Viele Gewinner und ein deklassierter Favorit

14. Jänner 2013, 17:20
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"Les Misèrables" und "Argo" heißen die Gewinner der Golden Globes. Michael Haneke und Christoph Waltz freuen sich wieder über Auszeichnungen

Favorit "Lincoln" muss sich mit einem Preis begnügen.

Los Angeles - "Ich hätte nicht gedacht, dass ich in Hollywood einen Preis von einem Österreicher überreicht bekomme" - sprach Michael Haneke, nachdem es auf der Bühne der Golden-Globe-Verleihung Sonntagnacht in Los Angeles zu einem denkwürdigen Gipfeltreffen gekommen war:

Ausgerechnet Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone hatten dort Aufstellung genommen, um den Preis für den besten fremdsprachigen Film bekanntzugeben. "Wer hätte je gedacht, dass der Macher von Funny Games einen Preis von den ,auteurs' hinter Terminator und Rambo nehmen würde?" , kommentierte der Guardian prompt. Haneke betonte in seinen knappen Dankesworten den wesentlichen Anteil seiner beiden Hauptdarsteller Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant am Erfolg von Amour.

Zuvor hatte - wie im Jahr 2010 anlässlich von Das weiße Band beziehungsweise Inglourious Basterds - bereits Christoph Waltz einen Golden Globe für seine Nebenrolle in Quentin Tarantinos Django Unchained entgegengenommen. Nicht alle Erwartungen wurden bei der 70. Verleihung der Golden Globe Awards aber so punktgenau erfüllt: Von prestigeträchtigen sieben Nominierungen für Steven Spielbergs Historiendrama Lincoln blieb am Ende nur die Auszeichnung für den Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis über.

Dafür wurde überraschend Ben Affleck zum besten Regisseur gekürt. Und seine dritte Regiearbeit Argo, die ein Täuschungsmanöver im Gefolge der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran als Thriller in Szene setzt, hängte als bestes Filmdrama Django Unchained, Life of Pi, Lincoln und Zero Dark Thirty ab (iranische Medien kritisierten umgehend). Kathryn Bigelows zuletzt sehr kontrovers diskutierter, ungewöhnlicher Politthriller über die zehnjährige Suche nach Osama Bin Laden stellte mit Jessica Chastain immerhin die beste Darstellerin. In der Kategorie Komödie/Musical wurden Tom Hoopers starbesetzter Filmversion von Les Misèrables der Hauptpreis sowie zwei Darstellerpreise zuerkannt. Jennifer Lawrence wurde für ihre Darstellung in David O. Russells Silver Linings Playbook prämiert.

Preiswürdige Moderation

Nagelneu war das Moderatorinnenduo Tina Fey und Amy Poehler. Die Fernsehkomikerinnen aus der Saturday Night Live-Schule gaben sich weniger anzüglich, aber nicht weniger angriffig und souverän als ihr Vorgänger Ricky Gervais. Phasenweise wurden die beiden von überdrehten Gästen wie Kristen Wiig und Will Ferrell oder Sacha Baron Cohen sogar noch überboten. Insgesamt sorgten die Neuen für eine relativ kurzweilige Veranstaltung.

Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Jodie Foster erhielt den Cecil B. DeMille Award. Die 50-Jährige nutzte ihre ausführliche Dankesrede, um sich nicht zu outen - "ich hatte mein Coming-out in der Steinzeit" -, sondern selbstverständlich ihre "modern family" vorzustellen und dabei zugleich für das Recht auf Privatsphäre zu plädieren. Ihre Rede sorgte ebenso für Standing Ovations wie zuvor der Auftritt von Bill Clinton als (leider glückloser) Preispate für Lincoln: " Das war Hillary Clintons Ehemann - wie aufregend!" (Poehler)

Dass das US-Fernsehen mit seinen Qualitätsserien längst gleichauf mit der Filmindustrie rangiert, war im Übrigen nicht nur daran zu erkennen, dass Julianne Moore oder Kevin Costner diesmal für ihre Mitwirkung an TV-Produktionen gewürdigt wurden. Grund zum Feiern hatten auch die Beteiligten der Fernsehserie Homeland (drei Preise) sowie die 26-jährige Nachwuchshoffnung Lena Dunham, die in hohen Schuhen und langem Kleid gleich zweimal herrlich ungelenk die Bühne erklomm, um sich für Girls einen Preis abzuholen. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 15.1.2013)

  • Die 70. Golden Globe Awards überraschten manchen Preisträger sichtlich: 
Ben Affleck, Regiepreisträger für "Argo".
    foto: reuters/mario anzuoni

    Die 70. Golden Globe Awards überraschten manchen Preisträger sichtlich: Ben Affleck, Regiepreisträger für "Argo".

  • Michael Haneke, dem Arnold 
Schwarzenegger und Sly Stallone den Preis für "Amour" überreichten.
    foto: reuters

    Michael Haneke, dem Arnold Schwarzenegger und Sly Stallone den Preis für "Amour" überreichten.

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