Fernbleiben zum Anlass für eine Entlassung nehmen, ist das unberechtigt, informiert die Arbeiterkammer.

Gehalt

Beim Anspruch auf Entgelt gibt es Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten. Immer unter der Voraussetzung, dass alles Zumutbare unternommen wurde, um den Arbeitsplatz zu erreichen, haben Angestellte auch bei Abwesenheit Anspruch auf Entgelt. Arbeiter nur, wenn es im Kollektivvertrag keine expliziten Ausnahmen gibt. Im umgekehrten Fall, wenn zum Beispiel Arbeitsplätze wetterbedingt nicht erreichbar sind und nicht gearbeitet werden kann, steht den Dienstnehmern im Normalfall Lohnfortzahlung zu.

Schutz des Eigentums

Auf einen weiteren Punkt weist die Gewerkschaft der Privatangestellten (gpa) hin: "Könnten Angestellte zwar ihren Arbeitsplatz erreichen, steht aber z.B. der Keller des eigenen Hauses unter Wasser oder droht dem Haus infolge starken Schneefalls (weiterer) Schaden, der durch Schutzmaßnahmen abgewehrt werden kann, so sind sie nicht zur Arbeitsleistung verpflichtet." Der Schutz des Eigentums vor akuter Bedrohung bzw. Schadensbegrenzung gelte gegenüber der Arbeitsverpflichtung im Regelfall als "höherrangiges Gut" - und somit als Dienstverhinderungsgrund mit Entgeltfortzahlung, so die Gewerkschaft. Voraussetzung sei allerdings, dass die Angestellten auch tatsächlich persönlich tätig werden müssen. (om, derStandard.at, 17.1.2013)

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ür einen gesunden Arbeitnehmer wird es etwa zumutbar sein, einige Kilometer zu Fuß zur Arbeit zu gehen, wenn die Fahrt mit dem PKW bzw. den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich ist."

Mhm... Wenns so schneit / weht dass man mit dem Auto nimmer weiterkommt, geht man halt zfuss durch den meterhohen Schnee... Ist ja zumutbar.

In Wien vllt. möglich, aber im Burgenland, wo zwischen den Ortschaften nix ausser Feldern ist, würde ich bestimmt keine Kilometer zu fuß gehen.

In so nem Fall hat mans als Infomatiker einfacher. VPN an, und von zu Haus aus arbeiten.

Mit einen PS (= Pferd) komme ich überall hin in meiner Umgebung

Zurück zur Natur ;-)

Verspätung alleine ist kein Entlassungsgrund

...auch nicht, wenn die äußeren Umstände ein pünktliches Erscheinen absolut ermöglichen.

Ein Entlassungsgrund liegt in dem Zusammehang nur vor wenn der Arbeitnehmer ohne rechtmäßigen Hintergrund (z.B.: Krankheit oder sonstige persönliche Hinterungsgründe) die Arbeitsleistung für einen erheblichen Zeitraum unterlässt.

Mehrmaliges Zuspätkommen kann aber sehr wohl in einer Kündigung enden, die Bedarf allerdings an sich keiner Begründung. Zudem gibt es bei der Entlassung auch keine Frist, man kann gleich die Sachen packen.

Auf diese Unterscheidung sollte man immer hinweisen bei solchen Artikeln, passiert leider praktisch nie.

auf gut Deutsch also...

...Zuspätkommen oder Nichterscheinen wegen Schnees (vorausgesetzt natürlich der MA informiert den AG sobald es ihm möglich ist): kein Entlassungsgrund, eine Kündigung wäre theoretisch aber sogar möglich (wenn auch moralisch unter aller Sau), jedoch wäre diese aufgrund des Motivs wohl anfechtbar, kenne aber aus dem Gedächtnis keine Präzedenzfälle.

Bei einem "Schnee Chaos" wird bei uns in der Firma nicht mal gefragt warum man zu spät kommt! Wieso auch is ja eh klar! Eines ist nur immer komisch! Die mit der längsten Anreise sind meistens da, die die fast zu Fuß kommen können kommen als letzte *G*

Also bitte

Müsste ich bei offensichtlichen Umständen mit meinem Arbeitgeber darüber streiten, warum ich nicht in der Arbeit bin, kündige ich freiwillig. In so einer Firma würde ich nicht arbeiten wollen.

Habe gestern meine Arbeit von daheim erledigt und an Vorgesetzten gemailt

Er war wütend weil er dort sein mußte, ich aber mehr erledigen konnte als sonst, da ich nicht von Kollegen abgelenkt wurde.

"alles Zumutbare"

In manchen Firmen geht's leider nur darum, ob und wie oft man zu spät kommt und ganz gewiss nicht warum oder was man dagegen versucht hat. Glauben wollen's einem dann sowieso nichts.

Naja - einmal zu spät kommen kann passieren und ist Pech.

Regelmässig zu spät kommen ist schlechte Planung.

Dann können's nur noch sehen, ob ihr Gegenüber bereit ist das zu akzeptieren, oder sich einen Arbeitgeber suchen der's akzeptiert.

die Forderungen auf beiden Seiten sind ...

... unsinnig und unverschämt.
Eine Kündigung, wenn man sich keinen Heli chartert ist blödsinnig aber zum Hausdachabschaufeln kann man auch einen Urlaubstag oder Zeitausgleich nehmen.
Der Arbeitgeber ist langsam aber sicher die Vollkaskoversicherung für die Dienstnehmer. Freizeitunfälle, Sporterkrankungen und Hausdachabschaufeln bezahlt das Unternehmen, weil diese Tätigkeiten ja was mit der Arbeit zu tun haben....

ein bisserl guter Wille

auf beiden Seiten und alles kann geregelt werden. Wenn ich zuhause bleibe um meinen Keller auszupumpen oder den Schnee vom Dach zu schaufeln, dann bleibt logischerweise meine Arbeit auf der Strecke. Wenn da eine Deadline drauf ist, oder eine wichtige Besprechung ansteht, kann wohl jeder verstehen, daß der Arbeitsgeber ein Problem hat. Persönlich würde ich dann halt erst mein Problem lösen und dann später und bis in die Nacht hinein das Wichtigste für den Job erledigen. Kann mir keiner sagen, daß er von 8h00 bis 19h ununterbrochen pumpt oder Schnee schaufelt. Auch die verschneitesten Strassen werden irgendwann geräumt, am frühen Nachmittag kommt man schon durch. Mit gutem Willen. Dann zickt sicher auch der Arbeitgeber nicht.

"Der Arbeitgeber ist langsam aber sicher die Vollkaskoversicherung für die Dienstnehmer."

Gut, dann soll er bitte noch die aufgewendete Zeit zum Erreichen der Arbeitsstelle (und zurück) sowie die Kosten dafür zahlen. Wenn wir schon mit so was kommen ...

Eher ist der Mitarbeiter wie eine Zitrone, die man ausquetschen kann.

wer sagt denn dass sie...

... arbeiten müssen?
In Österreich lebt es sich von der Wohlfahrt doch ganz gut.

Wo ich wohne ist doch wirklich meine Privatsache! Wenn ich gerne im Grünen wohne und einen weiten Weg zur Arbeit in Kauf nehme, warum soll das dann der Arbeitgeber zahlen? Vielleicht auch noch, wenn ich erst während des Dienstverhältnisses übersiedle?

Wecker eine halbe Stunde früher stellen, ist das für einen Erwachsenen soooo schwer???

weiss man im voraus, wann eine mure die strasse wegspült?

Fragen Sie ihn, wenn Sie einen sehen.

Ich weiß, es ist nicht einfach, aber ...

... wenn man in so einer Firma arbeitet, ist es besser wenn man gekündigt wird (oder geht).

Muss ja ein arger Arbeitsplatz sein

wo man tatsächlich dem Chef gegenüber rechtfertigen muss wieso man bei einem Schneechaos 30 min. zu spät kommen wird und darauf verweist das deswegen die Kündigung nicht rechtskräftig ist oder um das Gehalt jeden Tages kämpfen darf.

Bevor ich in so einer Arbeit meine Lebenszeit verbringe würde ich mir was anderes suchen auch wenn ich dann halt weniger konusmieren kann.

Kleiner Tipp: Bei Schneechaos einfach früher als sonst zur Arbeit fahren.
Jeder Mensch hat Rechte aber eben auch Pflichten!

Bin GWD, und ja alle die zu spät kamen standen beim Raport es gibt eben doch noch einen "besonderen" Verrein bei welchem es niemanden interessiert WARUM man nicht um 0700 da war.

Naja - GWD ist ja kein Job, sondern ein Zwangsdienst.

Wie Sie richtig schreiben: SIE würden lieber eine schlechter bezahlte Stelle in einem anderen Unternehmen antreten.

Andere dürfen diese Entscheidung aber schon anders treffen.

ich habe mit dem Auto in 2h 15km geschafft - von 35

dann habe ich aufgegeben. Wie ist es euch ergangen?

nachtdienst und das schneechaos am heimweg gehabt... ;)

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