Emerald ist die Hoffnung

17. Jänner 2013, 17:06
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Das Jahr 2013 steht im Zeichen des Grüntons "Emerald" - Das behauptet zumindest das Farbinstitut Pantone - Anne Feldkamp hat sich auf die Spuren des leuchtenden Smaragdgrüns gemacht

In den Siebzigerjahren, sagt das amerikanische Unternehmen Pantone, war das "rauchige" Grün der Avocado das Nonplusultra. Damals, heißt es in einer Publikation der Firma, galt das als "authentisch und gesund, aber auch als elegant und zeitgemäß". Wenn wir uns heute zurückerinnern an dieses Grün der Siebziger, war das meist in der Gesellschaft von Orange und Braun anzutreffen.

Wir denken an Badezimmerfliesen, die in die Jahre gekommen sind, an Otl Aichers Olympiakampagne von 1972 oder an die kleinen grünen Äpfelchen, die damals so oft über Kinderkleidung und Trinkgläser purzelten. Aus heutiger Sicht wirkt das Grün, das damals für Modernität stand, ganz schön behäbig. Das ist auch nicht verwunderlich. Wenn es darum geht, welche Farbnuance in welche Zeit passt, nehmen wir das besonders eindringlich im Rückblick wahr.

Nun sollen wir uns schleunigst wieder an die Farbe Grün gewöhnen. Allerdings nicht an den abgestandenen Avocado-Ton der 70er. Vor einigen Wochen sagte die Firma Pantone nämlich "Tangerine Tango", dem Orangerot des letzten Jahres, Adieu. Das Jahr 2013 steht im Zeichen von "Emerald", einem leuchtenden Smaragdgrün. Das soll ausgleichend wirken - eigentlich keine schlechte Idee in unsicheren Zeiten. Weil Pantone seit den Sechzigerjahren alle Farbnuancen mit einem Code versieht, trägt die Farbe gemäß dem Pantone Matching System schlicht die Zahlenkombination 17-5641.

Natürliche Fülle und Wachstum

Die Idee dahinter: So können die Farben weltweit einheitlich vervielfacht werden. Seit 1999 wählt das Unternehmen am Ende eines jeden Jahres einen Farbton mit dem Anspruch, dem Zeitgeist mindestens einen Schritt voraus zu sein - und die Industrie vom Mode- bis zum Autogewerbe spitzt die Ohren. Denn was Pantone vorschlägt, findet Gehör.

Seit Leatrice Eiseman, Geschäftsführerin im Pantone Color Institute, der Öffentlichkeit das Emerald vorgestellt hat, meint man, es wirklich überall zu sehen. Und das nicht nur auf der Pantone Website, wo iPhone-Hüllen und Tassen in der Farbe des Jahres vertrieben werden. Auf den neuen Fünf-Euro-Scheinen, die ab Mai in Umlauf kommen, schimmert der aufgedruckte Wert der Banknote je nach Lichteinfall smaragdgrün oder blau.

Auch die Modemagazine zeigen, dass die internationalen Designer das Frühjahr 2013 einer Frischekur unterziehen. Die Farbe Grün, die gern für natürliche Fülle und Wachstum steht, hat es Akris, Acne, Burberry und Zac Posen angetan, denn grün, grün, grün sind viele ihrer Kleider. Ob dabei alles, was nach Grün aussieht, als ein klares Smaragd durchgeht, darf diskutiert werden. Denn Grün ist nicht gleich Grün, das wusste schon der russische Schriftsteller Vladimir Nabokov. Er las das Alphabet als Farbpalette und unterschied genau: Das lateinische F erschien ihm als ein "Erlenblattgrün", dem P"ordnete er das Grün eines unreifen Apfels zu.

Peter Pan und Robin Hood

Immerhin aber sind modebewusste Menschen, die 2013 auf Leatrice Eisemans Gespür für Farbe vertrauen, in bester Gesellschaft: Bei Kenzo pinselte man den Models die Nägel grün an, und Dior verteilte, wie das einst mit fein zerriebenem Malachit gemacht wurde, großzügig smaragdgrünen Lidschatten über den Augen. Die modisch einflussreiche Kate Middleton trug beim Besuch des Naturhistorischen Museums in London ein Kleid in Emerald - das Unternehmen Pantone dürfte es gefreut haben.

Ansonsten gehen uns mit bestem Beispiel Peter Pan und Robin Hood, die positiv besetzten Helden unserer Kindheit, voran. Sie tragen übersaisonal grüne Strumpfhosen. Selbst Vivien Leighs legendäres grünes Samtkleid aus Im Winde verweht wurde im letzten Jahr restauriert und ist nur noch für kurze Zeit im Victoria and Albert Museum in London zu sehen.

Auf der politischen Landkarte gehört das grüne Farbspektrum in Österreich und Deutschland immerhin längst zum Establishment. Da ist grün ganz normal.

Das echte Grauen

Das Avocadogrün taucht dagegen selten auf. Manchmal aber dafür dort, wo man es am wenigsten vermutet. Im zeitgenössischen Kino beispielsweise. Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer lässt in seinem Film Michael den pädophilen Protagonisten in einem Bungalow sein Unwesen treiben. Dort drinnen wuchern feine Farnwedel in gedecktem Grün über die Tapeten. Die altmodische Inneneinrichtung scheint nicht nur aus dem Jahrzehnt gefallen, hier ist das echte Grauen zu Hause.

Um das Smaragdgrün in diesem Jahr in unseren Alltag einzuschleusen, bedarf es allerdings noch einiger Anstrengung. Da muss Pantone die kommenden Monate noch ordentlich nachlegen. (Anne Feldkamp, Rondo, DER STANDARD, 18.1.2013)

  • Von wegen ewige Werte: Bei Tiffany gibt's Diamanten in der Modefarbe Emerald.
    foto: hersteller

    Von wegen ewige Werte: Bei Tiffany gibt's Diamanten in der Modefarbe Emerald.

  • In der Mode hat Emerald Einzug gehalten - auch bei US-Designer Zac Posen.
    foto: ap/minchillo

    In der Mode hat Emerald Einzug gehalten - auch bei US-Designer Zac Posen.

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