Himmel über Petömihályfa

16. Jänner 2013, 18:15
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In den Krinzinger Projekten sind Arbeiten jener Künstlerinnen und Künstler zu sehen, die 2011 und 2012 am Artist-in-Residence-Programm der Galerie in Ungarn teilnahmen

Wien - Die ungarische Künstlerresidenz von Ursula Krinzinger ist abgeschieden - aber idyllisch. Inmitten einer beschaulichen Landschaft stehen drei Gebäude, die als Wohn- und Arbeitsraum dienen. Das nächste Dorf ist zu Fuß kaum zu erreichen, und so haben viele Künstler Material und Konzept für ihre Arbeit gleich mitgebracht.

Im Fall von István Csákány war es das Interesse für den Arbeitsbegriff im nachsozialistischen Ungarn: Während seiner Residency 2011 fertigte er das detailgetreue Modell einer Nähstube, die auch auf der Documenta 13 zu sehen war.

Zobernig-Schülerin Steffi Alte reiste mit Schaumstoff und Plexiglas an: Im Rahmen eines Wettbewerbs hat sie kleine, funktionale Pavillons konstruiert, von denen nun auch einer realisiert wird.

Das Architekturmodell, das Bernd Oppl für sein Video Sick Building nachgebaut hat, ist hingegen das glatte Gegenteil von Altes luftig-leichten Modellen. In seiner Beengtheit vermittelt der nüchterne Gang eher die Atmosphäre von Kubricks Horrorklassiker Shining, wenn überdies noch, der Schwerkraft zum Trotz, eine zähe Substanz über Boden, Wände und Decke fließt.

Wendelin Pressl gehört zu jenen Künstlern, die sich vor Ort inspirieren ließen: Davon ausgehend, dass in Petömihályfa nur der Himmel derselbe ist, hat er versucht, die Sterne zu kartografieren. Den Großen Wagen sucht man auf seinen Zeichnungen zwar vergeblich, dennoch sind diese Bilder ähnlich sehnsuchtsbeladen wie die Getränkedosen, die er bei seinen Erkundungen fand: Als Reste einer offenbar schmerzlich vermissten Zivilisation hat er die Fundstücke versilbert und auf einen Sockel gestellt.

Während Pressl damit doch eher ironisch auf die Abgeschiedenheit reagiert, haben sich Markus Hanakam und Roswitha Schuller durchaus ernsthaft mit dem dortigen Landstrich befasst: In ihrem Video zitiert ein Voiceover einen landschaftstheoretischen Text von John Ruskin, während auf der Bildebene das Allzuliebliche mit Objekten und Luftballons torpediert wird.

Zum Kulturaustausch hat in Petömihályfa nur Kamen Stoyanov angeregt: Wie er den lokalen Airbrush-Künstler davon überzeugte, das Sujet eines bulgarischen Joghurts namens "Cultura" auf seine Kühlerhaube zu sprühen, wird in der Ausstellung allerdings nicht dokumentiert.    (Christa Benzer, DER STANDARD, 17.1.2013)

  • Verschnupft und von beklemmender Wirkung: Bernd Oppls Video "Sick Building" (2012).
    foto: krinzinger projekte

    Verschnupft und von beklemmender Wirkung: Bernd Oppls Video "Sick Building" (2012).

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