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Wien - Die europäischen Alpen erstrecken sich über acht Länder, von Frankreich bis Slowenien, und bieten eine enorme Vielfalt an Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, die nirgendwo sonst zu finden sind. Gleichzeitig dient das Gebiet laut Veterinärmedizinischer Universität Wien auch als Arbeitsplatz für 14 Millionen Menschen und wird von über 100 Millionen Touristen pro Jahr besucht. Dies führt zu einer immer stärkeren Fragmentierung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Um diese Prozesse aufzuhalten oder gar umzukehren, sind Studien notwendig - aber welcher Themen sollen sich die Wissenschafter bevorzugt annehmen?
Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmed-Uni hat die ihrer Einschätzung nach 50 wichtigsten Fragen zur Erhaltung der Biodiversität in den Alpen zusammengetragen und in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS ONE" veröffentlicht.
Per E-Mail haben Walzer und sein Team bei Experten aus verschiedenen Bereichen einen Pool von knapp 500 Fragen erhoben und diese sukzessive verdichtet und reduziert. Schließlich einigten sich in einem Workshop Vertreter aus Forschung, Arterhaltungspraxis, Nichtregierungsorganisationen, Politik und Verwaltung auf die 50 wichtigsten Fragen, wobei auf eine Reihung nach Wichtigkeit verzichtet wurde. Diese Methode sei schon in Abwandlungen verwendet worden, um beispielsweise die Naturschutzprioritäten in Großbritannien herauszufinden, sagt Walzer.
Beispiele aus der Sammlung lauten etwa: "Wie wirkt sich die Rückkehr großer Raubtiere auf die Ökosysteme im alpinen ökologischen Netzwerk aus?" oder "Wie beeinflussen demographische Veränderungen in den Alpen die Zukunft des ökologischen Kontinuum?".
Im Zentrum der Fragen stehe die Erhaltung und die Wiederherstellung eines "ökologischen Kontinuums", wie die Forscher den ökologischen Verbund zusammenhängender Landschaften nennen, in dem sich Tiere und Pflanzen ausbreiten und austauschen können. "Je größer diese zusammenhängenden Gebiete sind, desto eher sind sie widerstandsfähig gegenüber Störungen", so Walzer. Entsprechend drehen sich viele Fragen um diesen Verbund, etwa "Welche Landschaftselemente und Landnutzungsformen vergrößern oder verkleinern Lücken im ökologischen Verbund?" oder "In welchem Konflikt stehen die Ziele von ökologischem Verbund und Tourismus?". Ein großes Problem sind laut Walzer auch Indikatoren, also das Problem der Messung. So lautet eine Frage: "Welche Indikatoren für Spezies und Habitate können verwendet werden, um ökologischen Verbund zu evaluieren ?".
Nach Ansicht der Wissenschafter hat die Liste eine große Bedeutung dafür, welche Prioritäten bei der Bewahrung und Wiederherstellung der Biodiversität im Alpenraum gesetzt werden sollen. Viele der Umweltprobleme in den Alpen seien schwierig zu beantworten, einfache Antworten, die einer allein geben kann, gebe es hier nicht. "Bisher haben wir solche Antworten eher in die Zukunft verschoben, obwohl die Zeit dafür mittlerweile knapp wird", so Walzer. Dank der Liste gebe es nun Hinweise, wie die Wissenschafter beginnen können, die Fragen mit Forschung zu beantworten. (APA/red, derStandard.at, 19. 1. 2013)
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