"Star Wars: The Old Republic": Planet für Homosexuelle sorgt für Kontroverse

16. Jänner 2013, 16:53
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Entwickler BioWare gerät für Integration gleichgeschlechtlicher Beziehungen von mehreren Seiten unter Beschuss

Man kennt es bereits von "Dragon Age" und "Mass Effect". Die Spieleentwickler von BioWare geben sich seit je her progressiv und ermöglichen dem Spieler in den beiden Spielereihen gleichgeschlechtliche Beziehungen und Affären mit computergesteuerten Charakteren.

Kehrtwende

Nicht der Fall war das aber beim Online-Rollenspiel "Star Wars: The Old Republic" ("SWTOR"). Bei dessen Launch sah man von dieser Möglichkeit ab, was die Fangemeinde des Entwicklerstudios einigermaßen in Aufruhr versetzte. Nicht auszuschließen ist, dass man befürchtet hatte, mit der Integration von Homosexualität möglicherweise zahlreiche potenzielle Abonnenten des Weltraumabenteuers abzuschrecken.

Nun gibt man dem Druck aus der Spielergemeinde, die diese Forderung bereits in der Betaphase des Spiels aufgebracht hatte, nach - und gerät dafür von mehreren Seiten unter Beschuss. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in der "Alten Repbulik" zwar künftig möglich, jedoch nur unter reglementierten Bedingungen.

Ein Planet für Schwule und Lesben

Flirtgesten gegenüber Avataren des gleichen Geschlechts und darüber hinausgehende Möglichkeiten stehen Spielern nur auf einem eigenen, entfernten Planeten, Makeb, zur Verfügung. Statt eigene Begleiter dafür zu entwickeln - wie es sie auch für heterosexuelle Teilnehmer gibt - oder Spielern die Möglichkeit zu geben, die Neigung ihrer bestehenden Companions zu ändern, finden sich verstreut auf dem Planeten einige NPCs, die auf gleichgeschlechtliche Avancen reagieren. BioWare hat immerhin eine "weitere Integration" angekündigt, ohne jedoch Features oder einen Zeitplan zu nennen.

Diese Vorgangsweise wirft mehrere Probleme auf. "Star Wars: The Old Republic" kann grundsätzlich kostenlos gespielt werden. Jedoch ist der Zutritt zu Makeb ausschließlich Charakteren hohen Levels vorbehalten und verlangt nach dem Kauf des Add-ons "Rise of the Hutt Cartel", was dem Zusatzpaket den ironischen Beinamen "Pay2Gay" beschert hat.

Familienunterhaltung versus Ausgrenzung

Bald nach der Ankündigung deckten außerdem Spieler mit reaktionärer Weltanschauung BioWare mit Beschwerden ein, beschworen das MMO als schützenswerte Familienunterhaltung und drohten mit Abgang. Schwulen, lesbischen und generell aufgeschlosseneren Mitgliedern des virtuellen Universums geht die Umsetzung hingegen nicht weit genug. Dort sieht man sich ob der "Verbannung" auf einen einzelnen, entlegenen Planeten ausgegrenzt. Es brodelt in der Community.

"Selbst in die Ecke gedrängt"

Kritik hagelt es entsprechend auch in Foren und Blogs. So etwa bei pcgamesn.com: "BioWare hat sich selbst in die Ecke gedrängt, in dem sie vergessen haben, dass es homosexuelle Menschen gibt, dass diese spielen und sich dabei nicht von anderen Menschen unterscheiden. Man hätten besser vom Start weg lesbische und schwule Charaktere einfügen sollen und sich eine riesige Menge Ärger gespart, als vorsintflutlich ein paar 'Homosexuelle für den Notfall' auf einem entfernten Planeten landen zu lassen." (Georg Pichler, derStandard.at, 16.1.2013)

  • Der Planet Makeb ist Teil des Add-ons "Rise of the Hutt Cartel".
    foto: bioware

    Der Planet Makeb ist Teil des Add-ons "Rise of the Hutt Cartel".

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