Boy meets Girl!

Blog17. Jänner 2013, 10:14
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Warum die Uni als Partnerbörse perfekt geeignet ist, neuerdings auch online

"Ich suche einen blonden Engel. Sie konnte nicht fliegen, weil sie mit einer Schiene und auf Krücken unterwegs war. Du bist gegen 16:30 in die Uni gehumpelt und ich hätte Dich auf Händen getragen, aber ich war zu sehr fasziniert von Deinem Anblick. Du hattest weiße Perlenohrringe an, einen schwarzen Schlauchschal und schwarze Gummistiefel ABER wer bist Du?"

Mussten sich frisch Verknallte früher ein Herz nehmen und das Objekt der Begierde in der Uni am Kaffeeautomaten, in der Garderobe oder vor der Bibliothek ansprechen, stehen den Studierenden heute völlig neue Möglichkeiten offen. So macht derzeit die Flirtbörse "Spotted: University of Vienna" auf Facebook Furore. Über 13.000 Usern gefällt immerhin die Seite, auf die man eine Suchanfrage stellen kann. "Es ist ganz einfach! Wenn Du jemanden auf der Uni (alle Bibs, Unis, FHS) entdeckst, von dem du deine Augen nicht lassen kannst, dann sende dieser Fanpage eine Nachricht und wir posten sie ganz anonym +++SHARE THE LOVE".

Das digitale schwarze Brett wird rege beansprucht, praktisch halbstündlich schneien neue Meldungen herein. Gusto und Ohrfeigen sind bekanntlich sehr unterschiedlich, was sich auch in den Suchprofilen niederschlägt: "Ich suche die süße Philosophiestudentin, die sich gestern um ca. 18.30 kurz vor der Prüfung vor dem NIG zu mir und zwei Freundinnen gestellt hat...Zu ihr: Rot-violette Dreadlocks, schmales Gesicht, zentrales Labret, ich glaube auch gedehnte Ohrlöcher gesehen zu haben. Würde mich freuen, von Dir zu hören."

Darauf lapidar ein anderer User: "Meine Ex". Lustig sind nämlich nicht nur die Suchanfragen, sondern auch die Kommentare der anderen. Wenn es auch nicht sicher ist, dass der oder die Gesuchte das Posting selbst entdeckt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Happy Ends, weil jemand anderes die Person erkennt und kuppelnd eingreift. Mit dem Einverständnis beider Personen werden die Daten ausgetauscht und einer möglichen Uni-Liebe steht nichts mehr im Wege.

Das Ganze strotzt mitunter vor Skurrilitäten, auch vor Reimen schrecken manche User nicht zurück: "du bist dort gestanden, hast geraucht und bist gegangen, vor der hauptuni bin ich gekommen vor lauter verlangen, war von deinen blicken gefangen, aber auch von deinen beinen, so schlank wie schneestangen, die lippen schwarz wie ebenholz, möchte sie küssen zu kuschelrock von rosenstolz, spotted, du bist mein neues ventil, ich verlange nicht viel, ich will nur diesen post, dass sie es liest ist mein ziel." Süß. Bleibt zu hoffen, dass der Märchenfan nicht Germanistik studiert.

Natürlich treiben längst auch Trolle ihr Unwesen und posten absurde Personenbeschreibungen, die arme Erstsemestrige in die Irre führen. Schön, dass neben Spotted auch noch im richtigen Leben geflirtet wird: Zum Beispiel in der nagelneuen Bibliothek in der Währinger Straße, die sich die Institute für Informatik und Publizistik teilen. Der helle, gut überblickbare Raum mit den langen Arbeitstischen ist eine geradezu ideale Location für "Boy meets girl". Nur trauen muss man sich halt. (Tanja Paar, derStandard.at, 17.1.2013)

Tanja Paar, geb. 1970, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz, Wien und Lausanne. Nach journalistischen Aufenthalten bei "Falter", "Trend" und "Profil" ist sie seit zehn Jahren Redakteurin des STANDARD. Nun macht sie ein Jahr lang Bildungskarenz und kehrt an die Uni zurück. Sie studiert Informatik an der Universität Wien.

  • Lustig sind nicht nur die Suchanfragen, sondern auch die Kommentare der anderen.
    foto: screenshot

    Lustig sind nicht nur die Suchanfragen, sondern auch die Kommentare der anderen.

  • Tanja Paar ist nach 20 Jahren an die Uni zurückgekehrt.
    foto: tanja paar

    Tanja Paar ist nach 20 Jahren an die Uni zurückgekehrt.

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