Erstmals sinkendes Interesse an FH-Studiengängen

8. August 2003, 11:15
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40 von 124 Studiengängen konnten Anfängerstudienplätze nicht zur Gänze besetzen - Gehrer rechnet mit moderatem Ausbau

Wien - Verstärkt bemühen müsse man sich auch um die Akzeptanz von Studiengängen vor allem im technischen Bereich, die seitens der Studierenden nicht so angenommen würden wie etwa jene aus dem betriebswirtschaftlichen, sozialen oder Gesundheitsbereich, betonte Claus Raidl. Insgesamt war im Studienjahr 2002/03 die Relation zwischen Bewerbern und Aufgenommenen erstmals deutlich rückläufig: In 40 von 124 Studiengängen konnten die Anfängerstudienplätze erstmals nicht zur Gänze besetzt werden.

Nach dem großen Wachstum in den vergangenen Jahren gehe es nun um eine "qualitative Konsolidierung" des Fachhochschul(FH)-Sektors, sagte Raidl. Dazu werden einerseits in einer Novelle zum FH-Studiengesetz, die heute, Freitag, in Begutachtung gegangen ist, die Erhalter zur Etablierung von Qualitätssicherungssystemen verpflichtet. Andererseits soll ab Herbst die geplante Qualitätssicherungsagentur auch FH-Studiengänge unter die Lupe nehmen. Eine Konsolidierung müsse es auch bei den FH-Standorten geben, betonte Raidl. Diese müssten bestimmte Voraussetzungen wie kritische Größe oder Infrastruktur aufweisen.

Verstärkt werden soll weiters die Forschungstätigkeit an den FH, "denn nur so kann garantiert werden, dass Absolventen praxisbezogen auf Hochschul-Niveau ausgebildet werden", sagte Raidl. Dazu wurden vom Forschungsrat mehr als zehn Mio. Euro für das Forschungsförderungsprogramm FH-Plus genehmigt. Notwendig sei weiters eine Integration der FH in den Europäischen Hochschulraum sowie eine verstärkte Internationalisierung. Raidl rechnet zudem mit einer "Neuaufteilung" von Studienfächern zwischen den Unis und den FH, da es Studiengänge und -bereiche gebe, die sich besser für eine FH eignen würden.

Eine Evaluierung des bisherigen Auf- und Ausbaus des FH-Sektors durch das Institut für Höhere Studien (IHS) hat laut Gehrer ergeben, dass die Studienstruktur an den FH einen im Vergleich zu den Universitäten rascheren Studienfortgang biete. Die Absolventen hätten sich am Arbeitsmarkt durchgesetzt, neue Akteure wie Länder oder Gemeinden konnten für das neue Bildungssystem gewonnen werden. Zudem sei die regionale Chancengleichheit im Zugang zu Hochschulstudien verbessert worden.

Gehrer rechnet mit moderatem Ausbau

Die im FH-Entwicklungsplan II angepeilte Zahl von 21.000 Studierenden an Fachhochschulen (FH) für 2004/05 wird bereits im kommenden Studienjahr erreicht, in dem es voraussichtlich 22.100 FH-Studenten geben wird. Bis Ende 2003 soll ein FH-Entwicklungsplan III ausgearbeitet werden, in dem das Wachstum des Sektors fixiert wird. Zahlen gibt es noch keine aber es wird weiter "einen moderaten Ausbau" geben, wie Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) und der Präsident des FH-Rat, Claus Raidl, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien betonten.

Raidl bezeichnete die FH, die seit zehn Jahren in Österreich bestehen (1993 wurde das FH-Gesetz verabschiedet), als "Erfolgsgeschichte, sowohl von der Bedarfsseite der Wirtschaft her, als auch von der Akzeptanzseite der Studierenden". Die Zahl der FH-Studenten stieg seit 1994/95 von knapp 700 auf 17.500 im abgelaufenen Studienjahr, im Herbst sind es voraussichtlich 22.100. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Studiengänge von zehn auf 124 im Jahr 2002/03, ab Herbst sind es voraussichtlich 143. Von den prognostizierten 22.100 Studienplätzen ab Herbst werden 7.400 Anfängerplätze sein. Damit wurde auch das Ziel, das Verhältnis zwischen Studienanfängern an Fachhochschulen und Universitäten bis 2005 auf eins zu drei zu steigern, wesentlich früher erreicht, betonte Gehrer.

"Wir haben extreme Sprünge gemacht, was sich auch im FH-Budget niederschlägt", sagte die Ministerin. 2003 stünden mit 107 Mio. Euro um 15 Mio. Euro bzw. 16 Prozent mehr zur Verfügung als im Vorjahr. Mit diesen Bundesmitteln werden derzeit 90 Prozent der Normkosten pro Studienplatz gefördert, die sich aus den Personal- und Betriebskosten zusammensetzen. Für die Infrastrukturkosten müssen die FH-Erhalter aufkommen. Nun soll, wie im Regierungsprogramm verankert, von der Studienplatz- auf eine Erhalterförderung umgestellt werden. "Denn die Förderung pro Studienplatz ist ungerecht", begründet Gehrer diese Maßnahme. Denn wenn sich beispielsweise für einen Studiengang weniger Studierende anmelden würden als Plätze vorhanden seien, habe der Erhalter die gleichen Kosten aber weniger Förderung. Zudem würden die Erhalter damit freier wirtschaften können.

Außerdem würden sich bei Studiengängen im Vollausbau, wo bereits alle vier Studienjahre angeboten werden (derzeit sind das 68), Synergien vor allem in der Verwaltung ergeben, weil Betriebs- und Personalkosten bei Vollausbau eines Betriebes günstiger würden. Diese Synergieeffekte sollen nun in Gesprächen mit den Erhaltern über den Sommer überprüft werden. Die in den vergangenen Wochen kolportierte Kürzung des Budgets für Studiengänge in Vollausbau in Höhe von 20 Prozent sei dabei die Verhandlungsbasis, von der das Bildungsministerium ausgehe, sagte Gehrer, und weiter: "Ziel ist aber, dass der Bund weiterhin 90 Prozent der Normkosten bezahlt." (APA)

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    FH-Entwicklung von 1994 - 2003

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