Rössler: "Bewertungsspielraum ist äußerst breit"

Interview | Thomas Neuhold, 16. Jänner 2013, 19:02
  • Astrid Rössler: "Grüne von jeher gegen Spekulationen".
    foto: standard/wild

    Astrid Rössler: "Grüne von jeher gegen Spekulationen".

Astrid Rössler, Landessprecherin der Salzburger Grünen, hält auch nach dem Finanzbericht sowohl Gewinne als auch Verluste aus den Risikogeschäften für möglich. Sie will den U-Ausschuss zum Finanzchaos leiten, sagt sie zu Thomas Neuhold.

STANDARD: Finanzreferent David Brenner präsentierte ein kleines Plus. Ist der Skandal abgesagt?

Astrid Rössler: Der Skandal hängt ja nicht daran, ob das Land durch seine dubiose Finanzgebarung ins Plus oder Minus schlittert. Der Skandal besteht darin, dass mit Steuergeld hochriskante Geschäfte betrieben wurden und das unter Missachtung einfachster Kontrollmechanismen.

STANDARD: Erste Konsequenzen aus dem Bericht?

Rössler: Der Untersuchungsausschuss muss rasch seine Arbeit aufnehmen. Ich erwarte hier vor allem Aufklärungsarbeit zur Rolle der gesamten Regierung. Beide Regierungsparteien haben jahrelang diese Geschäfte bejubelt, solange von Gewinnen die Rede war. So einfach kann sich die ÖVP jetzt nicht absetzen. Parallel zum U-Ausschuss müssen endlich wirksame Kontrollinstrumente eingeführt werden.

STANDARD: Werden Sie den Ausschussvorsitz beanspruchen?

Rössler: Natürlich. Wir haben auf Bundesebene beim Korruptionsausschuss und hier in Salzburg bewiesen, dass wir das Aufklärungsgeschäft sehr gut beherrschen. In der konkreten Causa waren die Grünen die einzigen, die schon vor Jahren begonnen haben, die schwindligen Geschäfte der Landesregierung kritisch zu durchleuchten. Wir haben als einzige Fraktion ausnahmslos die Budgetgesetze mit der "Spekulationsermächtigung" abgelehnt.

STANDARD: Halten Sie es für möglich, dass der Bericht geschönt ist?

Rössler: Wir haben uns von Anfang an dagegen ausgesprochen, dass die Aufklärungsarbeit vom Ressortchef durchgeführt wird. Hier besteht ein massiver Interessenskonflikt. Wenn es zu einem komplexen Geschäft zwei verschiedene Bewertungen gibt, liegt es auf der Hand, dass sich der Ressortchef auf die für ihn positivere Bewertung berufen wird. Und so wie die höchst fantasievollen und hochriskanten Swap- und Derivatgeschäfte des Landes aussehen, ist der Bewertungsspielraum ein äußerst breiter. Zwischen netten Gewinnen und Batzenverlusten ist da alles drin.

STANDARD: Die Aufklärung des Finanzskandals fällt in den Wahlkampf. Wird da die Aufklärung nicht vom Wahlkampfgetöse überdeckt werden?

Rössler: In einer derart brisanten Causa hätten wir es auch ohne Wahlkampf mit dem üblichen Arsenal an Schuldzuweisungen und Nebelgranaten zu tun. Es wird sich in den öffentlichen Sitzungen des Untersuchungsausschuss zeigen, wer seriös arbeitet und wem es um inquisitorische Stimmungsmache oder Vertuschung geht.

STANDARD: Auffallend ist in Salzburg das permanente Kontrollversagen: Olympia, Osterfestspiele, Finanzen. Woran liegt das?

Rössler: Wir haben es mit einem festgefahrenen System zu tun. SPÖ und ÖVP missbrauchen die Verwaltung des Landes durch gezielte rot-schwarze Postenbesetzungen. Das Ergebnis sind Loyalitäten gegenüber der Partei, aber nicht gegenüber dem Land.

STANDARD: Apropos Rot-Schwarz. SPÖ und ÖVP stehen sich derzeit voller Hass gegenüber. Ist die Fortsetzung dieser Koalition möglich?

Rössler: Die Abneigung geht inzwischen stark ins Persönliche. Es wäre ein Treppenwitz in der politischen Geschichte, wenn nach der Wahl im Mai alles beim Alten bliebe. Auch wenn der Finanzskandal jetzt vieles überlagert. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass SPÖ und ÖVP nichts mehr weiterbringen. Sie haben beispielsweise zwei Jahre für eine Novelle der baupolizeilichen Genehmigung von Fotovoltaik-Anlagen gebraucht. Das ist lächerlich. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 17.1.2013)

ASTRID RÖSSLER, Landessprecherin der Salzburger Grünen, hält auch nach dem Finanzbericht sowohl Gewinne als auch Verluste aus den Risikogeschäften für möglich. Sie will den U-Ausschuss zum Finanzchaos leiten, sagt sie zu Thomas Neuhold.

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so gewinnt man die naechste wahl

... man verspricht einen heftigen steuernachlass da ja offensichtlich genug geld bereits aufgetischt ist; oder koennte man sonst so einfach und unkontrolliert dauernd ins casino gehen?

Jährliche Zinszahlung an die ÖBFA

Die Salzburger sind verpflichtet an die ÖBFA ca. 4,5 % Zinsen p. a. für die 1,9 Mrd. zu zahlen.
Das sind 85,5 Millionen p.a.
Wenn die Kredite der ÖBFA vorzeitig getilgt werden, ist mit einer Abzinsung von ca. 400 Millionen zu rechnen.
So die gestrigen Aussagen im Sbg. Landtag - also wurde uns nur Sand in die Augen gestreut.

Ja, bei Börsenwerten gibt's Spielraum

Und morgen wird's noch mehr Spielraum sein. Und übermorgen wird keiner mehr wissen, was Salzburgs Anlagen gerade wert sind.

sind grüne auch in skandale verwickelt??

nein, aber die gibts ja auch erst seit dreissig jahren....

Was qualifiziert Frau Rössler diesen Ausschuss zu leiten? Die Fachkenntnis ist es offensichtlich nicht, wie man aus dem Werdegang schließen kann.

fachkenntnisse wie haslauer, paulus

brenner, die gabi oder gar die rechten dummbeutel von der fpö?

Fachkenntnisse werden nur von den anderen Parteien verlangt!

Ach, jetzt reden auch Parteien mit, die an diesem Nachmittag noch weniger verstanden haben als der Haslauer????

Und das will was heißen .....

eigentlich gibt es bei der Bewertung nicht viel spielraum.

allerdings ist eine bewertung immer nur eine momentaufnahme ... vorallem bei Knock-in bzw knock-out produkten gehts halt recht schnell ....

"eigentlich gibt es bei der Bewertung nicht viel spielraum."

Nachdem der wesentliche Einflussfaktor auf die Bewertung die Risikoeinschätzung ist, ist wohl einiges an Spielraum.

Wenn klar wäre was am Ende raus kommt, wär's ja auch kein potenziell ertragreiches investment mehr.

nein, für die bewertung nimmst du nur die wiederbeschaffungswerte, also zumindest nach der gängigen Mark to Market Bewertung.

Was anders ist, wenn du das Risiko eines Portfolios beurteilst, da stehen Risikomodell dahinter (siehe VaR)

Das Problem - was ist denn der Wiederbeschaffungswert bei einem abgeleiteten Finanzinvestment das nicht gehandelt wird? - Dann müssen's eben bewerten. Und genau das machen's ja.

Mit Sachgütern kann man das nicht vergleichen, die Tendieren dazu abgeschrieben zu werden und immer weniger Wert zu werden, Eher mit Immobilien oder Unternehmenensbeteiligungen.

Und wie bewerten's eine Immobilie oder eine Beteiligung? - Sobald der Ertragswert ins Spiel kommt, sind's bei den zukünftigen Zahlungsflüssen: Beim Bausparer können's noch sagen der hat heute einen Barwert von 100, weil ich in 2 Jahren sicher 105 raus bekomme. Und beim Derivat werden's eben nicht "sicher" sagen können was raus kommt, deswegen geht da die Risikoeinschätzung stark ein.

Also plan vanilla irs und ccs, cap/floor/collar lassen sich recht einfach bewerten, wie sollte eine bank denn sonst ein geschaeft preisen oder eine early termination fee berechnen. Die geschaefte werden ja bald standard maessig via ccp gecleared.

Wie das mit knock in/out oder range accrual swaps aussieht weiss ich nicht, aber auch diese geschaefte werden weltweit 1000 fach gehandelt und jede bank muss sowas preisen koennen.

Die sache ist wohl die, dass die meisten kommunen kein front arena , kondor+ oder aehnliches nebst aktuellen marktaten haben, um die bewertung taeglich durchzufuehren.

Naja - das maximale Risiko eines Portfolios ist ja nicht die Summe der maximalen EInzelrisiken.

Und bei einem mit Unsicherheit behafteten Investment werden's wohl nicht autromatisch die Bewertung der Bank oder den Kaufpreis ansetzen.

Und wenn's Mrd verwalten sollten's auch selbst bewerten und das nicht der Bank überlassen.

Der Tageswert ist ja auch uninteressant beispielsweise bei der Frage: WIeviel ist ein Geschäft heute wert, bei dem SIe verenbart haben am 1.3. 2014 um 10 Mio EUR 4 Mio türkische Lira zu kaufen.

Wie würden denn SIE den Wert ermitteln?

Wir sollten aber bewertung (ich loese heute auf) und zukuenftiges Risiko schon unterscheiden.

Hier geht es um die bewertung und nicht um das zukuenftige risiko.

Wie Sie aus der Unternehmensbewertung sicher wissen ist der gemeine Wert nicht der Liquidatioswert.
Bei Finanzgeschäften ist das nicht anders.

soweit ich weiss müssen Finanzgeschäfte nach IFRS mark to market bewertet werden.

Der reale Wert eines Finanzgeschäftes kann natürlich höher sein, wobei gerade bei einem Zinsswap wüsste ich nicht, wie der Wert von der Marktbewertung abweichen sollte.

Umso exotischer die Produkte, desto grösser der Spielraum. Zur Bewertung braucht man mitunter Parameter, für die es keinen Markt gibt.
Wo nimmt man beispielsweise die implizite Korrelation zwischen EUR/BRL-Devisenkurs und EUR/ISK-Devisenkurs für 10 Jahre her?

wie gesagt ich bin kein Accounting experte. Kann schon sein, dass es hier noch schwächen gibt.

Normaler gilt aber im Zweifelsfall das Niederstwertprinzip, ob und wie man das aber auf ein Zinsderivat anwenden kann .... keine ahnung.

Dann sollte die Bewertung allerdings der aktuell erzielbare Preis am Markt sein

Das hat in vielen Fällen bei dieser Art von Geschäften wenig Sinn.

ja sehe ich auch so, man sollte eigentlich immer mit den Wiederbeschaffungswerten bewerten (Mark 2 Market)

das einzige Problem könnte sein, dass die Position ev schon so aus dem Ruder ist, dass der Markt dafür nicht mehr liquide genug ist, man die position quasi nicht mehr glattstellen kann bzw man den wiederbeschaffungswert schätzen muss. Ich bin allerdings kein Accounting experte was zinsderivate anbelangt (sonst auch nicht).

Danke, Frau Rössler! Und viel Glück!

Ich hoffe, die Grünen werden auch bei der Wahl belohnt. Wenn ich ans Burgenland nach dem Bank-Burgenland-Desaster denke, schwant mir allerdings Schlimmes.

Die Wähler sind was Korruption und Misswirtschaft mittlerweile doch einges sensibler.

Allerdings werden sicher viele davon einfach dumpf Protest wählen, anstatt sich für eine seriöse Alternative entscheiden - oder einfach gar nicht mehr wählen.

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