Frankreich setzt in Mali Bodentruppen ein

17. Jänner 2013, 07:49
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Nach tagelangen Luftangriffen haben sich französische Soldaten in der malischen Stadt Diabaly am Mittwoch Gefechte mit Islamisten geliefert

Bamako/Paris - Frankreich setzt im Kampf gegen die Islamisten in Mali nun auch auf Bodentruppen. In der Stadt Diabaly, circa 350 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako, kämpften französische Spezialeinheiten nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Mittwoch zusammen mit Soldaten der malischen Armee gegen die extremistischen Rebellen. Diese hatten die Stadt am Montag unter ihre Kontrolle gebracht. Der Kampf in Diabaly sei ein Kampf "Mann gegen Mann", hieß es.

Die französische Armee war am Dienstag zahlreiche Luftangriffe auf Diabaly geflogen, jedoch ohne die Islamisten vollständig vertreiben zu können. Mauretanien hatte aus Angst vor vordringenden Rebellen die Grenzkontrollen zu Mali verstärkt, Algerien die Grenze vollständig geschlossen.

"Bisher haben wir sichergestellt, einige Kräfte in Bamako zu haben, um unsere Landsleute zu schützen", erklärte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Paris. "Jetzt sind französische Bodentruppen auf dem Weg in Richtung Norden."

Der französische Militäreinsatz sei vor allem im Osten der Konfliktzone erfolgreich, sagte Le Drian. Im Westen gestalte sich die Lage schwieriger, da sich dort die "fanatischsten", "am besten organisierten" und "am stärksten bewaffneten" Gruppen befänden. Es werde ein "langer Kampf", an dessen Ende das Ziel stehe, dass Mali seine Souveränität über das gesamte Staatsgebiet zurückerlange.

Le Drian musste auch eingestehen, dass Konna, wo die französische Militärintervention am 10. Jänner begonnen hatte, nachdem Rebellen die Stadt erobert hatten, weiterhin unter Kontrolle der Islamisten steht. Erfolgreich sind die malisch-französischen Truppen hingegen im Nordosten, wo die Rebellen aus den vormals von ihnen kontrollierten, strategisch wichtigen Städten Gao, Kidal und Timbuktu zurückgedrängt werden konnten. Beobachter werten dies als "strategischen Rückzug".

Beschluss über EU-Mission

Die EU-Außenminister wollen am morgigen Donnerstag in Brüssel die EU-Ausbildungsmission für die malischen Streitkräfte beschließen. Berlin gab bekannt, zwei Transportflugzeuge für die Überstellung von Truppen der Regionalorganisation Ecowas zur Verfügung stellen zu wollen.

Bei einer Neujahrsfeier im Pariser Elysée erklärte der französische Präsident François Hollande, sein Land wisse sich durch die Nachbarn Malis und den afrikanischen Kontinent unterstützt. Am Rande des Empfangs wollte er keine Kritik daran äußern, dass sich andere EU-Länder nicht am Einsatz beteiligen. Dem Standard sagte er, er erwarte von den Partnern vor allem logistische Hilfe, um die Ecowas-Soldaten zu transportieren. Bodentruppen habe er hingegen "genug".

Offenbar in Reaktion auf das französische Vorgehen in Mali griffen radikale Islamisten, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehen, im Osten Algeriens am Mittwoch ein Gasfeld (derStandard.at berichtet) an. (Reuters, AFP, AP, dpa, red, brä/DER STANDARD Printausgabe, 17.1.2013)

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  • Ein Malier grüßt französische Truppen in der Hauptstadt Bamako. Spezialeinheiten lieferten sich erste Gefechte mit Islamisten.
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    Ein Malier grüßt französische Truppen in der Hauptstadt Bamako. Spezialeinheiten lieferten sich erste Gefechte mit Islamisten.

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