Genetische Mäusebaupläne gefunden

  • Der Plan für das komplexe Tunnelsystem dieser Maus steckt in ihrer DNA.
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    foto: vera domingues/hopi hoekstra, harvard university

    Der Plan für das komplexe Tunnelsystem dieser Maus steckt in ihrer DNA.

Wenige DNA-Regionen steuern, wie Küstenmäuse ein komplexes Tunnelsystem anlegen

London/Wien - Die im Südosten der USA vorkommenden Küstenmäuse leben, wie der Name schon sagt, bevorzugt in Küstengegenden. Dort graben die etwa acht Zentimeter langen Nager ihr komplexes Tunnelsystem in den sandigen Boden, das zum einen aus einer Nestkammer, zum anderen aus einer langen Eingangsröhre und einem Notausgang besteht.

Zu den Feinden der nachtaktiven Küstenmäuse zählen nämlich Schlangen. Und um bei ihren Attacken eine Fluchtalternative zu haben, hat sich das Graben eines langen Eingangstunnels sowie einer Fluchtalternative als Überlebensvorteil erwiesen.

Dieses nicht ganz triviale Grabverhalten ist den Mäusen angeboren und nicht von den Eltern erlernt, wie Experimente gezeigt haben. Deshalb ist klar, dass die genetischen Baupläne für die Errichtung der unterirdischen Gänge irgendwo in der DNA abgespeichert sein müssen. Doch kann man die Pläne in den Genen finden? Und wenn ja, wie komplex sind sie?

Um diese Fragen zu klären, haben Harvard-Biologen um Hopi Hoekstra im Labor einige Versuche und Vergleichsstudien mit Hirschmäusen durchgeführt. Das sind enge Verwandte der Küstenmäuse, die sowohl in freier Wildbahn wie auch im Labor nur einen kurzen Gang mit einer Nestkammer anlegen.

Für ihre im Fachblatt "Nature" veröffentlichte Studie kreuzten die Forscher Küsten- und Hirschmäuse, um zu sehen, welche genetischen Mäusebaupläne sich durchsetzen. Es waren die der Küstenmaus, die evolutionär jünger und genetisch dominanter sind.

Durch Rückkreuzungen sowie vergleichende Genomanalysen stießen die Wissenschafter dann auf jene Gen-Regionen, die für das Anlegen der spezifischen Gänge zuständig sind: Für die lange Eingangsröhre braucht es zumindest drei unabhängige Gen-Abschnitte, während das Graben eines Fluchtwegs nur von einer einzigen Region der Erbsubstanz gesteuert wird. (tasch, DER STANDARD, 17.1.2013)

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