Überraschender Genfluss von Indien nach Australien

14. Jänner 2013, 21:00
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Kontakt vor 4000 Jahren brachte womöglich auch den Dingo ins Land

Leipzig/Wien - Bis vor kurzem wusste die Wissenschaft vergleichsweise wenig über die Herkunft der australischen Aborigines. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass kein genetisches Material für DNA-Analysen zur Verfügung stand. Erst Ende 2011 gelang es dann dem dänischen Paläogenetiker Eske Willerslev (Uni Kopenhagen), an ein Haar aus einer Sammlung zu gelangen und mit seiner Hilfe - und Zustimmung der Aborigines - das Genom der Ureinwohner Australiens zu entschlüsseln.

Die "Science"-Studie zeigte, dass die Aborigines von Menschen abstammen, die vor etwa 60.000 Jahren aus Afrika auswanderten und etwas mehr als 10.000 Jahre später Australien erreichten. Im Genom fanden sich nicht nur Spuren des Neandertalers (wie bei den Europäern), sondern auch des sogenannten Denisova-Menschen, der erst 2010 entdeckt wurde.

Eine neue Studie von Forschern um Irina Pugach vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig kommt nach Erbgutvergleichen von insgesamt 344 Menschen - darunter Aborigines aus dem nördlichen Australien sowie Einwohner Indiens und Indonesiens - zu einem etwas anderen Ergebnis als Willerslev. Hatte der noch behauptet, dass es mit den heute in Indien lebenden Menschen wenig genetische Verbindung gebe, so fanden Pugach und Kollegen einen überraschenden Genfluss, der vor rund 4000 Jahren passiert sein dürfte.

Wie die Forscher im Fachblatt "PNAS" schreiben, müssen vor rund 141 Generationen Inder und Australier miteinander in Kontakt gekommen sein. Und weil vor etwas mehr 4000 Jahren keine Landbrücke mehr zwischen Asien und Ozeanien existierte, reisten die indischen Zuwanderer wohl per Boot an.

Das scheint sich auch mit anderen Veränderungen zu decken, die vor rund 4000 Jahren in Australien passiert sind. Man habe etwa begonnen, andere Arten von Steinwerkzeugen zu benützen, so Pugach. Auch der Dingo sei damals aufgetaucht, der seinem Aussehen nach indischen Hunden ähnelt. Die nächsten, die dann einwanderten, waren die Europäer im 18. Jahrhundert, die so brutal vorgingen, dass die Aborigines der westlichen Forschung lange keine DNA spenden wollten. (tasch, DER STANDARD, 15.1.2013)

  • Vor 4000 Jahren fuhren Inder per Boot nach Australien.
    foto: gunter senft/mpi f. psycholinguistik

    Vor 4000 Jahren fuhren Inder per Boot nach Australien.

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