Bose-Einstein- Kondensat als Werkzeug eingesetzt

Redaktion, 16. Juli 2003 12:27

Experimente von Tiroler Wissenschaftern

Innsbruck - Vor rund acht Jahren gelang erstmals die Herstellung eines bereits von Jahrzehnten vorhergesagten Materiezustandes, des so genannten Bose-Einstein-Kondensats (BEC). Seither gab es fast so etwas wie einen Wettlauf unter Physikern, den seltsamen Zustand, in dem Atome ähnlich wie Laserlicht gleichsam im Gleichschritt funktionieren, für immer größere Atome zu erreichen und zu halten. Wie Peter Zoller, Professor am Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck, in der neuesten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Science" ausführt, beginnt nun quasi eine neue Ära: BEC wird als Werkzeug eingesetzt, um bisher wenig verstandene physikalische Phänomene zu erforschen.

BEC, das nur bei extrem tiefen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt erreicht werden kann, ist ein völlig eigener Zustand der Materie, so wie fest, flüssig, gasförmig oder der Plasmazustand, bei dem sich Atomkerne von den Elektronen trennen. Die einzelnen Atome verlieren dabei ihre Identität und funktionieren völlig synchron, ähnlich einer bestens trainierten Kompanie von Gardesoldaten bei einer Parade. Physiker sprechen von so einem Trupp von Atomen im BEC als einem einzigen Quantenzustand, verschiedenste grundlagenphysikalische Phänomene können so beobachtet werden.

Methode für eigene Identität

Eine weitere Eigenheit der Atome im BEC ist die Tatsache, dass sie nur wenig mit einander wechselwirken. "Möchte man damit weitere Experimente anstellen, so ist dies für manche Anwendungen von Nachteil", erklärte Zoller. Die Innsbrucker Wissenschafter haben daher in Zusammenarbeit mit Immanuel Bloch von der Ludwig-Maximilians-Universität München Methoden entwickelt, mit denen sie den einzelnen Atomen gleichsam wieder eine eigene Identität geben können.

So werden die einzelnen Teilchen in einem so genannten optischen Gitter eingefangen. Dieses Gitter besteht aus Wellen, welche durch zwei auf einander gerichtete Laserstrahlen erzeugt werden. Richtig auf einander abgestimmt, entsteht ein dreidimensionales Muster aus Wellenbergen und -tälern, das Ganze gleicht einem Eierkarton. Ziel ist, dass jedes Atom des BEC in einem - um beim Vergleich zu bleiben - Eierbecher zu liegen kommt.

So könnte man das Problem der schwachen Wechselwirkung umgehen und eine starke simulieren. Zoller erhofft sich durch derlei Experimente, dass etwa das bis heute nicht wirklich verstandene Phänomen der Quanten-Physik besser erforscht werden könnte. Auch eine Anwendung in Richtung Quantencomputer ist durch die Partikel im Licht-Gitter denkbar. (APA)

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