Erste Bank setzt den Sparstift an

15. Jänner 2013, 17:19
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Die Erste Group musste ihre Rumänien-Tochter bereits um 1,8 Milliarden Euro wertberichtigen. Nun bereitet auch Österreich größere Sorgen

Wien - Im Ausland wurde schon kräftig Personal abgebaut. Die Ungarn-Tochter der Erste Group sparte 2012 mehr als 300 Mitarbeiter bzw. elf Prozent der Belegschaft ein, in Rumänien muss fast jeder sechste der ursprünglich 9200 Bankangestellten gehen.

Nun wird auch in Österreich die Gangart verschärft, ist in Bankkreisen zu hören. Die Personalkosten müssen demnach um fünf bis zehn Prozent gesenkt werden. Die Details sollen in den kommenden Wochen mit der Belegschaft verhandelt werden. Zur Orientierung: Insgesamt wurden in Österreich zuletzt gut 16.000 Mitarbeiter beschäftigt. 3300 davon bei der Erste Bank Österreich, 1800 in der Erste Group Holding, 7400 in den diversen Sparkassen und der Rest in Tochtergesellschaften.

Sozialleistungen ade

Nicht alle Bereiche sind von den Kürzungen in gleichem Maße betroffen. Angesetzt wird auf verschiedenen Ebenen. Natürliche Abgänge (Pensionen, Jobwechsel) werden nicht nachbesetzt, Altersteilzeiten sollen ebenso forciert werden wie Sabbaticals. Allein bei der Erste Bank Österreich könnte so der Personalstand um 150 reduziert werden.

Aber auch freiwillige Sozialleistungen, die über den Kollektivvertrag hinausgehen, stehen zur Diskussion. Fix dürfte eine Reduktion des Pensionskassenbeitrags sein. Gespart wird auch bei den Essenszuschüssen (Kantine) und der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.

Parallel dazu sind organisatorische Neuerungen im Gespräch. Die Erste Bank Österreich wurde in den vergangenen Jahren bereits ein wenig ausgehöhlt bzw. umgebaut, diese Art der Zentralisierung dürfte fortgesetzt werden. Das Großkundengeschäft Österreich ist unter das Dach der Erste Group Holding geholt worden, das Private Banking ebenso; für die Leitung dieses Bereichs wurde ein neuer Manager geholt. Ursprünglich wollte Bankchef Andreas Treichl auch das Marketing Österreich unter seine Fittiche holen, das geschah dann aber doch nicht. Im Bereich der Holding sind Ausgliederungen (Einkauf, Lager, IT) ein Thema.

Noch deutlich größer sind die Probleme seit langem in Rumänien. Die dortige Tochter BCR wurde in den vergangenen Jahren bereits um 1,5 Milliarden Euro abgeschrieben. Am Dienstag kamen weitere 300 Millionen dazu. In den Büchern steht die BCR jetzt nur mehr mit 600 Mio. Euro. Zur Erinnerung: Ende 2005 legte die Erste 3,7 Milliarden Euro für 62 Prozent an der einstigen rumänischen Staatsbank hin (heute hält man 93 Prozent).

Für das Gesamtjahr 2012 geht die Erste Group dennoch von einem Nettogewinn von 450 Mio. Euro aus. (Günther Oswald, Renate Graber, DER STANDARD, 16.1.2013)

  • Die Rumänien-Tochter bereitet Erste-Chef Andreas Treichl schon seit Jahren 
Sorgen. Die einstige Staatsbank musste bereits um 1,8 Milliarden Euro 
abgeschrieben werden.
    foto: matthias cremer

    Die Rumänien-Tochter bereitet Erste-Chef Andreas Treichl schon seit Jahren Sorgen. Die einstige Staatsbank musste bereits um 1,8 Milliarden Euro abgeschrieben werden.

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