Weihnachtsgeschenk Zugangsbeschränkungen: Vom Umtausch ausgeschlossen?

Blog15. Jänner 2013, 11:07
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Beim Gesetzesentwurf für Zugangsbeschränkungen müssen die Studierenden-Obergrenzen an die vorhandenen Kapazitäten angepasst werden

Die Weihnachtsgeschenke sind verteilt. Manche davon kann man nicht umtauschen, bei manchen hat man Chancen. Auch das Wissenschaftsministerium übergab seine Präsente an die Universitäten. Das große Paket "Zulassungskriterien" fällt in die Kategorie "vom Umtausch ausgeschlossen". Wie auch im vorigen ULV-Blog abgeleitet, führt realpolitisch kein Weg daran vorbei.

Von den diskutierten fünf Punkten zur Einschränkung der Universitätsmisere bleiben Aufnahmeverfahren als beste Alternative übrig. Die konkrete Ausführung des entsprechenden Gesetzesentwurfes könnte allerdings vom Christkind des Parlaments oder den Weihnachtsmännern der Regierungsparteien verändert werden. Zumindest die Beschenkten hoffen darauf.

Der Entwurf

Zum jetzigen Stand sieht der Entwurf vor, dass für die besonders stark nachgefragten Studienfelder Architektur, Biologie und Biochemie, Informatik, Management, Verwaltung, Wirtschaftswissenschaften und Pharmazie ein Aufnahmeverfahren bis zu einer definierten Obergrenze durchgeführt werden kann.

Richtige Signale

Grundsätzlich ist die Einführung von Zulassungskriterien zu begrüßen, da sie wichtige Signale setzt:

Richtiges Signal 1: Wissen soll und muss zum Wohle der Menschheit und Umwelt unbegrenzt zur Verfügung stehen. Zulassungskriterien machen bewusst, dass die Ressourcen zur universitären Bildung leider nicht unbegrenzt vorhanden sind und daher bestmöglich zu nutzen sind. Auch bei der dringend nötigen Aufstockung der finanziellen Mittel wird immer ein Limit gegeben sein. Einschränkungen klingen auf den ersten Blick so, als würde man den jungen Menschen ihr Recht auf Bildung beschneiden. In Wahrheit verhält es sich so wie beim Trichter, der verstopft, wenn man oben zu viel auf einmal hineinleert. Weniger ist manchmal mehr.

Richtiges Signal 2: Die Studierenden sollen möglichst rasch erkennen, ob das gewählte Studium ihren Interessen und ihrer Eignung entspricht. Zulassungskriterien sind eines der Instrumente - aber sicher nicht das einzige - zur Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Bleibt die Hoffnung, dass wie bei den Studienrichtungen, die bereits Aufnahmetests haben, die künftigen ZulassungswerberInnen bereits vor der Registrierung zu den Aufnahmetests erkennen, wie ernst ihr Wunsch nach diesen Studien tatsächlich ist. In manchen Fächern hat diese Signalwirkung funktioniert.

Richtiges Signal 3: Ebenso wie die Studierenden ein Anrecht zur Auswahl ihres Studiums an ihrer präferierten Universität haben, muss endlich den Universitäten zugestanden werden zu überprüfen, ob ihre Anforderungsprofile mit den Qualifikationsprofilen der StudienwerberInnen übereinstimmen.

Falsche Signale

Gut ist das Gegenteil von gut gemeint. In diesem Sinne ist der Entwurf zu den neuen Zulassungskriterien zu sehen, der viele positive Ansätze ins Gegenteil kehrt.

Falsches Signal 1: Es werden Obergrenzen gesetzt, bis zu denen die StudienwerberInnen jedenfalls aufzunehmen sind. Als ein zentrales Ziel der Zulassungskriterien wurde immer eine Einschränkung der Studienplätze zur Verbesserung der Betreuungsverhältnisse genannt. Die in Diskussion befindlichen Obergrenzen überschreiten aber sogar die Anmeldezahlen des Vorjahres.

Falsches Signal 2: Wenn alle StudienwerberInnen bis zu der viel zu hoch angesetzten Obergrenze aufzunehmen sind, ist davon auszugehen, dass fast alle, die sich bewerben, auch aufgenommen werden. Somit dienen die Zulassungsverfahren wieder nicht als Standortbestimmung und zur Reduktion späterer Drop-outs; die Anforderungen der Fakultäten und Universitäten an die Studierenden verkommen zur Makulatur.

Falsches Signal 3: Den Studierenden werden falsche Hoffnungen gemacht. An allen Universitäten mit Aufnahmekriterien bedeutet ein bestandenes Zulassungsverfahren einen garantierten Studienplatz. Nicht so hier: Anstelle einer Reduktion an Studierenden signalisiert man sogar völlig fälschlicherweise, dass weitaus mehr Studienplätze als bisher vorhanden sind! Und verschlimmert somit die Betreuungsmisere, anstatt sie zu lösen.

Falsches Signal 4: Um den nicht bewältigbaren Studierendenüberhang zu reduzieren, müssen als zweiter und wahrscheinlich nicht so offensichtlicher Schritt in den Folgesemestern weitere Hürden eingebaut werden, was den Studierenden gegenüber unehrlich, für die Lehrenden demotivierend und für die Universitäten unproduktiv und kostenintensiv ist. Von den "Sunk Costs" der Zulassungsprüfungen ganz zu schweigen.

Falsches Signal 5: Es ist anzunehmen, dass sich viele Studierende nicht für gänzlich andere Studienfelder entscheiden, sondern sich in ähnliche, aber von den Zulassungskriterien nicht erfasste Studien einschreiben, um die Hürden zu umgehen. Konsequenzen sind ein plötzliches Kapazitätsproblem in bisher kleineren Studienrichtungen (die in weiterer Folge einen Ressourcenzuwachs fordern), Versuche einseitiger Anerkennungen in das eigentlich gewünschte Studienfach (was eine Vermehrung des Verwaltungsaufwandes bedeutet) und spätere Drop-outs aufgrund mangelnden Interesses.

Umtausch

Die grundsätzliche Einigung der Regierungsparteien auf Zulassungskriterien hat das Potenzial, die Betreuungsverhältnisse zu verbessern, der Entwurf zur konkreten Umsetzung macht aber vieles wieder zunichte. Kurzfristig bleibt die dringende Forderung, den Entwurf nochmals zu überarbeiten und den Zielen und Realitäten anzupassen - vor allem die Anpassung der Obergrenzen an die vorhandenen Kapazitäten und die Definition der einzubeziehenden Studienfelder. Es führt kein Weg daran vorbei. Weihnachtsgeschenk? Danke. Umtausch erwünscht. (Michaela Schaffhauser-Linzatti, derStandard.at, 15.1.2013)

Michaela Schaffhauser-Linzatti ist ao. Univ.-Prof. an der Universität Wien, Habilitation im Fach Betriebswirtschaftslehre. Sie ist unter anderem Studienprogrammleiterin, Mitglied des Betriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des ULV an der Uni Wien.

  • Michaela Schaffhauser-Linzatti: "Gut ist das Gegenteil von gut gemeint. In diesem Sinne ist der 
Entwurf zu den neuen Zulassungskriterien zu sehen, der viele positive 
Ansätze ins Gegenteil kehrt."
    foto: apa/hochmuth

    Michaela Schaffhauser-Linzatti: "Gut ist das Gegenteil von gut gemeint. In diesem Sinne ist der Entwurf zu den neuen Zulassungskriterien zu sehen, der viele positive Ansätze ins Gegenteil kehrt."

  • Schaffhauser-Linzatti ist Betriebswirtin an der Universität Wien.
    foto: privat

    Schaffhauser-Linzatti ist Betriebswirtin an der Universität Wien.

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