Bildungsbericht empfiehlt Ausbau verschränkter Ganztagsschulen

15. Jänner 2013, 09:41
269 Postings

Derzeit neun von zehn ganztägigen Schulformen nur mit Nachmittagsbetreuung - 2015 werden bis zu 50.000 Betreuungsplätze fehlen

Wien - Die Forschungsbefunde sprechen deutlich für den Ausbau der verschränkten Form der Ganztagsschule: Zu diesem Schluss kommt die Analyse im Nationalen Bildungsbericht 2012. Derzeit dominiert bei den ganztägigen Schulformen die reine Nachmittagsbetreuung. Gleichzeitig errechnen die Autoren für 2015 eine Betreuungslücke von 30.000 bis 50.000 Ganztagsplätzen.

Derzeit gibt es an etwa 1.500 Schulen in Österreich Ganztagsplätze - entweder in verschränkter Form mit einem ganztägigen Wechsel von Unterrichts-, Lern- und Freizeit oder als offene Form mit Unterricht am Vormittag und Lern- beziehungsweise Freizeit am Nachmittag. Eine Online-Befragung der Schulleiter ergab, dass 86 Prozent dieser Schulen nur die offene Form anbieten. Lediglich sieben Prozent haben ein voll verschränktes Angebot, das alle Schüler eines Jahrgangs verpflichtend besuchen. Rund acht Prozent der Schulen sind Mischformen mit einzelnen verschränkten Klassen. Besonders wenige verschränkte Angebote gibt es in Niederösterreich und der Steiermark, die meisten in Wien und Vorarlberg.

Haupthindernis: Mangelnde Zustimmung der Eltern

Als Haupthindernisse für die Einführung der verschränkten Form nennen die Direktoren mangelnde Zustimmung der Eltern, fehlende Ressourcen, ungeeignete Gebäude und geringe Unterstützung durch den Schulerhalter. Die zuletzt heftig diskutierte Blockademöglichkeit der Lehrer spielte dagegen kaum eine Rolle. Trotzdem empfehlen die Studienautoren, die verpflichtende Zustimmung von zwei Dritteln der Lehrer zur Einrichtung verschränkter Ganztagsformen zu überdenken.

Derzeit werden an Volksschulen rund 15 Prozent der Kinder ganztägig betreut (verschränkte Form: 3,6 Prozent; offene Form: 11,7 Prozent), an AHS-Unterstufen, Hauptschulen und Neuen Mittelschulen sind es knapp 12 Prozent (verschränkt: 2,6 Prozent; offen: 9,7 Prozent). Allerdings steigt die Zahl der ganztägig betreuten Schüler laut der Studie deutlich.

Die meisten ganztägigen Schulangebote sind erst in den vergangenen Jahren entstanden, nach wie vor klafft eine Lücke zwischen Bedarf und Angebot. Diese wird je nach Berechnungsmodell auch im Jahr 2015 noch immer bei 30.000 bis 50.000 Plätzen für Kinder unter 14 Jahren liegen, sofern die derzeitigen Pläne fortgeführt werden.

Höherer Bedarf in der Ferienzeit

Einen wesentlich höheren Betreuungsbedarf erwartet die Studie für die Ferienzeit. Selbst unter der "sehr optimistischen Annahme", dass die während der Schulzeit genutzten Betreuungsangebote auch in den Ferien verfügbar sind, ergebe sich eine Zahl von rund 320.000 Sechs- bis Zwölfjährigen, die dann zumindest zeitweise unbetreut sein werden.

Unter den einzelnen Schultypen bieten derzeit die AHS die beste Versorgung mit Ganztagsplätzen: 84 Prozent der AHS verfügen über ein Ganztagsangebot, am schlechtesten ist die Situation bei den Polytechnischen Schulen (4 Prozent), den Hauptschulen (13 Prozent) und den Volksschulen (25 Prozent). Als mögliche Ursache ortet der Bericht, dass bei den AHS der Bund der Schulerhalter sei und damit die Kosten übernehmen müsse. Bei den allgemeinen Pflichtschulen dagegen müssten die Gemeinden die Kosten tragen. (APA, 15.1.2013)

  • Artikelbild
Share if you care.