Neue "Sofie" mit weniger Wohnungen als geplant

16. Jänner 2013, 11:27
32 Postings

Die Sanierung der einstigen Brandruine wird im Sommer fertig, der 46 Millionen Euro teure Umbau soll dann Kunst, Wohnungen und eine Uni-Einrichtung beherbergen

Ursprünglich wurde die Fertigstellung der neuen Wiener Sofiensäle für Anfang dieses Jahres angekündigt. Weil man sich beim Aushub der Baugrube aber mit einer benachbarten Baustelle koordinierte, um die Anrainer zu schonen, gab es eine leichte Verzögerung. Nun wird die Revitalisierung im heurigen Sommer beendet werden, versicherte eine Sprecherin der Soravia Group: "Seit Baubeginn sind wir mit den Arbeiten im Plan." Die offizielle Eröffnungsfeier soll im September über die Bühne gehen.

Großbrand 2001

Im Jahr 1838 war an der Stelle der späteren Sofiensäle in der Marxergasse ein russisches Dampfbad eröffnet worden. Ein Jahrzehnt später wurde dieses nach Plänen der Architekten Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg zum Sophienbad umgestaltet. Es wurde im Sommer als Schwimmhalle, im Winter als Veranstaltungssaal genutzt.

Ab Mitte der 1990er-Jahre standen die Sofiensäle abgesehen von regelmäßigen Studentenpartys großteils ungenutzt leer. Am 16. August 2001 wurden sie bei einem Großbrand, der von Flämmarbeiten auf dem Dach ausgelöst wurde, fast völlig zerstört.

Nach langem Hin und Her, ob und wie die prunkvollen Sofiensäle revitalisiert werden könnten, übernahm im Jahr 2010 ein Tochterunternehmen der Soravia-Gruppe, die Linzer IFA AG, den abgebrannten Gründerzeitbau und gab wenig später Pläne zur Neubespielung bekannt. Um 46 Millionen Euro werden die denkmalgeschützten Räumlichkeiten saniert und mit modernen Architekturelementen ergänzt. Die Kulturabteilung der Stadt Wien schoss zwei Millionen Euro zu.

Detailgetreue Wiederherstellung

Altes wie neues Herzstück ist der historische Festsaal, der künftig als Ausstellungshalle fungiert. Darum gruppieren sich Wohnungen, Geschäftslokale und eine Uni-Einrichtung.

Der Rohbau steht bereits, derzeit werde am Innenausbau, an der Fassade, am Dach sowie an der Haustechnik gearbeitet, so die Sprecherin. Nicht nur der Festsaal, auch die Fassade, der Eingangsbereich und das Stiegenhaus werden detailgetreu wiederhergestellt.

70.000 Lagen Blattgold

Die Restaurierung des Festsaals nimmt u.a. 70.000 Lagen Blattgold in Anspruch, 2.500 Bauteile für Säulen und Stuckelemente nach alten Plänen sind vorgesehen. Zudem wird er mit einer Glas-Stahlkonstruktion überdacht und zur öffentlich zugänglichen Ausstellungshalle umfunktioniert.

Der Schwerpunkt liegt auf bildender Kunst, die in den zu Ateliers umgestalteten Logen entstehen soll. In den Trakt ziehen zudem zwei Gastrobetriebe und eine Galerie. Unter das Gebäude kommt eine Tiefgarage mit 132 Stellplätzen. Clubbings und Konzerte wie einst werden - auf Wunsch des Bezirks - nicht mehr stattfinden.

Nur 78 statt 88 Wohnungen

Ansonsten dient das Areal vor allem als Wohnraum. In einem modernen Zubau werden 78 Wohnungen einziehen, ein Teil davon vergibt das Wohnservice Wien. Ursprünglich waren 88 Apartments geplant, doch zehn mussten der Festsaal-Überdachung weichen.

Der Komplex wird zudem als Standort für ein Fitnesscenter und eine universitäre Einrichtung dienen. Um welche Uni es sich dabei handelt, verraten die Verantwortlichen noch nicht, da man sich noch in Verhandlungen befinde, so die Sprecherin. (APA/red, 16.1.2013)

  • Wiederbelebung einer schon totgeglaubten Wiener Institution. Derzeit sehen die "Sofiensäle" ...
    foto: soravia/gilbert novy

    Wiederbelebung einer schon totgeglaubten Wiener Institution. Derzeit sehen die "Sofiensäle" ...

  • ... in der Wiener Marxergasse noch so aus.
    foto: soravia/gilbert novy

    ... in der Wiener Marxergasse noch so aus.

  • Schon in einem halben Jahr soll das, was von dem alten Gemäuer übrig blieb, so erstrahlen wie auf diesem Computer-Rendering.
    rendering: soravia group

    Schon in einem halben Jahr soll das, was von dem alten Gemäuer übrig blieb, so erstrahlen wie auf diesem Computer-Rendering.

Share if you care.