"Origo" mischt Sprachtheorie und Kunstdiskurs

16. Jänner 2013, 15:30
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Ausstellung "Am Nullpunkt des Standpunkts" mit 18 Arbeiten von acht Künstlern - "Ich, Jetzt und Hier" wird in den Vordergrund gerückt

Wien - "Ich, Jetzt und Hier": Ausgehend von Karl Bühlers Sprachtheorie aus den 1930er-Jahren beschäftigt sich die Schau "Origo (Am Nullpunkt des Standpunkts)" in der Kunsthalle Exnergasse in Wien mit diesen drei Begriffen und überträgt sie auf die bildende Kunst ebenso wie die Modalitäten des Ausstellungsbetriebs. "Diese Wörter werden im Alltag oft sehr unbedacht verwendet. Wir wollen sie hier in den Vordergrund rücken", so Kurator Franz Thalmair bei einer Presseführung am Mittwoch. Die 18 Arbeiten von acht Künstlern umfassende Schau wird heute Abend eröffnet.

Den sprachtheoretischen Begriffen Bühlers ordnete Thalmair gemeinsam mit Ko-Kuratorin Birgit Rinagl die künstlerischen Konzepte von Subjekt, Werk und Raum zu, woraus sich drei lose Kapitel ergeben. Entstehung, Rezeption und räumliche Ausbreitung eines Werks werden damit ebenso thematisiert wie auch ein sozialer Zusammenhang hinterfragt wird. Konfrontiert wird der Besucher damit schon beim Eintreten in die weitläufige Halle, deren Eingang durch zwei Black Boxen von Michael Kargl verstellt wird. "Man wird gezwungen, herum zu gehen, sich damit auseinanderzusetzen", so Rinagl.

"Alltägliche Prozesse des Körpers"

Im Raum selbst sticht vor allem Stefan Riebels "Mein Atem" ins Auge: Der Berliner Künstler wird in den ersten Tagen der Ausstellung selbst inmitten Tausender Luftballons sitzen, die er nach und nach aufbläst. Ihm geht es um "alltägliche Prozesse des Körpers", wobei "ich durch das Luftholen, Ausatmen, Eintüten und Verschließen meinen Atemzug vom Rest der Welt trenne", wie er erklärte. Letztendlich werden es rund 4.000 graue Luftballons sein, die sich im Zentrum des Raumes ausbreiten.

Die Verbindung von Subjekt, Ort und Zeit veranschaulicht wiederum Jennifer Grimyser mittels eines einfachen Satzes: "it took me 61.7 hours to come up with this" steht in schlichter Schrift auf einem weißen Blatt Papier. Auch Ignacio Uriarte setzt auf dasselbe Medium, das er etwa im Video "A Stack" für einen im Zeitraffer stetig wachsenden und schrumpfenden Stapel nutzt.

In einer auch tatsächlich begehbaren Black Box zeigt Anita Witek wiederum 160 Dias im Dauerloop, der aus Modezeitschriften ausgeschnittene Hintergründe zu immer neuen Formen und Strukturen transformiert. Wie auch bei weiteren Arbeiten von Elisabeth Grübl, Manfred Grübl und Arnold Reinthaler wird der Betrachter hier mit dem situativen Kontext des Werks konfrontiert. Zur bis 1. März laufenden Schau wird auch ein Katalog erscheinen, der am 27. Februar präsentiert wird. (APA, 16.1.2013)

Kunsthalle Exnergasse
Währinger Straße 59
1090 Wien

17. Jänner bis 1. März 2013
Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr

  • double element/single element (2013) von Michael Kargl.
    foto: kunsthalle exnergasse

    double element/single element (2013) von Michael Kargl.

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