Anita Wachter siegt bei RTL in Lienz

3. Jänner 2000, 18:04

19. Weltcup-Sieg der Vorarlbergerin - Götschl übernimmt Führung im Gesamt-Weltcup

Lienz - Der Riesentorlauf bleibt erstaunlicherweise die Parade-Disziplin von Österreichs Ski-Damen. Aber nicht die zweifache Saisonsiegerin Michaela Dorfmeister und auch nicht die nach dem ersten Durchgang sensationell führende Christiane Mitterwallner, sondern Anita Wachter gewann am Dienstag in Lienz das bisher schwierigste Saisonrennen.

Die 32-Jährige siegte vor der erstaunlichen Kanadierin Allison Forsyth sowie Birgit Heeb aus Liechtenstein, bejubelte den bereits 19. Weltcup-Sieg. Ebenso erfreulich: Renate Götschl führt nach Platz fünf erstmals im Gesamt-Weltcup und kann am Sonntag im Slalom den Vorsprung weiter ausbauen.

Nicht unterzukriegen

Das Phänomen aber ist und bleibt Anita Wachter. Was sie an Erfolgen aber auch Verletzungen gesammelt hat, würde Bücher füllen. Dass sie überhaupt noch fährt, ist ein kleines Wunder. Und während viele Konkurrentinnen in Lienz nach heftigem Schneefall die widrigen Umstände im ersten Lauf beklagten, spielte Wachter ihre ganze Routine aus.

Zunächst wegen des Neuschnees mit einer niedrigen Nummer noch benachteiligt, stürmte Vorarlbergs Jahrhundert-Sportlerin von Platz vier aus ("Mir war immer klar, dass mir dieser enge Lauf und Hang hier entgegenkommt") noch zum Sieg. Dem 14. im Riesentorlauf, mit dem sie in der ewigen Bestenliste zusammen mit Lise-Marie Morerod nun bereits auf Platz drei liegt. "Der Sieg ausgerechnet im letzten Riesentorlauf des Jahrtausends gibt schon eine besondere Motivation für die Zukunft", gestand Wachter.

Die nur bis zum Saisonende abschätzbar ist. Ob sie die Heim-WM 2001 fährt, läßt sie einmal mehr offen. Nicht nur, weil sie sich zuletzt immer öfter fragte, "wozu ich mir das alles eigentlich noch antue." In Lienz wußte sie, warum. "Nach einem Sieg denkst da natürlich wieder ein bissl anders." Es sei ein Lohn für unbeirrbare Arbeit gewesen. "Ich habe getestet wie verrückt, erst jetzt habe ich den optimalen Ski gefunden."

Es war ein sensationelles Ergebnis eines ungemein starken Rennens aus rot-weiß-roter Sicht. Alle zehn in den Punkterängen, darunter auch Comeback-Girl Selina Heregger. Mit Wachter, Götschl (5.), Mitterwallner (7.) und Brigitte Obermoser (8.), die ihr bestes RTL-Ergebnis erzielte, kamen vier in die Top Ten. Das gelang auch Mitterwallner und doch war die Steirerin der Pechvogel des Rennens.

Mitterwallner nach Steher noch Siebente

Auf dem engen und anspruchsvollen Kurs hatte Mitterwallner unerwartet Bestzeit erzielt. Weil kaum umgesteckt werden konnte, sprach alles für einen weiteren Sensations-Erfolg der Mammoth- Siegerin (Super G) von 1998.

Doch die 25-jährige aus Pichl-Mandling bestand die "bisher größte Nervenprobe" nicht. Fünf Sekunden vor dem Start bemerkte sie, dass der Helm-Verschluss offen war, ging mit einem kräftigen Fluch ins Rennen und lag beim vierten Tor auf dem Hosenboden. Trotz des Total-Stehers wurde sie noch Siebente, was fast ebenso sensationell ist. "20. und 25. und dann einfach gewinnen, das geht offenbar nicht", gab sie sich aber gefasst. "Dabei war ich überhaupt nicht nervös!"

Ein Häufchen Elend war Michaela Dorfmeister. Die Top-Favoritin fuhr "wie zuletzt bei meinen Siegen", verspielte als 24. (+2,18 Sek.) aber schon im ersten Lauf alle Chancen. Platz 13 war kein Trost. "Ich bin ratlos, versteh die Welt nicht mehr", so Dorfmeister. Trainer Mathias Berthold: "Vielleicht war so doch ein wenig zu passiv."


Das Klassement:

1. Anita Wachter AUT 2:22,33 Min. (1:10,22-1:12,11)
2. Allison Forsyth CAN 2:22,66 +0,33 (1:09,97-1:12,69)
3. Birgit Heeb LIE 2:22,92 +0,59 (1:09,90-1:13,02)
4. Sonja Nef SUI 2:23,29 +0,96 (1:10,39-1:12,90)
5. Renate Götschl AUT 2:23,30 +0,97 (1:10,47-1:12,83)
6. Silke Bachmann ITA 2:23,63 +1,30 (1:11,40-1:12,23)
7. Christiane Mitterwallner AUT 2:23,84 +1,51 (1:09,72-1:14,12)
8. Brigitte Obermoser AUT 2:24,30 +1,97 (1:11,16-1:13,14)
9. Sabina Panzanini ITA 2:24,34 +2,01 (1:11,27-1:13,07)
10. Anna Ottosson SWE 2:24,52 +2,19 (1:11,20-1:13,32)


11. Mojca Suhadolc SLO 2:24,56 +2,23 (1:11,34-1:13,22)
12. Karen Putzer ITA 2:24,60 +2,27 (1:11,95-1:12,65)
13. Michaela Dorfmeister AUT 2:24,88 +2,55 (1:11,90-1:12,98)
14. Merete Fjeldavlie NOR 2:24,90 +2,57 (1:11,88-1:13,02)
15. Tanja Schneider AUT 2:24,91 +2,58 (1:11,05-1:13,86)
16. Melanie Lenoir FRA 2:25,03 +2,70 (1:11,73-1:13,30)
17. Eveline Rohregger AUT 2:25,13 +2,80 (1:11,55-1:13,58)
18. Leila Piccard FRA 2:25,18 +2,85 (1:11,54-1:13,64)
19. Regine Cavagnoud FRA 2:25,20 +2,87 (1:11,80-1:13,40)
20. Corinne Rey-Bellet SUI 2:25,21 +2,88 (1:11,36-1:13,85)
21. Karin Köllerer AUT 2:25,22 +2,89 (1:11,90-1:13,32)
22. Andrine Flemmen NOR 2:25,23 +2,90 (1:11,12-1:14,11)
23. Ana Galindo Santolaria ESP 2:25,40 +3,07 (1:11,50-1:13,90)
24. Nicole Gius ITA 2:25,45 +3,12 (1:12,09-1:13,36)
25. Selina Heregger AUT 2:25,51 +3,18 (1:11,79-1:13,72)
26. Sarah Schleper USA 2:25,68 +3,35 (1:12,06-1:13,62)
27. Isolde Kostner ITA 2:25,97 +3,64 (1:11,76-1:14,21)
28. Stefanie Schuster AUT 2:26,01 +3,68 (1:12,03-1:13,98)
29. Annemarie Gerg GER 2:26,48 +4,15 (1:11,97-1:14,51).
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