WU fordert "dramatische Entscheidung" bei Masterstudien

16. Jänner 2013, 09:54

Rektro Badelt: Entweder Zugangsbeschränkungen für deutschsprachige Angebote oder zusätzliche Kapazitäten

Die Wirtschaftsuniversität (WU) steckt in einem "Dilemma", wie es in der neuen Leistungsvereinbarung mit dem Wissenschaftsministerium heißt. Zwischen 2013 und 2015 laufen die Masterstudien voll an, wegen der zu erwarteten Engpässe müsse daher "eine dramatische Entscheidung bei den Masterstudien getroffen werden". Rektor Christoph Badelt fordert entweder flächendeckende Zugangsregeln, "oder es muss zu einer signifikanten Ausweitung der Kapazitäten durch Zuweisung weiterer Ressourcen kommen".

Badelt verweist auf eine analoge Entscheidung der Schlichtungskommission zu den Bachelorstudien nach einer Klage durch die WU: Nachdem das VP-geführte Wissenschaftsministerium weder die versprochenen Zugangsbeschränkungen beim Koalitionspartner SPÖ durchbrachte noch der WU mehr Budget zur Verfügung gestellt hatte, musste es der Uni Ende 2011 zusätzliche sechs Mio. Euro überweisen. In der Begründung der Kommission hatte es geheißen, der Bund dürfe den Unis "nur insoweit Aufgaben übertragen, als er ihnen auch die - finanziellen oder anderen - Mittel eröffnet, um die Aufgaben zu erfüllen".

Leistungsvereinbarungen

Diesmal hat das Ministerium sich auf keine Festlegung der finanzierbaren Studienplätze eingelassen. Badelt verweist stattdessen in den Leistungsvereinbarungen darauf, dass es noch immer Anträge seiner Uni auf Beschränkungen für Bachelor- und deutschsprachige Masterstudien nach dem Notfallparagrafen 124b (für von deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen überlaufene Massenfächer) gibt. Gleichzeitig tritt er für einen Ausbau der Ressourcen für deutschsprachige Masterprogramme ein, denn: "Die Abweisung einer immer größer werdenden Zahl von fachlich geeigneten Studienbewerber/ionne/n erscheint der WU unter den derzeitigen bildungspolitischen Rahmenbedingungen inakzeptabel."

Zugangsbeschränkungen

Derzeit gibt es nur für die sieben englischsprachigen Masterstudien die Möglichkeit, den Zugang zu beschränken. Die acht deutschsprachigen Master stehen hingegen theoretisch jedem Bachelorabsolventen offen, der den formalen Kriterien genügt - laut Badelt gibt es zehnmal so viele Interessenten wie Plätze. Die Folge: Ohne Zugangsbeschränkungen werde es weiterhin "insbesondere am Beginn des Studiums, zu einer bildungspolitisch unerwünscht hohen Drop-Out Rate kommen".

Badelt sieht drei Varianten

Für eine künftige Regelung bei den deutschsprachigen Masterstudien stehen laut Badelt drei Varianten zur Auswahl. Variante 1: Es werden Plätze für alle rund 1.660 Bewerber und dafür zusätzliche 16,5 voll ausgestattete Professuren zur Verfügung gestellt. Variante 2: Durch Zugangsregeln werden wie bisher rund 890 Anfänger aufgenommen, allerdings ebenso viele Bewerber abgewiesen. Variante 3: Es werden Zugangsregeln beschlossen, gleichzeitig aber 330 zusätzliche Masterplätze pro Jahr ( sowie sieben dafür nötige Professuren) geschaffen.

Das Ziel der WU: Künftig soll wenigstens die Hälfte derer, die ihren Bachelor an der WU absolvieren, dort auch einen Masterplatz erhalten. In den Jahren 2013 bis 2015 soll mit einem schrittweisen Ausbau in den am stärksten nachgefragten Programmen (Finanzwirtschaft und Rechnungswesen, Management und Wirtschaftsrecht) begonnen werden.

Der von der Regierung geplante Probelauf für eine Studienplatzfinanzierung soll nur für Bachelorstudien gelten. Außerdem sind davon nicht alle Fächer an der WU umfasst.

Ministerium: Überdurchschnittliche Steigerung für WU

Weniger dramatisch als Rektor  Badelt sieht man die Lage der WU im Wissenschaftsministerium: Das WU-Budget für die Jahre 2013-2015 sei im Vergleich zur vorigen Leistungsvereinbarungsperiode (2010-2012) "überdurchschnittlich" gestiegen, hieß es in einer Stellungnahme. Mit der Uni habe man einen "schrittweisen Ausbau der Kapazitäten in den Masterstudien" vereinbart.

Der mit Herbst beginnende Testlauf zur Studienplatzfinanzierung solle eine erste Verbesserung der Betreuungsverhältnisse bringen: Dabei würden Kapazitäten festgelegt, die Möglichkeit der Zugangsbeschränkung bei Bachelorstudien mittelfristig auch eine Entlastung im Masterbereich bringen, und auch zusätzliche Professorenstellen - im Falle der WU sind es 15 Stellen - geschaffen. Außerdem würden derzeit in den Neubau der WU rund 500 Mio. Euro investiert. (APA, 16.1.2013)

Badelt verwechselt "dramatisch" mit "hysterisch".

Wenn ich mich nicht irre hatte die WU mehr freie Plätze beim Master in Sozioökonomie als Bewerber, also scheint es als betrifft das nicht alle Masterprogramme

Das ist nicht ganz richtig. Es stimmt, zugelassen werden weniger als Plätze (nicht alle Bewerber erfüllen die Vorraussetzungen), außerdem ist es derzeit das einzige Fach wo dies noch zutrifft. Wobei sich die Zahlen kontinuierliche steigern und auch hier bald mit einer Aus- bzw. Überlastung zu rechnen ist.

"rektro badelt" (überschrift)

haha, klingt wie "retro" badelt, und das ist er fast auch. der typ soll nicht jammern, kommt selber aus der npo-szene, ich dachte, er wäre etwas offener und weniger quotenheischender eingestellt.

Wenn er das wäre...

wäre er wohl nicht auf diesen Posten gekommen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.