Journalisten haben fast so schlechtes Image wie Politiker

15. Jänner 2013, 13:07
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Durchschnittliche Arbeitszeit von Journalisten liegt deutlich über der der Gesamtbevölkerung - 73 Prozent der Journalisten halten die Ethik in ihrer Branche für nicht oder weniger gut

Wien - Österreichs Journalisten sind wenig kompetent, noch weniger objektiv, verdienen dafür aber überdurchschnittlich gut - so lautet zumindest die Einschätzung der heimischen Bevölkerung über die Vierte Gewalt. "Das Image der Journalisten ist bei der durchschnittlichen Bevölkerung auffallend schwach", fasst OGM-Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer die Ergebnisse einer aktuellen, vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) in Auftrag gegebenen Befragung unter 718 Journalisten zusammen.

Deutlich besser, wenn auch selbstkritisch, ist das Eigenbild der Journalisten. 53 Prozent halten sich und ihre Kollegen für kompetent - in der Bevölkerung haben nur 27 Prozent diesen Eindruck, 31 Prozent der Journalisten schätzen sich als objektiv ein - bei der Bevölkerung liegt dieser Wert bei 18 Prozent. Ihr Einkommen halten hingegen nur 16 Prozent der Journalisten für gut - in der Bevölkerung sind davon 28 Prozent überzeugt.

Nur 13 Prozent der Journalisten halten ihre Zunft für "angesehen" - in der Bevölkerung sind es 21 Prozent. Entsprechend gering ist auch das Vertrauen der Bürger in die Medienbranche: Hier liegen die Journalisten mit neun Prozent nur gering über Politikern, denen ein Vertrauensgrad von vier Prozent entgegengebracht wird. Bei Richtern liegt dieser Wert bei 50, bei Polizisten sogar bei 53 Prozent. 73 Prozent der befragten Journalisten halten die Ethik in ihrer Branche für weniger bis gar nicht gut.

Nur sechs Prozent unter 30

Grundsätzlich arbeiten im Journalismus mit 63 Prozent deutlich mehr Männer als Frauen und sie sind deutlich älter als die übrige berufstätige Bevölkerung. Nur sechs Prozent der Journalisten sind unter 30 Jahre, wohingegen 37 Prozent über 50 Jahre sind. Das könnte auch das für die Studieninitiatoren überraschend hohe Durchschnittseinkommen erklären, das monatlich bei 2.600 Euro netto liegen soll.

Beträchtliche Einkommenunterschiede

Allerdings, so Bachmayer, gibt es beträchtliche Einkommenunterschiede zwischen Medientypen, Männern und Frauen und vor allem bei der Altersstruktur. 14 Prozent der errechneten 2.600 Euro kommen nicht aus journalistischer Arbeit, sondern aus sogenannten sonstigen Tätigkeiten und weiters ist die Summe "nicht arbeitszeitbereinigt", wie Bachmayer betont. Die durchschnittliche Arbeitszeit von Journalisten liegt denn auch deutlich über der der Gesamtbevölkerung. 73 Prozent der bei Tageszeitungen beschäftigten Redakteure arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche - im Durchschnitt sind es 56 Prozent. Es gibt unter Journalisten denn auch mehr Singles und kinderlose Paare als unter den übrigen Österreichern.

Stress und Überforderung

Auch gaben 85 Prozent der Befragten an, sie würden unter Stress und Überforderung leiden und hätten aufgrund ihres Jobs eine ungesunde Lebensführung. 51 Prozent führen Probleme in ihrer Partnerschaft auf den Beruf zurück und 47 Prozent neigen in Zusammenhang mit dem Job zu einem erhöhten Alkoholkonsum. Trotz allem ist die Arbeitszufriedenheit überdurchschnittlich hoch, Nachholbedarf orteten die Befragten allerdings beim Weiterbildungsangebot.

Der ÖJC will die Ergebnisse der am Dienstag präsentierten Studie in den kommenden Monaten auswerten und ein strategisches Kommunikationskonzept erstellen, "um das Berufsbild abzusichern und das Ansehen der Journalisten in der Bevölkerung zu verbessern", so ÖJC-Präsident Fred Turnheim. (APA, 15.1.2013)

  • "Journalistenstudie Österreich".

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