Armstrong: "Habe alles auf den Tisch gelegt"

17. Jänner 2013, 13:25
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"Die Leute sollen entscheiden" - Hat er Doping gestanden oder nicht? - Armstrong muss Olympia-Medaille zurückgeben - US-Justiz schließt sich Landis-Klage an

New York/Lausanne - Die Spekulationen über die Armstrong-Aussagen im TV-Interview mit der US-Star-Talkerin Oprah Winfrey bekommen neue Nahrung. Hat er Doping gestanden oder nicht? "Ich habe ihr alles auf den Tisch gelegt. Die Leute sollen entscheiden", sagte Lance Armstrong am Donnerstag. Die am Montag aufgezeichnete TV-Sendung wird am Donnerstag- und Freitagabend (jeweils Ortszeit/ab 3.00 MEZ) in zwei Teilen ausgestrahlt und kann auch in Österreich auf dem Sky-Kanal "Discovery Channel" zeitgleich mit der US-Erstausstrahlung verfolgt werden.

Nach der Aufzeichnung hatten US-Medien berichtet, der ehemalige US-Radsport-Superstar habe Doping gestanden. Die "New York Daily News" zitierte nun einen anonymen Zeugen, dass Armstrong in dem Gespräch nicht bereut habe, leistungsfördernde Mittel genommen zu haben, wie es ihm die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) in über 1.000 Seiten Ermittlungsakten nachgewiesen hatte. Von der USADA war der 41-jährige Texaner lebenslang gesperrt worden, auch seine sieben Tour-de-France-Siege waren ihm in der Folge offiziell aberkannt worden. 

Geschäfte des UCI-Bosses mit Armstrong-Finanzier?

Die Affäre Armstrong weitet sich jedenfalls aus, denn der frühere Weltverbandschef Hein Verbruggen sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Der Ehrenvorsitzende der UCI soll einem Bericht des "Wall Street Journal" (Donnerstag-Ausgabe) zufolge Geschäftsbeziehungen zum ehemaligen Teambesitzer und früheren Armstrong-Chef Thomas Weisel unterhalten haben.

Der Finanzier des US-Postal-Teams, für das der des Dopings überführte Armstrong sechs seiner sieben Tour-de-France-Siege eingefahren hat, soll nach Informationen der Zeitung Geld-Depots Verbruggens in seiner Investmentbank verwaltet haben. Der Ex-UCI-Boss wies gegenüber dem Blatt die Vorwürfe zurück. "Jetzt wird's lächerlich", sagte das IOC-Mitglied aus den Niederlanden, das sich schon lange mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht.

Auch Geschäftsbeziehungen zu Armstrong oder mit ihm arbeitenden Personen hatte Verbruggen stets abgestritten. "Das stinkt zum Himmel", meinte USADA-Chef Travis Tygart, der die lebenslange Sperre Armstrongs und die Aberkennung der sieben Tour-Titel durchgedrückt hatte.

US-Justiz reicht Klage ein

Das US-Justizministerium hat sich der Klage des Ex-Radprofis Floyd Landis gegen Lance Armstrong und etliche Geschäftspartner angeschlossen. Das teilte die US-Justiz am Donnerstag mit. Das Ministerium hatte diesen Schritt geprüft, seitdem Armstrongs früherer Teamkollege Landis 2010 eine offiziell bisher nicht bestätigte Klage eingereicht hatte.

Armstrong, sein damaliger Finanzier Thomas Weisel und Ex-Teamchef Johan Bruyneel werden des Betrugs bezichtigt, da sie Sponsorengelder der US-Postbehörde für Dopingzwecke missbraucht hätten. Im Vertrag mit dem Rennstall US Postal, für den Armstrong von 1998 bis 2004 gefahren war und sechs seiner sieben Tour-de-France-Titel errungen hatte, war der Verzicht
auf leistungssteigernde Mittel festgehalten. Die Postgesellschaft soll für das Weisel-Team, in dem Armstrong 1999 seinen ersten Toursieg gefeiert hatte, für sechs Jahre rund 30 Millionen Dollar (22,6 Mio. Euro) investiert haben.

Es gibt auch Querverbindungen zwischen Weisel und dem Stoff, der womöglich auch Armstrong schnell machte: Mit seiner Firma Montgomery Securities war der US-Finanzier laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einer der Initiatoren des Börsengangs der Bio-Tech-Firma Amgen. Deren Verkaufshit ist seit Jahren das als Blutdoping-Mittel zweckentfremdete Medikament EPO.

Armstrong muss Olympia-Medaille zurückgeben

Armstrong muss außerdem auch seine Olympia-Bronzemedaille von Sydney 2000 zurückgeben. Das hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschieden. Armstrong hatte bei den Spielen in Sydney im Einzelzeitfahren hinter dem Russen Wjatscheslaw Jekimow und dem Deutschen Jan Ullrich Bronze geholt. Vierter war der Spanier Abraham Olano.

In einem TV-Interview, das am Donnerstag- und Freitagabend (Ortszeit/jeweils 3.00 MEZ) in den USA ausgestrahlt wird, soll Armstrong die Einnahme leistungsfördernder Mittel gestanden haben. Dies habe das IOC dazu bewogen, die Medaille zurückzuverlangen. Bereits im Vorjahr war der Internationale Radsport-Verband (UCI) dem Urteil der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), die Armstrong als Sportbetrüger entlarvt hatte, gefolgt und hatte Armstrong rückwirkend sämtliche Ergebnisse ab 1998 aberkannt. (APA/red, 17.1.2013)

  • Lance Armstrong, der Taktiker.
    foto: reuters/jackson

    Lance Armstrong, der Taktiker.

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